So ziehen Sie aus Bilanzen wichtige Informationen

in Traders Daily zum Thema Value Analyse
vom


Weiter mit dem kleinen "Kennzahlen-Seminar". Gestern war ich bei den AKTIVA stehen geblieben. Diese unterteilen sich einerseits in Anlagevermögen (Immobilien, Werkhallen, Grundstücke vielleicht, im Fall der Jatropha Oil GmbH gehören auch die Tausende Jatropha-Pflanzen dazu). Und andererseits in Umlaufvermögen. Vorräte, Cash-Bestände, kurzfristige Forderungen gegenüber anderen Unternehmen, Termingeld, solche Dinge eben. Schneller liquidierbar.

Wenn man das alles addiert, dann wird die Summe als AKTIVA des Unternehmens bezeichnet.

Von nichts kommt nichts („von nix kütt nix"), und diese Aktiva müssen irgendwie finanziert sein. Im Wesentlichen gibt es diese Quellen: Mit dem Geld der Aktionäre, durch Gewinne aus den Vorjahren, durch Schulden (bei Banken oder Lieferanten oder am Kapitalmarkt).

Letzteres - die Schulden - sind das Fremdkapital. Die anderen Quellen (Geld der Firmengründer, Gewinnrücklagen..) werden Eigenkapital genannt.

Und die „Eigenkapitalquote" sagt nun aus, wie viel Prozent der Aktiva durch Eigenkapital gedeckt bzw. finanziert sind.

Eine Eigenkapitalquote von 100% würde besagen, dass die kompletten Aktiva durch Geld der Firmengründer und Gewinnrücklagen finanziert sind. Keinerlei Schulden. So im Fall der Jatropha Oil GmbH. Lieber klein - dafür mein. Meine Mit-Gesellschafter und ich ticken eben so. Dann kann uns auch keine Kreditgebende Bank reinreden.

Eine Eigenkapitalquote von 0% würde besagen, dass überhaupt kein Geld der Firmengründer mehr vorhanden ist, auch keinerlei Gewinnrücklagen. Alles ist mit Schulden finanziert.

Entsprechend die Faustregel:



Je höher die Eigenkapitalquote, desto solider und weniger krisenanfällig das Unternehmen.
Es müssen schließlich weniger Zinsen gezahlt werden, es bleibt mehr für Investitionen. In einer Krise stehen Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote tendenziell besser da.

Also Eigenkapitalquote von 100% erstrebenswert? Warum gibt es die nur sehr selten?

Weil es zum Beispiel im Fall von Aktiengesellschaften für die Aktionäre durchaus besser ist bzw. sein kann, wenn ein Teil der Investitionen mit Krediten finanziert wird. Wenn eine Investition eine Rendite von 10% bringt, dafür ein Bankkredit zu 6% Zinsen aufgenommen werden muss, dann lohnt sich das.

Vielleicht kann das Unternehmen sogar eine Anleihe zu nur 5% am Markt platzieren. Das ist für die Aktionäre dann günstiger, als die Investition selber mit frischen Kapital zu finanzieren.

Mein Fazit: Es gibt hier kein „richtig" oder „falsch", kein "100% oder 0%". Es kommt darauf an. Tendenziell gilt, dass Unternehmen mit hoher Eigenkapitalquote solider und weniger krisenanfällig sind, dafür ist der Aktienkurs aber vielleicht auch einen Ticken „langweiliger".

Ich persönlich setze ohnehin kaum auf Aktien, mehr auf Märkte. Kaufe also z.B. lieber ein Index-Zertifikat als eine einzelne Aktie. Wenn ich Aktien kaufe, dann schaue ich mir die Eigenkapitalquote an. Und ich bin jemand, der eine hohe Eigenkapitalquote bevorzugt.

Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen: Bei der FRAPORT AG liegt die Eigenkapitalquote im Bereich 36%.

Alles unter 10% ist meiner Ansicht nach indiskutabel niedrig.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben angenehme Feiertage. Bis Dienstag dann!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


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Michael Vaupel
Michael Vaupel

Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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Kommentar von Gerd Stuke

Sehr geehrter Herr Vaupel, gern lese ich Ihre Kommentare, wobei ich mich hier weniger auf den heutigen Haupttenor als auf den kleinen Hinweis auf die Jatropha GmbH beziehe. Ich meine mich zu erinnern, daß Sie früher bereits die Jatropha-Pflanze propagiert haben, allerdings in bezug auf die Curcas Oil-Aktie, welche einen bedauerlichen Niedergang erfahren hat. Ich würde eine diesbezügliche Kommentierung sehr begrüßen, falls das noch in Ihren aktuellen Beobachtungsradius fällt. Deutet Ihr Hinweis auf die Jatropha GmbH, über deren Aktivitäten Sie ja bereits berichtet haben, an, daß Sie Interesse an einer Erweiterung des Gesellschafterkreises haben? Je nach Ausmaß der Kapitalbindung und sonst. Konditionen finde ich so etwas sehr erwägenswert. Ganz besonders schätze ich an Ihnen, daß Sie Ihre ökonomischen Publikationen fein dosiert für Mission nutzen - mögen diese Impulse auf fruchtbare Böden fallen! Dies sage ich, weil ich gewissermaßen Ihr "Bruder" bin - gehöre einer Ev.Freikirchlichen Gemeinde in Mühltal bei Darmstadt an. Mit herzlichen Grüßen Gerd Stuke

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