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Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Finanzkrise
vom
nachdem es monatelang und selbst am Freitag immer wieder abgestritten wurde, platzte am Wochenende die Bombe: Spanien muss unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land erhält nun bis zu 100 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung seiner Banken. Nach Griechenland, Irland und Portugal haben wir damit das vierte Land des Euroraums, dass faktisch Pleite ist und finanziell gestützt werden muss. Also nicht das Land selbst, sondern nur" seine Banken (aber dann hätte Spanien seine Banken ja selbst retten können?). Im Unterschied zu den anderen drei Staaten muss sich Spanien deshalb auch keinem Sparprogramm unterziehen, da die Kredite alleine für das Bankensystem bestimmt sind. Es genügt, dass hoch und heilig versprochen wird, dass die Spanier ihre Banken sanieren werden. Konkrete Ziele oder gar regelmäßige offizielle Kontrollen? Fehlanzeige.
Ein paar weitere Schönheitsfehler hat die Aktion dann aber noch. Das Geld soll irgendwie" aus dem EFSF kommen. Dem sind direkte Banken-Subventionen durch seinen gesetzlichen Auftrag allerdings verboten. Man ringe hier noch um eine Lösung, hieß es. Die Zinsen für die neuen Kredite dürften bei (für Spanien sehr günstigen) 4 Prozent liegen. Im Gegenzug steigt laut "Handelsblatt" u.a. der deutsche Bürgschaftsanteil für den EFSF von ursprünglich 29% kräftig an, da die EFSF-Statuten vorsehen, dass ein Kredit-Empfängerland als Garantiegeber für den Fonds ausfällt. Der Umstand, dass die spanische Bankenkrise eigentlich nichts mit dem Euro-Raum zu tun hat, sondern auf die hausgemachte spanische Immobilienblase zurückzuführen ist, wurde in der offiziellen Erklärung nicht einmal erwähnt. Aber um Gerechtigkeit geht es bei einem solchen Projekt ohnehin nicht.
Die Märkte scheint das heute nicht zu stören. Der DAX wird heute früh mit einer gewaltigen Kurslücke aufwärts (ca. 150 Punkte) eröffnen, weil nun alle Probleme schlagartig gelöst sein werden (kleiner Scherz). Nein im Ernst: am nächsten Wochenende sind in Griechenland Wahlen, die schlimmstenfalls den ersten Austritt eines Landes aus der Eurozone zur Folge haben könnten. Für den DAX dürfte es schwer werden, seine Kurslücke von heute bis dahin offen zu halten.
- Kommentar von Hartmut Fischer
Und so wird sich das Euro-Chaos mitsamt den zugehörigen politischen Lügen, gebrochenen Versprechungen, Regeln, Verträgen, Verfassungen bis zum unausweichlich bitteren Ende des geamten politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Systems fortsetzen: eine reine tragikomische Farce unter völliger Verarschung der Bevölkerung ! Eigentlich eine hervorragende Grundlage für Satire oder ein Theaterstück, aber selbst die Satire schreckt vor dem Europa-Tabu zurück !
Antworten- Kommentar von Rolf Ehlhardt
Man sollte im Falle eines Austritts der Griechen aus dem Euro nicht zwangsläufig von einem Kursverfall ausgehen. Evtl. sagt die Börse: Gott sei Dank, das Problem hat der Euro "von der Backe". Und... es wartet eine historisch hohe Shortposition im Euro/USD auf Eindeckung. €-Käufer könnten dann auch Aktien kaufen.
Antworten- Antwort von Hartmut Fischer:
Das könnte aber höchstens eine sehr kurzfristige Spekulation wert sei wie gestern, da das gesamte Euro-System von der Wurzel her faul ist!