Sommergewitter…
Investors Daily
vom 30. Juli 2007 18:00 Uhr
ENL5454
Die Party am deutschen Aktienmarkt ist vorerst vorbei. In der vergangenen Woche brach der Leitindex um mehr als fünf Prozent ein.
Mehr als nur eine kleine Delle?
Vom Rekordhoch vom 16.7.2007 bei 8151 Punkten ist der Dax mittlerweile schon wieder deutlich zurück gefallen. Insofern verwundert es nicht, dass die Bullen bereits jetzt zum Einstieg raten und die aktuelle Konsolidierungsphase als ideale Kaufgelegenheit erachten.
Bisweilen ist gar von einem „übertriebenen Ausverkauf“ die Rede.
Vorsicht angebracht
Allen Jubelrufen aus dem Bullenlager zum Trotz ist nicht nur der Charttechnik und Saisonalität wegen Vorsicht angebracht. Technisch betrachtet droht bei einem Rutsch unter die Unterstützung bei 7370 Punkten ein weiteres Abgleiten in die Region um 7000 Punkte.
Dort sollte die 200-Tage-Linie für Unterstützung sorgen. Ob in den traditionell schwachen Börsenmonaten August und September der Markt sich fangen kann, bleibt fraglich. Aus Zürich kommt indes bereits jetzt ein klares Verkaufssignal. Der SMI ist am Freitag unter der 200-Tage-Linie ins Wochenende gegangen.
Carry-Trades im Fokus
Sehr interessant ist auch, dass parallel zum Abverkauf an den Aktienmärkten am Devisenmarkt Turbulenzen aufkamen. So legte der Yen gegenüber dem Euro deutlich, zu Wochenschluss notierte gar der Schweizer Franken gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung fester. Anders formuliert, mit zunehmender Risikoaversion schwindet auch die Bereitschaft, sich mit Billig-Krediten, vornehmlich in Yen, einzudecken.
„Agflation“ als Damoklesschwert
Neben der Krise am US-Häusermarkt, die einige Analysten bereits als größte Rezession seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bezeichnen, schwebt nach wie vor der Mega-Trend GELDENTWERTUNG als Damoklesschwert über den Märkten. Nicht nur, dass das Geldmengenwachstum in der Eurozone weiter zweistellig ist (10,9 Prozent im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat), mehr denn je werden auch die anziehenden Preise für Agrarrohstoffe für den Verbraucher spürbar. So sollen in Deutschland zum 1.8. diverse Milchprodukte um bis zu 50 Prozent teurer werden. Verantwortliche sprechen gar von einem nie da gewesenen Preisruck“ in Deutschland. Ferner hat sich der Preis für Brotgetreide im Vorjahresvergleich fast verdoppelt.
Goldpreis gedrückt
Im Zuge der Nervosität an den Finanzmärkten kam auch der Goldpreis in jüngster Vergangenheit unter Druck. Einhergehend mit einem gegenüber dem Euro etwas stärker werdenden Dollar kam der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls wieder in den Bereich um 660 Dollar zurück. Kurzfristig könnte es auch am Goldmarkt weiter volatil bleiben. Spätestens ab September dürfte Gold nicht nur aus saisonalen Gründen wieder stärker in den Fokus der Investoren geraten. Vielleicht gelingt ja noch im Spätsommer der Aufbruch in Richtung 700 Dollar…