Sorgenkind Conergy: Die aktuellen Entwicklungen
Cindy Bach in Insider Daily
vom 28. Juli 2011, 14:30 Uhr
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geht es einer Firma finanziell schlecht, dann wird des Öfteren laut nach dem "weißen Ritter" gerufen. Doch statt mit Schimmel und Schwert, soll dieser am besten mit Geld und bestenfalls noch mit einem Sanierungskonzept kommen. Auch in Hamburg wartet angeblich derzeit jemand auf einen weißen Ritter, der Geld mitbringt - dafür bietet Solarkonzern Conergy Know-how und einen interessanten Standort im EU-Wirtschaftsaufschwungland Nummer eins - doch leider eben auch ein seit langem defizitäres Geschäft. Nichts desto trotz halten sich am Markt die Spekulationen, dass sogar mehrere chinesische Investoren in Hamburg angeklopft haben sollen.
Angeblich gäbe es bereits seit einigen Monaten Gespräche mit asiatischen, insbesondere chinesischen Unternehmen. Bestätigt haben sich diese Spekulationen bisher nicht. Zwar war in letzter Zeit vermehrt von chinesischen Unternehmen der Solarbranche zu lesen, die nach einer verstärkten Präsenz auf dem deutschen Markt suchen. Doch im Zusammenhang mit Conergy ist noch kein Name gefallen. Zwar hatte Ende Juni der Solarwafer-Spezialist LDK offiziell bekundet, auf der Suche nach Zukäufen in Europa zu sein. Doch LDK nannte keine Namen. Sicher ist man sich der grandios günstigen Bewertungen vieler deutscher Solarkonzerne bewusst. Und für diese "Spotpreise" bekäme man neben einer ganze Menge "technologisches Know-How" und obendrein noch das Siegel "Made in Germany". Doch im Falle von Conergy wäre eben auch ein Sanierungskonzept von Nöten.
Verhältnis Schulden zu Eigenkapital 614%
Denn bei den Nordlichtern sind die "finanziellen Sorgenfalten" tief. Der Zwischenbericht zum ersten Geschäftsquartal zeigt die Misere (original Wortlaut): "Der Conergy-Konzern verfügte zum 31. März 2011 über Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente in Höhe von 22,9 Mio. Euro. Gleichzeitig beliefen sich die Finanzschulden auf 334,4 Mio. Euro im Vergleich zu 291,6 Mio. Euro zum Ende des Geschäftsjahres 2010. Die Nettoverschuldung des Konzerns betrug somit 311,5 Mio. Euro (Ende 2010: 254,9 Mio. Euro. Damit verschlechterte sich die Gearing-Ratio, als Verhältnis der Nettofinanzschulden (Finanzschulden abzüglich liquider Mittel) zum Eigenkapital per 31.03.2011 auf 614,4% (31.12.2011: 357%)." Nach Aussage des Konzerns soll sich die angespannte Liquiditätslage "planmäßig zum Ende des zweiten Quartals entspannen". Das Gearing werde sich durch die Umsetzung des Refinanzierungskonzeptes mit der Kapitalerhöhung deutlich verbessern.
Und laut einer aktuellen Pressemitteilung soll die Bar- und Sachkapitalerhöhung und damit die Refinanzierung des Unternehmens auch erfolgreich abgeschlossen sein. Im Ergebnis hat Conergy jetzt seine Kreditverbindlichkeiten von 323 Mio. Euro um 188 Mio. Euro auf 135 Mio. Euro reduziert. Auch der neue Kreditvertrag über diese Summe sei in Kraft getreten. Dieser werde für vier Jahre zu marktüblichen Konditionen gewährt. Dennoch bestehen am Markt nach wie vor Zweifel, dass sich die finanzielle Lage tatsächlich merklich entspannt.
Wertpapierprospekt zeigt "anhaltende Liquiditätskrise"
Grund hierfür ist wohl auch das aktuell veröffentlichte Wertpapierprospekt von Conergy, in welchem wegen der Zulassung der neuen Aktien alle Risiken für die Anleger offenbart werden müssen. Hier sei nach wie vor von einer "anhaltenden Liquiditätskrise" die Rede. Gegebenenfalls könne dies "zu einem Totalverlust des Investments der Aktionäre" führen. Zudem sind die liquiden Mittel seit dem Frühjahr weiter gesunken. Derzeit verfüge Conergy über liquide Mittel von 23,8 Mio. Euro. Nicht viel für ein Unternehmen, das Solarparks baut und diese zum Teil vorfinanzieren muss.
Auch einer der Gründe warum die Experten von Der Aktionär den Spekulationen um einen möglichen chinesischen Investor keine große Bedeutung beimessen: "Die Hoffnung auf einen neuen Partner dürfte nur kurzzeitig von den tiefen operativen Problemen ablenken. Im ersten Quartal 2011 musste Conergy einen operativen Verlust von 18,0 Mio. Euro ausweisen. Wegen des scharfen Preisverfalls in der Solarbranche in den letzten Monaten ist nicht mit einer nachhaltigen Verbesserung des Conergy-Ergebnisses im zweiten Quartal zu rechnen. Ein Einstieg eines neuen, asiatischen Investors ist auch aufgrund des seit Jahren deutlich defizitären Geschäfts unwahrscheinlich."
Die Conergy-Aktie gehörte gestern abermals zu den größten Verlierern im TecDAX. Das Papier gab bis zum Nachmittag 14,1% auf 0,80 Euro ab und generierte damit ein neues Allzeittief. Auch heute ist die Aktie wieder im Minus, wenn auch nur 0,7%. Aktueller Kurs: 0,79 Euro.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Ihre
Cindy Bach
P.S.: Halbjahreszahlen von Conergy gibt es übrigens am 11. August.