Solide?!
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 20. Dezember 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Anmerkung in eigener Sache
Da Herr Steffens zur Zeit keine Texte schreibt, direkt zum Beitrag von Bill Bonner:
Die letzte Zinsanhebung durch die Fed ist schon die dreizehnte seit 2004.
Alle sind davon ausgegangen, dass die Fed die Zinsen noch einmal anheben würde. Das hat sie auch getan. Der Dow ist um 55 Punkte gestiegen. Warum auch nicht? Die Vertreter der Fed sagen, die Wirtschaft sei "solide".
Von all den Adjektiven, die man verwendet, um die amerikanische Wirtschaft zu beschreiben, passt "solide" wirklich am wenigsten. Sie mag ja "dynamisch" sein – keine Ahnung. Vielleicht ist sie auch "flexibel", "spektakulär" oder was weiß ich. Aber sie ist nicht solide.
Ich habe die Gründe dafür schon so oft genannt, dass es mir schon ebenso über ist, sie zu zitieren, wie ihnen, sie zu hören. Also machen wir einfach weiter.
Ich will nur noch kurz anmerken, dass eine Wirtschaft, in der die Leute weniger verdienen als im Vorjahr, mehr ausgeben als je zuvor und weniger sparen als nichts, nicht solide ist. Sie ist hohl, oder leer. Oder sie ist weich ... matschig ... zäh.
Wenn sie nicht solide ist, dann ist sie entweder flüssig oder gasförmig. Ich habe den Verdacht, dass sie eine Blase ist, die durch eine Welt der Nadeln schwebt.
"Ja, die amerikanischen Unternehmen arbeiten heute profitabler als je zuvor", sagt man bei der Fed. "deswegen wollen so viele Menschen einen Teil davon abbekommen ... deswegen sind sie auch so gerne bereit, Geld zu verleihen ... und deswegen müssen sie sich auch keine Sorgen machen. Die Wirtschaft ist in einem guten Zustand."
Zumindest in der Theorie, sind die amerikanischen Unternehmen in der Lage, die Kosten für die Löhne zu kürzen – entweder durch Outsourcing in Gegenden mit geringeren Kosten, oder indem sie indirekt von der Globalisierung des Arbeitsmarktes profitieren, die die Stundenlöhne in Amerika seit dreißig Jahren gehindert hat, weiter zu steigen.
Das Problem liegt auf der Hand. Wenn die amerikanischen Unternehmen nicht in der Lage sind, im Ausland sowohl zu kaufen als auch zu verkaufen, dann muss der wichtigste Markt in der Heimat liegen. Wie können sie aber mehr an Leute verkaufen, die nicht mehr Geld verdienen? Es gibt nur eine Möglichkeit, man muss die Kredite steigern. Die Käufer müssen sich einfach immer weiter verschulden.
"Warum sollen sie sich dann nicht einfach weiter verschulden? Schließlich steigt doch der Wert ihrer Vermögenswerte (vermutlich der Wert der immer profitableren Unternehmen der Nation.)"
Aber der steigende Wert der Vermögenswerte ist sowohl Betrug als auch Täuschung. Man kann sein Haus nun einmal nicht einfach Zimmer für Zimmer verkaufen, um seinen Lebensstandard zu erhöhen. Auch sind Unternehmen nicht mehr wert, nur weil sie immer mehr Produkte an Leute verkaufen, die sich diese Produkte eigentlich nicht leisten können. Letzten Endes wird sich die scheinbare Stärke und Solidität der Wirtschaft in Luft auflösen.
Zuletzt ist Gold wieder gefallen. Ich vermute aber, dass es einen Aufwärtstrend gibt, weil es weiß, dass die Wirtschaft, der Dollar und die amerikanischen Aktien und Anleihen nicht halb so solide sind, wie die Leute von der Fed sagen. Gold ist wirklich solide. Die Leute, die sich im Leben nach ein bisschen Solidität sehnen, halten Gold. Je mehr sie merken, dass andere Dinge nicht solide sind, desto mehr wollen sie etwas solides in ihren Taschen spüren.
"Wissen sie, das ist das hübsche an Goldmünzen", sagt mein alter Freund Doug Casey "es ist ganz einfach, wie sie sich anfühlen. Sie fühlen sich solide an."
Doug erklärte mir, dass meine Technik, Gold immer dann zu kaufen, wenn es einbricht, nur schwer aufrecht zu halten sei. "Dieser Markt macht sich gerade wirklich auf den Weg. Er wird nicht wie ein Jojo steigen und fallen ... und dir damit die Gelegenheit geben, immer dann zu kaufen, wenn er gerade unten ist. Stattdessen ist es wie ein Zug, der aus dem Bahnhof rollt. Entweder man ist an Bord, oder nicht."
Der Bullenmarkt von Gold hat die zweite Phase erreicht. In den letzten fünf Jahren hat sich der Preis verdoppelt, aber es gibt immer noch viele Möglichkeiten, Gold zu guten Preisen zu kaufen. Ich habe das schon empfohlen, als es unter 300 Dollar lag. Jedes Mal, wenn es stieg haben die Leute gesagt: "Nun, das war es dann wohl." Und jedes Mal ist Gold gefallen. Die Käufer waren entmutigt. Oft haben sie abgewartet, um zu prüfen, ob es noch weiter fallen würde, ehe sie sich entschlossen haben, zu kaufen. Dann ist der Preis wieder ein kleines bisschen gestiegen.
Jetzt steigt der Markt mit größeren Schritten. Der vorsichtige Käufer findet es immer schwieriger bei Gold einzusteigen, weil es nicht mehr weit genug fällt, um sein gesetztes Kaufziel zu erreichen.
"Es ist an der Zeit, die Strategie zu ändern", sagte Doug, "Schau, es ist ein leichtes für den Goldpreis, im nächsten Jahr auf 1.000 Dollar pro Unze zu steigen. Dann geht es nicht mehr darum, ob man für 500 oder für 550 Dollar gekauft hat. Man wird so oder so die Nase vorn haben. Ich weiß, dass ich bei diesem Zug aufspringe."
Ich werde damit in den Ruhm fahren.
Der letzte Bullemarkt bei Gold in den Siebzigern hat den Goldpreis auf den 21fachen Wert steigen lassen. Dann hat Gold nachgegeben und der Bullenmarkt der Aktien ließ den Dow um das elffache ansteigen. In diesem Bullenmarkt hat es bislang nur eine Verdoppelung gegeben. Er hat noch einen langen Weg vor sich.