Spanien und Italien zapfen Märkte an - greift EZB unterer die Arme?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 12. Januar 2012, 13:00 Uhr
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am heutigen Donnerstag haben sich Spanien und Italien wieder am Kapitalmarkt versucht. Vom Erfolg dieser Auktionen hing auch kurzfristig die weitere Entwicklung der Finanzmärkte ab. Der DAX konnte um ca. 11 Uhr endlich seine Aufwärtsbewegung fortsetzen und die wichtige Hürde bei 6.200 Punkten hinter sich lassen. Damit ist nun mein nächstes Kursziel bei 6.433 Punkten aktiviert.
"Damit kann die Aufwärtsbewegung im DAX nun bald weiter gehen."
Dieses hatte ich zuletzt am 3. Januar ausgerufen. Zunächst war ich aufgrund der Neujahrs-Euphorie etwas skeptischer, sah aber dann nach der Seitwärtsphase bereits am 6. Januar wieder eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung im DAX. Waren die Anleiheauktionen für den Ausbruch nun verantwortlich?
Verhalfen die Anleiheauktionen dem DAX zum Ausbruch?
Ja! Denn die Auktionen liefen sehr gut. Die Spanier konnten von ihren Anleihen mit Laufzeiten bis 2015 und 2016 fast doppelt so viel Papiere absetzen wie geplant. Der Zinssatz lag dabei um gut einen Prozentpunkt unter dem Wert der vorherigen Auktionen. Italien verkaufte unter anderem einjährige Papiere im Volumen von 8,5 Mrd. Euro mit einer um mehr als drei Prozentpunkte von 5,952 auf 2,735 Prozent gesunkenen Rendite.
EZB: Schützenhilfe?
Experten erwarten in der ebenfalls heute stattfindenden Tagung der EZB weitere monetäre Eingriffe in Form des Rückkaufs von Staatsanleihen. Vielleicht beteiligt sich die EZB bereits an besagter Auktion, um ihr zum Erfolg zu verhelfen und die Märkte weiter zu beruhigen. Auch weitere Zinssenkungen werden für möglich gehalten.
Seit seinem Amtsantritt hat der neue EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen bereits zweimal um jeweils 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 % gesenkt.
Deutschland wird weitere Anleihen zu Niedrigstzinsen los
Unterdessen ist das Interesse internationaler Anleger an deutschen Anleihen trotz Niedrigstzinsen ungebrochen. Gestern brachte die Finanzagentur des Bundes weitere Anleihen problemlos am Markt unter und nahm damit 3,153 Milliarden Euro ein. Obwohl die Papiere mit fünfjähriger Laufzeit lediglich eine Rendite von 0,9% abwerfen, war die Auktion 2,8-fach überzeichnet. Insgesamt
Bund Future doch noch weiter aufwärts?
Da stellt sich schon die Frage, ob der Bund Future nicht doch noch deutlich höher tendieren könnte. Betrachtet man den folgenden Chart, muss man schon eingestehen, dass er bullisch aussieht. Insbesondere aufgrund der letzten Aufwärtsbewegung.
(Quelle: CFX-Broker) Bund Future, Candlestick-Chart, Tageskerzen
3- oder 5-gliedrig?
Und was den letzten Satz aus dem gestern zitierten Fazit angeht, so war mit der Welle 5 gemeint, dass aus der bislang gesehenen Aufwärtsbewegung in Form einer 3-gliedrigen ABC-Welle (rote Buchstaben) auch noch ein 5-gliedriger Aufwärtstrend werden könnte.
Die hier markierte Welle B ganz rechts im Chart könnte demnach auch die Welle 1 eines Aufwärtsimpulses sein. Der rote Pfeil müsste dann genau in die andere Richtung, also nach oben zeigen. Die mit den roten Buchstaben ABC markierten Wellen müssten dann in 123 geändert werden. Die Seitwärtsphase wäre dann die Welle 4.
Weiter steigende Kurse einfach aus sitzen
Selbst wenn es tatsächlich noch zu einer fünften Aufwärtswelle kommen sollte, so wären spätestens im Anschluss daran gemäß der Elliott-Wellen-Theorie fallende Kurse zu erwarten, weshalb auch bei diesem eigentlich bullischen Szenario Long-Positionen kaum lohnen dürften.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Bayernwolfi (12.01. 2012 13:29 Uhr):
Da sieht man mal wieder, daß übergeordnete politische Aspekte die Elliott-Wave-Theorie aushebeln können. Aber warten wir mal ab was passiert, wenn die Rating-Agenturen den gesamten Euroraum incl. Deutschland in der Bonität abwerten. Dann müßten in jedem Land incl. Deutschland die Zinsen steigen und somit der Bund-Future sinken.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (12.01. 2012 15:09 Uhr):
Guten Tag! - - - Langfristig wird sich der Finanzmarkt immer nach der fundamentalen (politischen und wirtschaftlichen) Entwicklung richten. Kurzfristig kann es aber sein, dass wichtige langfristig relevante Chartmarken die Wirkung einzelner fundamentaler Konjunkturdaten überwiegen. - - - Dazu ein Beispiel: Nehmen wir an, der DAX steht kurz vor einem wichtigen Widerstand, z. B. ganz aktuell die Marke von 6.200 Punkten. Nun werden die wöchentlichen Erstanträge für Arbeitslosenhilfe in den USA veröffentlicht, die sehr gut ausfallen. Demnach müsste der DAX steigen. Es könnte aber sein, dass dieses einzelne Konjunkturdatum dem DAX nicht genügend Kraft verleiht, um über den Widerstand bei 6.200 Punkten zu gelangen. Es könnte sogar passieren, dass der DAX abprallt und nach unten tendiert. Obwohl die fundamentalen Daten klar für steigende Kurse sprechen, überwiegt die charttechnisch relevante Marke. - - - In den Medien wird dann vielleicht verbreitet, dass der DAX nur deswegen gefallen ist, weil die positiven Arbeitsmarktdaten aus den USA die Hoffnung der Anleger auf weitere geldpolitische Maßnahmen zunichte gemacht haben. Man findet immer für alles eine Erklärung. Aber das wirkliche Motiv der Anleger wird man nie erfahren. Dafür müsste man nämlich alle fragen. - - - Im vorliegenden Fall des Bund Futures wurden die Elliott-Wellen ja auch gar nicht ausgehebelt. Das Szenario des Dreifach-Dreiers ist immer noch intakt. Gerade weil man aber die Motive aller Anleger nie wird in Gänze erheben können und die Entwicklung der zukünftigen Wirtschaftslage heute noch nicht bekannt ist, kann auch noch eine andere Elliott-Wellen-Formation eintreten (z. B. der 5-gliedrige Aufwärtstrend). - - - Aber gerade weil ich, genau wie Sie es im letzten Satz beschreiben, eher von steigenden Zinsen ausgehe, aus welchen Gründen auch immer, würde ich eher auf fallende Bund Future-Kurse setzen. Es gilt also das wahrscheinlichste Szenario herauszufiltern. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Bayernwolfi (12.01. 2012 22:21 Uhr):
Vielen Dank, Herr Weisenhaus, für Ihre ausführliche Antwort. Sie sind in meinen Augen der beste und seriöseste Elliott-Wave-Analytiker, den ich je als Leser kennengelernt habe. Alles von Ihnen hat Hand und Fuß.
- Antwort von Sven Weisenhaus (12.01. 2012 15:09 Uhr):