S&P Global Energy: Erholung in moderatem Tempo
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 11. November 2009, 08:00 Uhr
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einer der Sektoren, die bereits vor der Wahl von Barrack Obama zum US-Präsidenten vor einem Jahr zu einer veritablen Bodenbildung ansetzten, war der Bereich Energie. Anders als sein Vorgänger hat Obama angekündigt, dass er sowohl in der lokalen Energiebewirtschaftung als auch in der Zusammenarbeit mit allen anderen Industrienationen im Hinblick auf die Reduzierung von Treibhausgasen (Kyoto-Protokoll) fundamentale Änderungen einleiten will. Dazu gehört neben dem Ausbau der Infrastruktur für Atomkraft auch die Ergänzung der Energieversorgung durch den verstärkten Einsatz alternativer Energien.
Neue Verpflichtungen in Kopenhagen
Im Rahmen der durchgeführten Wiederbelebungsmaßnahmen für die US-Wirtschaft in diesem Frühjahr, verabschiedete die Regierung neben den Rettungspaketen für den Finanzdienstleitungs- und Automobilsektor ein staatliches Investitionsprogramm in Sachen alternativer Energien. Sie sollten nicht nur helfen, den Anstieg der Arbeitslosigkeit abzufedern, sondern auch als Anreiz für die Privatwirtschaft dienen, weitere Investitionen vorzunehmen.
Diese Rechnung ist, wie wir heute wissen, nur teilweise aufgegangen, weil die vielen von Obama angestoßenen Reformprojekte auch für erheblichen Widerstand in der eigenen Partei gesorgt haben. Obwohl die Partei des Präsidenten die über die notwendigen absoluten Mehrheiten in den Parlaments-und Senatskammern verfügt, sind den Ankündigungen nur begrenzte Taten gefolgt.
Das muss sich jetzt ändern, denn mit der Nachfolgeklimakonferenz in Kopenhagen Anfang Dezember geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Politik Obamas. Er wird nicht umhin kommen, neue Verpflichtungen einzugehen, die härtere Rahmenbedingungen in Sachen Umwelt für die Wirtschaft setzen.
Schwieriger Spagat im eigenen Land
Auf der anderen Seite kann auch die Regierung Obama den hohen Öl-Anteil an der Energieversorgung der USA inmitten einer Wirtschaftskrise von heute auf morgen reduzieren. Neben der bereits angeschlagenen Automobilindustrie würden auch andere Industriezweige unter zu schnellen und drastischen Eingriffen in die Energieplanung erheblich leiden. Das Versprechen Arbeitsplätze in einem Industriezweig durch den Aufbau anderer, neuer Industriezweige (Beispiel alternative Energien) adäquat ersetzt zu wollen, haben schon andere Industrieländer nicht einhalten können.
Obama wird sich also hüten, in einer so fragilen Wirtschaftssituation wie sie sich aktuell noch immer darstellt, zu umfangreiche Umsteuerungsprozesse vorzunehmen. Die Schwierigkeiten im Kampf mit den Lobbisten hat er bereits in Sachen Gesundheitsreform zu spüren bekommen. Da bereits in knapp einem Jahr wieder Parlamentswahlen in den USA anstehen, muss der Präsident allerdings einen Zahn zulegen. Ab Mai dürfte der dann wieder anlaufende Wahlkampf die Reformbereitschaft auch in der eigenen Partei deutlich reduzieren, Taten sind also gefordert.
Nächste Widerstände im Blick
Der S&P Global 1200 Energy Sector, der eine breite Palette aus nationalen und internationalen Unternehmen aus dem Energiesektor enthält, konnte seit dem Erreichen seines Jahrestiefs bei 1.486 Punkten in der Spitze um 62 Prozent zulegen. Stützende begleitet wurde Anstieg von den steigenden 38-und 50-Tage-Durchschnitten, währen der Abstand zur 200-Tage-Linie auf mehr als 20 Prozent anwuchs.
Der daraus entstehende, überhitzte Zustand der Käuferseite wurde mit der Korrektur in der zweiten Oktoberhälfte bereinigt. Unterdessen bahnt sich ein neues Kaufsignal im MACD-Indikator, dass durch einen Schnitt des Indikators (blau) mit seiner Signallinie (rot) vollzogen wäre. In diesem Zuge ist es mehr als wahrscheinlich, das der noch bestehende Widerstand im Bereich von 2.400 Punkten überwunden und die nächste Erholungsstufe der Fibonacci-Retracements erreicht wird.
Zielkorridor einer fortgeführten Aufwärtsbewegung wären die Widerstandsbereiche um 2.600 Punkte und um2.730 Punkte. Vermutlich werden aber wieder einzelne mehr oder wenig heftige Zwischenkonsolidierungen die Erholung begleiten.
