S&P hat sich getraut: Warnschuss vor den US-Bug
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Kapitalschutz
vom 18. April 2011, 20:30 Uhr
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Obwohl S&P nicht vorsichtiger an die Sache heran gehen hätte können...die USA haben einen Warnschuss vor den Bug erhalten und wir können uns heute einen kleinen Vorgeschmack darauf ansehen, welche dramatischen Folgen ein Vertrauensverlust in die USA hat. Was auch einen Grund, und natürlich ganz betont: nur einen von vielen Gründen, dafür liefert, weshalb die Rating-Agenturen gerne mit zweierlei Maßstab messen.
S&P senkt Ausblick auf negativ
Wie schnell es doch manchmal gehen kann...Sie erinnern sich sicher: am letzten Donnerstag (Die BRICS) hatte ich noch davon berichtet, wie die BRICS-Staaten einen bedeutenden ersten Schritt in Richtung der Unabhängigkeit von der Leitwährung US-Dollar getan haben, welche langfristigen Auswirkungen das, meiner Meinung nach, hat und auch weshalb die USA bisher immer durch eine rosa-rote Brille betrachtet worden sind. Eigentlich könnte ich zumindest die Quintessenz meiner Ausführungen vom vergangenen Donnerstag an dieser Stelle gleich wiederholen: in langsamen Schritten wird eine Abkehr von der Leitwährung US-Dollar und damit eine schrittweise Auflösung der besonderen Ausnahmeregelungen für die USA auf lange Sicht unumkehrbar sein.
Dennoch...dass eine US-amerikanische Rating-Agentur dann tatsächlich so schnell reagieren würde, hätte ich nicht erwartet.
Was ist passiert?
Nun, wenn man alles Übrige ausblenden würde, eigentlich noch nicht so viel. Die Rating-Agentur S&P hat den Ausblick für das Kreditrating der USA von stabil auf negativ gesenkt. Im Vergleich zur Vorgehensweise der Rating-Agenturen, wenn andere Staaten betroffen sind, klingt das eigentlich noch harmlos. Schließlich fackeln die Rating-Agenturen in der Regel nicht lange, wenn es darum geht die Kreditwürdigkeit angeschlagener Staaten in Frage zu stellen. Zuletzt hatten sie ja bereits einige unserer peripheren europäischen Freunde auf Ramschniveau befördert. Ich möchte diese Entscheidungen keinesfalls in Frage stellen, was mich aber immer verwundert hat, ist, dass selbst Spanien, dessen Staatsschulden gemessen am BIP rund 20 Prozentpunkte unter der Staatsverschuldung der USA liegen, lange vor den USA dran glauben musste.
Nun ja, bislang wurde das ewig felsenfeste Triple-A-Rating der USA ja noch nicht umgeworfen...S&P hat lediglich einen mahnenden Finger gehoben...und dennoch: dies ist ein Tabu-Bruch, wie er seinesgleichen sucht und bereits hohe Wellen schlägt.
Der Tabu-Bruch
Wie ich schon am letzten Donnerstag schrieb: die USA und ihre Kontrolle über die Weltleitwährung haben dem Land bislang einen Ausnahmestatus zukommen lassen. Oder eher einen Monopolstatus...derart unangreifbar, ist es kaum verwunderlich, dass das Kreditrating der USA bislang nie ein anderes war, als das eingemauerte Triple-A. Und noch nie zuvor hatte es einen Rating-Agentur gewagt den Ausblick auf negativ zu senken.
Dementsprechend kann ich den ungewöhnlichen Mut, welchen S&P heute bewiesen hat, nur bewundern und beglückwünschen, auch wenn ich zugeben muss, dass ich dem Tag, an dem das Vertrauen in die Kreditfähigkeit der USA zum ersten Mal offiziell in Frage gestellt würde und den ich seit langem erwartet hatte aufziehen zu sehen, auch ein wenig mit gemischten Gefühlen begegnen muss.
Denn so winzig der Schritt der Rating-Agentur heute auch eigentlich nur ist, so schlägt er doch schon Wellen. Die Aktienmärkte sind eingeknickt und der Goldpreis steht kurz vor der 1.500 USD-Marke.
Das ist alles kein Weltuntergang, aber ein Vorgeschmack darauf was uns erwarten kann, wenn der absolute Vertrauensverlust die USA trifft und die Welt dann noch nicht darauf vorbereitet sein sollte.
Ist die Welt schon bereit für den absoluten Vertrauensverlust in die USA?
Wir alle wissen, was S&P heute getan hat, war eigentlich schon lange überfällig....daran gibt es nichts zu rütteln, denn spätestens im kommenden Jahr werden die Staatsschulden der USA die magische 100% vom BIP-Marke überschreiten.
Und dennoch, wenn der Hüter der Weltleitwährung mit einer Abstufung betitelt, sich mit steigenden Refinanzierungskosten auseinander setzen muss, dann hat das nicht nur dramatische Folgen für die US-Wirtschaft, sondern könnte das Land im schlimmsten Falle in eine Schuldenspirale verfrachten, ähnlich, wie sie unsere peripheren europäischen Freunde derzeit erleben.
Doch, welche zur Rettung eilenden Freunde haben die USA? Hmm...eine schwierige Frage...die USA haben vor allem Gläubiger, die schon seit langem befürchten, ihre Schäflein nicht mehr ins Trockene bringen zu können und die von einer in einer Spirale driftenden USA ebenfalls betroffen wären.
Eine schwierige Zwickmühle ist das für die Gläubiger...ein Spagat zwischen "den Kopf des Sinkenden lange genug über Wasser zu halten, bis er einen selbst los gelassen hat" und "den Sinkenden endlich los zu lassen, bevor er alle anderen mit runter zieht". Die einzige Lösung dieser Zwickmühle bietet die Hoffnung darauf, dass die Geschwindigkeit der kleinen Schritte zur Demontage der Monopolstellung schneller ist, als der fatale Fall des Koloss.