Soros gegen Bush

Jochen Steffens in Investors Daily
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von Jochen Steffens

Ich hatte am Wochenende zwei Traderkollegen zu Besuch. Trader sind schon ein seltsames Völkchen. Ich kenne mich zwar selber, aber als ich einen meiner Kollegen nach einer etwas durchzechten Nacht, Samstagsmorgens um 8.30 Uhr vor meinem Computer vorfand, war ich doch ein wenig erstaunt. Nein, er erwartete keine wichtigen Mails, er sah sich Charts an. Eigentlich völlig verrückt, doch genau das ist es wohl, was einen Trader ausmacht. Leidenschaft, Disziplin, und eine ganz gehörige Portion "Verrücktheit". Warum sollte man auch sonst sein Seelenheil an ein paar kleine Kurven hängen. Und sie können mir glauben, die Stimmung eines Traders steigt und fällt oft genug mit der Stimmung an den Börsen.


Doch wo wir schon einmal bei "Verrücktheiten" sind: Sorros, der bekannteste und früher auch mal gefürchtetste Devisenspekulant, hat eine neues "Spekulationsgebiet" entdeckt, die Politik. Er unterstützt im nächsten Wahlkampf die Demokraten und zwar mit 10 Mio. Dollar. Diese Summe spendete er der "America Coming Together" (ACT) Gruppe, die den Demokraten nahe steht.

Weise Worte von Soros dazu: "Das Schicksal der Welt hängt von den Vereinigten Staaten ab, und Bush führt uns in die falsche Richtung", erklärte Soros. ACT will insgesamt 75 Millionen Dollar an Spenden sammeln, um die Wiederwahl des Republikaners Bush bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu verhindern.

Zurück nach Europa: Vor diesem Wochenanfang zeigten sich viele Kommentatoren und Analysten überzeugt, dass es in dieser Woche zu einer deutlichen Erholung kommen werde. Allein der wirkliche Glaube daran schien zu fehlen. Denn offenbar wollten diese Kommentatoren und Analysten heute morgen nicht kaufen. Anders ist nicht zu erklären, warum der Dax zunächst sogar leicht im Minus auf die Eröffnungskurse der amerikanischen Indizes wartete. Auch gute Zahlen für die Automobilbranche verhalfen dem Dax nicht auf die Beine:

Die Anzahl der Neuzulassung ist im Juli im Vergleich zum Vormonat um 2 % angestiegen und notiert nun bei 288.000 Neuzahlungen. Die Produktion konnte sogar um 13 % auf 445.200 PKW zulegen. Dabei bleibt der Export der wichtigste Faktor. Hier kam es zu einem Anstieg von 7 % auf 315.700 Pkw.

Ein Grund für diesen Anstieg dürften unter anderem die Streiks in Ostdeutschland gewesen sein. Diese hatten die Produktion und damit auch die Exporte belastet. Das hatte sich auch noch auf den Juni-Wert ausgewirkt.

Die aktuellen Zahlen weisen demnach nicht auf eine wirkliche Trendwende hin. Doch vielleicht ändert sich das bald. Die Branche wartet auf positive Effekte durch die IAA, die im September in Frankfurt stattfindet.

Für den Dax belastend könnten sich die neusten Exportzahlen ausgewirkt haben. Die Exporte der deutsche Wirtschaft gingen im Juni im Vergleich zum Mai um 2,5 % auf 54,1 Mrd. Euro zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat kam es sogar zu einem Rückgang von 4,1 %. Auch die Importe gingen zurück, sie lagen mit 43,7 Mrd. Euro um 1 % niedriger als im Mai und um 3,6 % niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Analysten hatten mit schwachen Exportzahlen gerechnet. Die schwache Weltwirtschaft und der starke Euro wirken sich belastend auf den Export aus.

Kurz noch zur Charttechnik: Der Dax will offenbar nicht durch die 3300er Marke nach unten brechen. Er zeigt erste Anzeichen, oberhalb dieser Marke drehen zu wollen. Dabei liegt der wesentlich wichtigere Widerstand bei 3260/3250 Punkte. Auffallen ist, dass der Dax noch keine klare charttechnische "Topformation" generiert hat.

So können Sie leider auch noch nicht wirklich beruhigt short gehen (auf fallende Kurse setzten). Ich erwarte jedoch, dass sich in den nächsten Tagen eine Topformation ausbildet. Sehr deutliche Verkaufssignale werden allerdings erst nach einem nachhaltigen Bruch der 3120/3100 generiert.

Bis zum Ergebnis der Fed-Sitzung am Dienstagabend um 20.15 Uhr, dürfte der Markt nervös reagieren. Analysten gehen nahezu einhellig davon aus, dass es zu keiner Zinssenkung kommt. Morgen dazu mehr.


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