Sparen in den USA – ein Paradoxon?
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 14. Februar 2011, 20:00 Uhr
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Es sollen ja noch Zeichen und Wunder geschehen. Ob das allerdings auch in den USA der Fall ist oder ob der alte Trendsetter nur halbherzig einem bis jetzt verschlafenen Trend hinterher laufen will...man wird sehen. Tatsache ist jedoch, man kennt jetzt auch in der amerikanischen Politik das Wort: Sparen! ;-)
Wie lange können sich die USA noch so günstig refinanzieren?
Während im letzten Jahr vor allem die europäischen Staaten immer wieder, wie man in Bayern sagt, eine Watschn abbekommen haben, hat man den weltweit größten Schuldner, die USA, bislang unbehelligt belassen. Wenn Sie schon länger Rohstoff Daily lesen, dann wissen Sie, dass ich das im besten Falle als schade empfinde, im schlimmsten Falle als äußerst naiv.
Aber, was nicht ist, kann ja noch werden...zumindest macht sich der US-Finanzminister immer öfter Gedanken darüber, wie lange die USA noch so im Glück schwelgen können, bzw. wann die Kosten der horrenden Schulden, das Land schließlich auffressen werden. Das US-Finanzministerium hat jetzt nämlich eine Präsentation vorgelegt, in der es sich ausmalt, dass der Zinsaufwand, der derzeit bei 1,3% vom BIP liegt, angesichts eines kumulierten Defizits von dann über 4 Billionen USD, bis 2016 auf 3,1% vom BIP steigen könnte. Endlich macht man sich also auch einmal von US-finanzpolitischer Seite Gedanken um die Zukunft.
Schließlich kann es nicht ewig angehen, dass ein Land sich nur immer weiter verschuldet und dabei auf die Freundlichkeit des Marktes setzt. Irgendwann müssen die Zinsen steigen und wenn sich die Refinanzierungskosten dann, wie das Weiße Haus inzwischen glaubt, verdreifachen, dann haben die USA ein Problem. Ein Problem, aus dem ihnen langfristig auch China und Japan nicht heraus helfen werden - nicht umsonst stellt China schon mit dem neuen 5-Jahres-Plan die Weichen für eine wesentliche Stärkung des Binnenmarktes. Ich schätze, wenn es ginge, würden sich China und Japan lieber früher als später von den USA verabschieden - aber im Glück für die USA, ganz so schnell geht's nicht...und dennoch, passieren wird es schließlich.
Na ja, wie auch immer...so viel mal zu den Sorgen des US-Finanzministeriums. Kommen wir lieber zur echten politischen Showbühne....
Obamas Sparprogramm
Mal abgesehen davon, dass sich die USA wirklich langsam Sorgen um sich selbst machen müssten, ist Sparen derzeit wirklich "in". Nicht nur weil die europäischen Staaten halbflott voran marschiert sind, sondern weil das Thema mittlerweile zu einem politischen Trend geworden ist. Weil Obama sich während der Krise das "Ausgeben" auf die Fahnen geschrieben hatte, konnten die Republikaner mit ein bisschen Sparrhetorik (schließlich fordert man immer das Gegenteil von dem, was der politische Gegner gerade tut) bei den Kongresswahlen Punkte gut machen.
Folglich ein weiterer Punkt für Obama um jetzt einen Sparkurs zu fordern.
Und der sieht folgendermaßen aus:
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Obama will über die kommenden 5 Jahre die öffentlichen Ausgaben einfrieren, u.a. die Beamtengehälter.
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Beim Militär sollen 78 Milliarden USD eingespart werden
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Ein paar Steuererhöhungen für die ganz Reichen
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2/3 der Einsparungen sollen aber über andere Kürzungen erreicht werden. Zum einen will man bei den Heizkostenzuschüssen für Bedürftige sparen, zum anderen bei Umweltschutzprojekten.
Damit will Obama das Haushaltsdefizit bis 2012 um 500 Milliarden auf 1,1 Billionen reduzieren und am liebsten über die kommenden 10 Jahre um weitere 1,1 Billionen USD.
Was ich davon halte?
Na ja, Beamtengehälter einzufrieren ist an sich ja keine schlechte Idee, allerdings muss man sich in den USA schon fragen, welche Auswirkungen das auf den Arbeitsmarkt und schließlich den Konsum haben wird, wenn immerhin kein geringer Anteil der Amerikaner beim Staat im Dienst steht. Steuererhöhungen gehören ja nun ganz klassisch zu einem Sparprogramm dazu und lustigerweise gäbe es bei den Amerikanern durchaus Luft nach oben (schließlich liegt der Höchststeuersatz dort noch immer um die 30%), wenn...ja, wenn die US-Wirtschaft nicht so auf Biegen und Brechen nur auf den Konsum ausgerichtet wäre. Lächerlich ist dagegen die Summe die man beim Militär einsparen will, eine unabhängige Expertenkommission hatte schon im Dezember eine wesentlich höhere Summe vorgeschlagen. Tja, und zu Punkt 4: ein Zugeständnis an die Republikaner im Kongress, welches dafür sorgen wird, dass sich der bereits tiefe gesellschaftliche Graben zwischen Arm und Reich in den USA noch weiter vertiefen wird, während die Umwelt den Bach runter geht.
Aber Obama will ja nicht nur sparen, sondern auch investieren. Und zwar in Infrastruktur und Bildung. Zum Beispiel will er mit Hochgeschwindigkeitszügen einen US-Sputnik-Schock (also diesmal von der anderen Seite her) auslösen. Und auch wenn ich mir im letzten Satz den Sarkasmus schon wieder nicht verkneifen konnte, diese Pläne sind eigentlich gut. Mal schauen ob sie auch finanzierbar sind...
Republikaner Sparprogramm
Auch wenn ich schon an Obamas Sparprogramm nur wenig Gutes finden kann, muss ich sagen, das Sparprogramm, welches dagegen die Republikaner ausgeheckt haben, ist noch wesentlich gefährlicher. Die wollen nämlich:
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die öffentlichen Ausgaben um weitere 61 Milliarden USD kürzen. Und zwar nicht etwa indem sie leer stehende Staatsgebäude verkaufen wollen, sondern indem sie dem Bildungssektor 5 Milliarden USD klauen, Tausende Polizisten entlassen und die Überwachung der Atomsprengköpfe runter schrauben wollen.
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Keine Steuererhöhungen
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Keine Investitionen in Hochgeschwindigkeitszüge
Wollen Sie wirklich wissen, was ich davon halte?
Dazu fällt mir nur ein Satz ein: Armes Amerika!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Günther (14.02. 2011 22:23 Uhr):
Die Herren aus den USA haben es immer noch nicht begriffen, dass sie wirtschaftspolitisch nicht mehr punkten können...China wird bald ganz vorne sein!
Antworten - Kommentar von maxundmoritz (14.02. 2011 23:10 Uhr):
Hallo Frau Kraus, Sie zeigen den Sachverhalt wieder gut auf.Aber hinter allem sollte stehen: Armes, unregierbares Amerika!
Antworten - Kommentar von Lacher Meinrad (15.02. 2011 16:02 Uhr):
Weder US- noch EU-Politiker habens begriffen. Die Zeit für Sparprogramme ist längst abgelaufen. Das einzige, das hilft ist eine weltweite Währungsreform, wobei die Völker verlieren werden, damit die Politiker wieder von vorn mit dem wursteln beginnen können.
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