Solactive Düngemittelhersteller-Index: Alle Großen der Branche
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 20. August 2010, 17:00 Uhr
ENL5462
Kommen wir nun also wie versprochen auf das spezielle Zertifikat zu sprechen, das gleich eine ganze Palette von Düngeraktien beinhaltet. Aufgelegt wurde es von der Deutschen Bank am 25.06.2008. Damit hat wieder einmal ein Emittent pünktlich zum Ende einer Bewegung eine allerdings interessante Branchenlösung vorgelegt. Nach der heftigen Korrektur im Jahr 2008 war das Zertifikat deutlich zurückgekommen. Seit Anfang 2009 hat sich die Branche sanft erholt, ohne allerdings bisher irgendwelche Zeichen einer Übertreibung anzuzeigen. Gründe genug, dass wir uns dieses Zertifikat heute genauer ansehen wollen.
Gemanaged wird der dem Zertifikat zugrunde liegende "Solactive Globale Düngemittelhersteller Performance-Index" von der Structured Solutions AG. Enthalten sind die größten internationalen Entwickler von Kali- sowie Phosphatlagerstätten sowie Produzenten von Düngemitteln. Halbjährlich erfolgt eine Anpassung der enthaltenen Werte und deren Gewichtung nach der Marktkapitalisierung. Dabei liegt die Obergrenze bei 10%, die Untergrenze bei 2%. Ausgeschüttete Dividenden werden reinvestiert. Die Dividendenrendite lag am jüngsten Stichtag 30.06.2010 bei immerhin 2,53%. Angesichts einer Managementgebühr von 1,5% und eines Spread zwischen An- und Verkaufskurs von 2,38% ist das Papier nicht gerade billig, allerdings immer noch günstiger als das Direktinvestment in mehrere Aktien.
Die enthaltenen Aktien sind in folgender Tabelle dargestellt:
Quelle: Structured Solutions AG.
In der Tabelle sehen Sie die im Zertifikat enthaltenen Aktien mit Herkunftsland, Handelswährung und jüngster Gewichtung. Obwohl nur fünf Aktien aus den USA stammen, macht der US-Dollar 52,4% der Währungen aus. Denn einige Aktien aus anderen Ländern sind zusätzlich als ADRs (American Depositary Receipts) gelistet. Der Rest der Währungen ist bunt gemischt: 10,7% Schweizer Franken, 5,7% Euro und 31,2% Sonstige. Zu beachten ist also ein USD-Risiko, denn das Zertifikat ist nicht währungsgesichert.
Potash ist eines der Schwergewichte im Index
Nach dem jüngsten Kurssprung stellt die Aktie von Potash natürlich ein Schwergewicht des Index dar. Sie dürfte derzeit deutlich über 10% liegen. Aktuell steht deren Kurs höher als der bisher angebotene Übernahmepreis von BHP Billiton. Die Anleger spekulieren darauf, dass die 130 USD noch nicht das letzte Wort sind. Denn am Mittwoch wurde bekannt, dass nach der Ablehnung durch das Management von Potash nun ein Gebot von BHP direkt im Markt liegt. Wenn nicht genügend Aktionäre ihre Stücke zu diesem Preis verkaufen, wird der Bräutigam vermutlich noch mehr bezahlen müssen.
Wird ein Bieterkampf entbrennen?
Gestern wurde bereits bekannt, dass sich erste Großaktionäre geäußert haben. So sagte der Präsident Daniel Bubis von Tetrem Capital Management (2 Mio. Aktien), dass er einen Preis von 160 bis 170 USD für realistisch halte. Sollte ein weiterer Bieter hinzutreten, "könnte sich diese Dynamik noch einmal ändern". Konkret brachte er dabei die Chinesen ins Spiel, die relativ wenig Kali-Lagerstätten besitzen (aber reichlich Geld).
Das Kreditrating von BHP Billiton steht unter Beobachtung
Nicht besonders positiv wirkt sich ein möglicher Bieterkampf allerdings auf die Aktie von BHP Billiton aus. Diese haben sich bereits eine Kreditlinie von 43 Mio. USD bei mehreren Banken gesichert. Prompt kündigte die Ratingagentur Standard & Poors an, deren Kreditrating zu überprüfen und gegebenenfalls herunter zu stufen. Denn ein solch riesiger Betrag lässt sich selbst vom Marktführer der Bergbauriesen nicht so einfach stemmen, vor allem, wenn er sich noch weiter erhöhen würde.
2010 als neues Rekordjahr für Übernahmen der Rohstoffbranche
Einen interessanten Beitrag zum Thema fand ich gestern auf Bloomberg. Es geht allgemein um das Übernahmefieber, das 2010 in der Rohstoffbranche ausgebrochen ist. Schon 362 Mrd. USD wurden in diesem Jahr für Übernahmen ausgegeben. Sollte es in dem Tempo weitergehen, würde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2007 von 567 Mrd. USD überboten werden. Bloombeg liefert noch weitere Daten: In den vergangenen 10 Jahren hat sich der Anteil der Deals im Rohstoffbereich an den gesamten Übernahmen glatt verdoppelt. Derzeit beläuft er sich auf 28%.
Zwei Gründe werden für den Boom angeführt:
- Die Zinsen befinden sich auf einem historischen Rekordtief. Nachdem es 2009 noch schwierig war, Kapital aufzunehmen, werfen die Banken nun mit dem billigen Geld der Zentralbanken um sich (zumindest, wenn es um Firmen mit gutem Kreditrating geht).
- Der zweite Grund besteht darin, dass sich die Kurse der meisten Rohstoffaktien längst nicht so schnell vom Krisenniveau erholt haben, wie die Preise der Rohstoffe selbst. Daher sind immer noch Expansionen in neue Ressourcen zu extrem günstigen Konditionen möglich. Teilweise liegt der Preis für die Aktien immer noch unter demjenigen Wert, der für die Entdeckung und Erforschung einer Ressource ausgegeben wurde.
Wo steigt die nächste Rakete?
Wir dürfen also gespannt sein, wo in nächster Zeit weitere Übernahmen verkündet werden. Solange die Preise der Rohstoffe stabil bleiben und das von manchen befürchtete Double Dip der Rezession nicht Wirklichkeit wird, können Sie sich noch auf so manche spannende und lukrative Schlacht gefasst machen.
Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein angenehmes Wochenende,
Ihre Daniela Knauer
PS: Noch immer ist die Not im überfluteten Pakistan unbeschreiblich. Vor einigen Tagen habe ich zufällig im Heute-Journal eine ganze Zeltstadt von Shelterbox gesehen. Wenn auch Sie den Opfern helfen wollen, verweise ich noch einmal auf meinen Beitrag vom vergangenen Freitag, in dem Sie alle Daten dazu finden.
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