S&P lenkt nur kurz ab
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Ratingagenturen
vom 6. Dezember 2011, 20:45 Uhr
ENL5454
Eigentlich ist es ja nicht so lustig, dass S&P jetzt auch von den letzten Triple-A-Zonenländern so gar nicht viel hält. Aber, hey, was soll's die Amis haben ihr Triple-A auch schon zurecht verloren - warum sollten wir dann Schonung erwarten dürfen?!
Ich hatte es ja gestern schon geschrieben: von Angies und Nics Plänen bin ich nach wie vor nicht nachhaltig überzeugt. Dabei stelle ich mir vor allem die Frage, wie denn die ganzen Staaten überhaupt dazu gezwungen werden können, ihre Haushaltsdefizite zurück zu fahren (von den Schuldenbergen mag ja schon gar keiner mehr sprechen).
Pläne sind ja gut und schön, aber was hilft es, wenn man sie vielleicht gar nicht umsetzen wird können. Mal abgesehen davon, dass die nationalen Parlamente vorher erst noch der Schuldenbremse zustimmen müssen - mit Sanktionen (auf deren nähere Umschreibung ich ernsthaft gespannt bin) hat das bislang unter Maastricht ja auch nicht funktioniert, die Staaten zum richtigen Haushalten zu zwingen (und dabei war es sogar Deutschland, das als erstes aus der Reihe getanzt war - ohne Sanktionen versteht sich...).
Aber na ja, vielleicht mache ich mir ja auch einfach nur zu viele Gedanken...vielleicht haben die weisen Häuptlings-Entscheider auch DEN überzeugenden Masterplan in der Tasche. Jedenfalls ist die Hoffnung darauf noch lange nicht tot. Und so kann auch die Warnung der S&P-Heinis nur kurzfristigen Effekt verbuchen, denn heute geht's dann doch schon wieder aufwärts.
Rohstoffe Wochenrück- und Ausblick 28.11.-06.12.2011
Energie
Ebenso verhält es sich bei den Rohölpreisen, die sich weiterhin entlang der Aktienmärkte bewegen und in der letzten Woche tendenziell zulegen konnten. Gestern dann gerieten die Preise zwischenzeitlich unter Druck, können aber heute schon wieder zulegen.
Zudem engt sich der Spread zwischen WTI und Brent zusehends weiter ein und liegt aktuell nur noch zwischen 9 und 10 USD. Seitdem Libyen an den Markt zurück gekehrt ist und trotz wieder steigender US-Lagerbestände, sowie einer eher anämischen Nachfrageentwicklung ist die Einengung des Spreads fundamental auf jeden Fall gerechtfertigt.
WTI zur Lieferung im Januar notiert aktuell bei 101,25 USD pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Januar notiert aktuell bei 110,84 USD pro Barrel an der ICE.
Ausblick
Obgleich die Ölmärkte natürlich von der allgemeinen Marktstimmung abhängig bleiben, könnte sich ein Ölembargo der EU gegenüber dem Iran als unterstützend für die Brent-Preise erweisen, da Iran ein wichtiger Öllieferant für die EU ist. Es bleibt abzuwarten...
Edelmetalle
Auch die Goldpreise orientierten sich tendenziell wieder an den Aktien- und übrigen Rohstoffmärkten und damit an der vorherrschenden Marktstimmung. So konnten die Goldpreise in der vergangenen Woche ebenfalls zulegen, gaben gestern und heute zunächst ab und können zum Ende des Tages wieder aufholen.
Dabei bleibt die physische Nachfrage weiterhin intakt und sichert damit die Preise nach unten hin ab. So hat die koreanische Zentralbank beispielsweise im November 15 Tonnen Gold gekauft.
Gold in USD notiert aktuell bei 1.729,05 USD pro Feinunze.
Gold in EUR notiert aktuell bei 1.289,23 USD pro Feinunze.
Ausblick
Die Goldpreise können sich zwar noch nicht gänzlich den Einflüssen der übrigen Märkte entziehen, aber die stabile physische Nachfrage sichert die Preise zumindest nach unten hin ab.
Industriemetalle
Auch der Kupferpreis entwickelte sich tendenziell entlang der übrigen Rohstoffmärkte. Nach der gemeinsamen Aktion der Notenbanken in der letzten Woche profitierten insbesondere die Industriemetallmärkte. Dies vor allem auch deshalb, weil auch die chinesische Notenbank durch die Senkung der Mindestreserveanforderungen, im Grunde an der Aktion teil genommen hatte. China ist der größte Metallverbraucher weltweit und Lockerungsmaßnahmen lassen auf Stimulierung und wachsende Nachfrage hoffen.
Gestern gab der Kupferpreis ebenfalls ein wenig ab, kann aber heute schon wieder zulegen.
Kupfer zur Lieferung im März notiert aktuell bei 3,59 USD pro Pfund (lb.) an der COMEX.
Ausblick
Die fundamentalen Faktoren für Kupfer bleiben weiter intakt. Hierzu passt auch der erneute Rückgang der Lagerbestände in Shanghai und an der LME. Wenn dann noch das Stimmungsumfeld passt, kann Kupfer auch endlich profitieren.
Agrarrohstoffe
Auch die Agrarrohstoffmärkte können sich nicht gänzlich dem beherrschenden Einfluss der Stimmung und damit der Korrelation zu den übrigen Märkten entziehen. Weizen entwickelte sich dementsprechend entlang der übrigen Rohstoffmärkte.
Eine Ausnahme bot Kaffee, wo in der vorletzten Woche die Spekulanten ihre Netto-Long-Position ausgeweitet haben. So zeigten sich die Arabica-Preise zwar sehr schwankungsanfällig, aber teilweise auch entgegen der Strömung an den übrigen Märkten.
Aktuell notiert Coffee C zur Lieferung im März bei 2,35 USD pro Pfund (lb.) an der NYBOT.
Ausblick
Die fundamentale Ausgangslage sollte den Arabica-Preisen Unterstützung bieten können.
So long liebe Leser...damit verabschiede ich mich für heute...im 2.Teil finden Sie heute einen überaus interessanten Gastbeitrag meines Kollegen Hannes Huster zum Thema Gold...liebe Grüße und bis morgen...
Ihre Miriam Kraus
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hedda Phonphai (06.12. 2011 23:10 Uhr):
Warum lässt man sich von eine private Firma so nervös machen? Ich sehe es nicht länger ein. Es wurde nach USA geschaut, schon lange nachdem warnglocken aufgeschrillt sind. Für mich schon 2006-7 Welche ofizielle Berächtigung hat diese Firma alles zu beurteilen? Warum hat Europa keine eigene Instutition? Das die in Europa streiten so, dass die fetzen fliegen ist ja nichts neues. Aber warum jede detail gleich in die Zeitung geben. Knappe Kommentare muss genug sein. Dass Usa Europa schon lange als Blitzableiter für ihre eigene katastrophale Handlungen benützen ist doch für mich schon lange klar. 30 Jahre Schulden machen, und wir schlucken es, die werden es schon schaffen. Ich nenne keine Details, die dürfen schon bekannt sein. Ich habe aber das unangenehme Gefühl, dass die mehr planen als ein wohlerzogene Mensch sich vorstellen kann, werde ich langsam immer mehr auf Supergau eingestellt. Aber wer andere eine Falle stellt..... Traurig, dass wir auf diese schöne Welt nicht in Frieden Leben können. Aber die Gier ist ein Luder, und ich finde es nur mehr unglaublich unvorstellbar bösartig.
Antworten