SOS – Autobauer in schwerem Seegang
Katja Kram in Insider Daily
vom 17. Februar 2009, 14:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
auf dem deutschen Börsenparkett ist der Handel heute schwach gestartet. Die negativen Vorzeichen an der Tokioer Börse lassen die Anleger hierzulande vorsichtiger werden. Der Nikkei-225 verlor gestern 1,4% und schloss bei 7645 Zählern. Zudem blieben gestern, aufgrund des Feiertags in den USA, die Impulse von der Wallstreet aus. Dafür machen heute die Zahlen eines Autobauers dem DAX das Leben schwer.
Kooperationspläne süddeutscher Autobauer sorgen für Wirbel
Der Stuttgarter Konzern Daimler gab heute Vormittag seine Jahreszahlen für 2008 bekannt. Diese wurden bereits mit Spannung erwartet, denn schon gestern sorgte Daimler für Gesprächsstoff. Die Nachricht, dass sich die Stuttgarter Automobilhersteller mit dem Konkurrenten BMW zusammentut, um gemeinsam besser durch die Absatzkrise zu fahren, bewirkte gestern, dass die Anleger zuhauf die Finger von Autoaktien ließen. Die Folge: sowohl Daimler als auch BMW mussten tatenlos zusehen, wie sich die Anleger von ihren Titeln verabschiedeten.
Daimlers Zahlenwerk ist eine Schlappe aber keine Überraschung
Anlass für Flucht der Anleger dürfte die Vermutung gewesen sein, dass Daimler, keine schönen Jahreszahlen für 2008 vortragen wird. Und diese Annahme ist nun Gewissheit. Der Absatzeinbruch im Schlussquartal 2008 machte dem Konzern ganz schön zu schaffen. Allein im vierten Quartal des vergangenen Jahres verzeichnete Daimler einen Nettoverlust von 1,5 Mrd. Euro. Aber nicht nur das bedrückt Daimler - es ist vor allem die Belastungen aus der Beteiligung am angeschlagenen US-Konzern Chrysler, welche die Zahlen in der Bilanz drücken - allein diese stehen mit 3,2 Mrd. Euro in den Büchern.
Auf das Gesamtjahr wirkt sich das folgendermaßen aus. Der Konzernumsatz sank in 2008 um 4% auf 95,9 Mrd. Euro. Der Konzerngewinn sank von 4 Mrd. Euro auf nur 1,4 Mrd. Euro. Betrug der Gewinn je Aktie in 2007 noch 3,83 Euro so lieg der Gewinn je Anteilsschein nun bei 1,41 Euro. Auch beim operativen Gewinn ging es bergab. Wie Daimler mitteilte, betrug der der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) im abgelaufenen Fiskaljahr 2,73 Mrd. Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 8,71 Mrd. Euro. Aufgrund der Ungewissheit, wie lange dieser globale wirtschaftliche Abschwung noch andauern wird, wagte Daimler-Chef Dieter Zetsche keinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr 2009.
Die Staatsbeteiligung als "Allheilmittel"?
Auch bei Opel geht es heute zur Sache. Denn für General Motors schlägt die Stunde der Wahrheit. Der Autoriese aus Detroit benötigt zum Überleben weitere Hilfen vom Staat. Und um diese Hilfen zu erhalten muss er der US-Regierung einen Sanierungsplan vorlegen. Aufgrund der Befürchtungen, dass vor allem Opel bei der Umsetzung des geplanten Sanierungskonzeptes auf der Strecke bleiben wird, berieten sich gestern die Bundesländer, in denen Opel produziert, wie man den Autobauer aus dem amerikanischen Mutterkonzern General Motors herauslösen könnte. Einige SPD-Politiker machten den Vorschlag, dass sich der Staat am Autobauer Opel befristet beteiligt, und zwar in der Form, wie es das Land Niedersachsen bei Volkswagen tut. Jedoch fand dieser Vorschlag nicht bei allen Politikern Gehör.
Geht Opel über Bord?
Inzwischen tut sich schon einiges in der Gerüchteküche. Wie die Agentur Bloomberg aktuell berichtet sollen zwei deutsche Werke von General Motors geschlossen werden. Bloomberg beruft sich dabei auf informierte Kreise, die jedoch anonym bleiben wollen. Demnach soll das Opelwerk in Bochum geschlossen und das Werk im thüringischen Eisenach verkauft werden. Und während hier das Projekt "Staatsbeteiligung" an Opel noch heiß diskutiert wird, scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen für die General Motors-Tochter zu bewahrheiten. Wie es Opel wirklich ergehen wird, werden wir jedoch erst ganz sicher im Lauf des Tages erfahren.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Dienstag.
Ihre
Katja Kram
ähnliche Beiträge:
- BMW und Porsche - Autobauer im Fokus
- Deutsche Autobauer nach großem Japan-Beben im Check
- Leser meinen: Zum Erfolg deutscher Autobauer
- Insider Daily-Medienschau: US-Autobauer, Bayer und Lanxess, ProSieben
- DAX mit schwerem Rückschlag
- Nur modernisierte Autobauer werden überleben
- DAX: Kurzer Schock-Impuls aus den USA