Sparen und Investieren – Grundlage einer guten Volkswirtschaft
Jim Rogers in Investors Daily
vom 18. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Wie versprochen hier die Fortsetzung meines gestrigen Beitrags:
Wenn man in den USA einen Job hat, dann zahlt man Steuern. Wenn man Geld spart, dann zahlt man auf die Zinseinkünfte Steuern. Wenn man eine Aktie kauft und eine Dividendenzahlung erhält, dann zahlt man wieder Steuern. Und wenn man stirbt, dann müssen die Erben Erbschaftssteuer zahlen. Und wenn man lange genug lebt, um Pensionszahlungen zu erhalten, dann werden auch die besteuert. Zur Erinnerung: Man hatte schon Steuern bezahlt, als man das Geld verdient hatte, dennoch wird es immer und immer wieder besteuert.
Diese Politik ist nicht sehr förderlich, wenn es um das Fördern von Sparen oder Investieren geht. Dadurch wird der Konsum gefördert.
Im Gegensatz dazu sind die Länder, die sich in den letzten 30 oder 40 Jahren gut entwickelt haben, Länder, die Sparen und Investieren unterstützen. Singapur ist eine der erstaunlichsten Städte der ganzen Welt. Vor 40 Jahren bestand sie nur aus Slums. Jetzt ist Singapur gemessen am Pro-Kopf-Einkommen eines der reichsten Länder der Welt.
Einer der Gründe für den Erfolg Singapurs war die Tatsache, dass die Staatsoberhaupt Lee darauf bestand, dass jeder einen großen Teil seines Einkommens sparen und investieren musste. Wie auch immer die Politik von Lee in Bezug auf die persönliche Freiheit war – zumindest hat er die Leute dazu gezwungen, zu sparen und zu investieren.
Die Geschichte zeigt, dass Völker, die sparen und investieren, wachsen und gedeihen, und die anderen verschlechtern sich und kollabieren.
Es waren es die künstlich niedrigen Zinsen und die Politik des leichten Geldes, die Alan Greenspan und der US-Zentralbank zuzuschreiben sind, die in den späten 1990ern die Spekulationsblase bei den US-Aktien begründeten. Und jetzt macht die Politik der US-Zentralbank die Spekulationsblase noch schlimmer. Denn jetzt ändert sie sich, von einer Aktienmarkt-Blase hin zu einer Konsum- und Immobilien-Blase.
Und wenn diese Blasen platzen, dann wird das schlimmer sein als das vorige Platzen der Spekulationsblase am Aktienmarkt – da sehr viel mehr Leute betroffen sind, wenn es um Konsum und Immobilien geht. Wenn all diese Leute herausfinden werden, dass die Immobilienpreise eben doch nicht immer weiter steigen, und sie gleichzeitig sehr hohe Kreditkartenschulden haben, dann wird es viele wütende Leute geben.
Natürlich will das niemand hören. Die Leute wollen eine schnelle Lösung. Sie wollen eine Aktie kaufen und sehen, dass die dann um 25 % steigt, weil sie das im letzten Jahr so gesehen haben, und weil das im Fernsehen gesagt wird. Sie wollen eine Zinssenkung, weil sie gehört haben, dass das zu einem Wirtschaftsboom führen wird.
Bill Bonner schrieb mir über sein frisch geschriebenes Buch (das voraussichtlich im Juli oder August auf dem deutschen Markt erscheinen wird) , um mir zu sagen, dass "eine Menge von dem Zeug, über das Du im 'Adventure Capitalist' (Random House) schreibst, in meinem Buch ist – bis auf das Reisen in internationale Länder."
Ich würde einen Schritt weiter gehen und sagen, dass es fast so ist, als ob er Teile meines Buches und ich Teile seines Buches geschrieben hätte – wir sind dasselbe Thema aus zwei unterschiedlichen Richtungen angegangen ... und sind am Ende zum gleichen Ergebnis gekommen. Angefangen von der fehlenden staatlichen Förderung für Sparen und Investieren bis hin zu den dramatischen Effekten der Demographie habe ich in diesem Buch Dinge gefunden, die ich auch auf meinen Reisen gesehen hatte. Ich hatte sie entdeckt, indem ich Geschichtsbücher gelesen und Volkswirtschaft studiert hatte. Und dann sah ich sie von Nahem, vor Ort.
"Unnötig zu sagen, dass Du ein Genie bist", schrieb ich ihm zurück. "Du denkst wie ich, was bedeutet, dass wir beide zusammen Pleite gehen werden."