Sorgenkind US-Dollar, Teil 2
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 16. Januar 2003 18:00 Uhr
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"Ist die Dollar-Party vorbei?" fragt sich das Magazin "Economist" nach den jüngsten Kursverlusten beim Dollar. Ich frage mich das auch schon eine Zeitlang. Jetzt frage ich mich das nicht mehr ... wenn die Bowle getrunken ist, sollte der höfliche Gast seinen Mantel nehmen und sich von den Gastgebern verabschieden. Die Party ist vorbei.
"Jahrelang haben die Währungsexperten ziemlich eindeutig Kursverluste für den Dollar prognostiziert – größtenteils falsch", erinnert sich der Economist. "Sie konnten jede Menge Gründe für ihre Prognose anführen ... Amerika hätte die großen Kapitalimporte nicht mehr absorbieren können, die den Dollar so lange nach oben gezogen hatten. Der Euro würde nach seiner Geburt im Januar 1999 bald die Rolle des Dollars als Reservewährung angreifen ... Aber die weltweit wichtigste Währung blieb die begehrteste Währung." – "Wie konnte das sein?" fragten sich diejenigen, die einen Kursrückgang des Dollar erwartet hatten. "Wie konnte es sein, dass der Dollar NICHT fiel", fragten sie sich immer wieder ... und dann passierte es. Der Greenback verlor letztes Jahr gegenüber dem Euro 18 % und gegenüber der alten Währung Gold fast 25 %.
Und jetzt, Anfang 2003, ist der Dollar weiter auf Talfahrt. Die Fed unterstützt diese Talfahrt noch, durch ihre Bereitschaft, die Wirtschaft durch die Zerstörung der eigenen Währung zu "stimulieren". "Die Fed hat in so vielen Worten gesagt, dass sie NICHT danach strebt, keine Inflation zuzulassen", schreibt James Grant. "Sie wird so lange agieren, bis sie den gewünschten Inflationslevel erreicht hat." Je mehr die Fed mit ihrer Mission "Erfolg" hat, desto mehr wird der Dollar an Wert verlieren.
In den späten 1990ern floss das ausländische Kapital in die US-Kapitalmärkte. Die Aussicht auf enorme Gewinne sicherte einen stetigen Fluss an ausländischem Kapital, der den Wert des Dollars unterstützte. "Sogar als der Boom sich in einen Abschwung verwandelt hatte", so der Economist, "sah Amerika immer noch als ein besserer Hafen für Kapital aus als viele andere Volkswirtschaften."
Aber die Zeiten haben sich geändert. Auf den US-Finanzmärkten verdient man nicht mehr soviel wie in den 1990ern. Hinzu kommt, dass diejenigen, die eigentlich den Wert des Dollar schützen sollen, ihn nicht mehr vor der barbarischen "Inflation" schützen. Im Gegenteil – sie laden die Inflation sogar ein, zum Nachmittagstee.
"Ein Teil der Schwäche des Dollars ist einem sich selbstverstärkenden Effekt zu verdanken", so der Economist weiter. "Wenn die Investoren davon überzeugt sind, dass die amerikanische Währung abwerten wird, dann werden sie Alternativen für ihr Kapital suchen. Das wird dann wieder weiteren Abwertungsdruck auf den Dollar ausüben." glücklicherweise kann man immer noch für rund 350 Stücke grünen Papiers (Dollar) eine Unze Gold kaufen ...
"Was haben die Käufer von Anleihen eigentlich geraucht?" wundert sich Andrew Kashdan von Apogee Research. "Nachdem Präsident Bush sein 670 Milliarden Dollar schweres 'Wachstum und Jobs'-Paket angekündigt hatte, zogen die Anleihenkurse scharf an."
Diese kleine Rally hielt allerdings nicht lange an. Die Rendite der 10jährigen T-Bonds kletterte wieder über die Marke von 4,1 %. "Unsere Prognose lautet: Bei den US-Anleihen werden wir noch weitere Kursverluste sehen", so Kasdan. "Der Plan von Bush mag Jobs und Wachstum bringen oder nicht – aber dank der gewaltigen zusätzlichen staatlichen Ausgaben wird dieser Plan ziemlich sicher so oder so höhere Staatsdefizite bringen. Und 'deficit spending' führt dazu, dass sich die Zinssätze für alle erhöhen – wenn alles andere gleich bleibt. Die staatlichen Defizite tendieren dazu, die privaten Kreditnahme zu verdrängen." Deshalb müssen tendenziell alle mehr Zinsen zahlen.
"Die Budgetabteilung vom US-Kongress hat geschätzt, dass sich das US-Bundesdefizit dieses Jahr auf 145 Milliarden Dollar belaufen wird – die jüngsten Ausgabenpläne oder einen möglichen Krieg nicht mit eingerechnet", so Kasdhan. "Aber könnte es nicht sein, dass diese Schätzung angesichts des Kriegs gegen den Terrorismus, eines möglichen Kriegs gegen den Irak, der Sicherheitspläne für die USA selbst und der verschiedenen Ideen zur Wirtschaftsstimulation zu optimistisch sind? Ich würde darauf wetten, dass sie es sind ... wir werden sehen, die Fed ist jedenfalls dazu bereit, eine Inflation zuzulassen ... und das 'deficit spending' ist einem Racheschrei zurückgekehrt. Wenn man dies zusammennimmt, dann sind steigende Zinssätze das höchstwahrscheinliche Ergebnis."