So viel Unsinn, so wenig Zeit
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. August 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Das Problem mit dem amerikanischen Lebensstil sei, so mein Freund Byron King, dass nur wenige Leute sich diese Art zu leben leisten können und noch nicht einmal die meisten Amerikaner. Dieser Lebensstil verbraucht viel Energie. Jetzt kann man Energie aus Getreide erzeugen, indem man die Energie der Sonne in flüssigen Brennstoff und dann in Energie verwandelt, mit der man ein Auto antreiben oder ein Haus heizen kann. Aber da die Sonne nur ein bestimmtes Maß an Energie liefert, braucht es eine Menge Getreide und eine Menge Platz, um dieses Getreide anzubauen und die Energie herzustellen, die der durchschnittliche Amerikaner verbraucht.
Natürlich wurde der amerikanische Lebensstil nicht auf dieser Energie aus Getreide aufgebaut, sondern eher aus der Energie, die aus der Erde stammt. Öl stellt, nach Aussage der meisten Geologen, die verdichtete Energie aus vielen Jahren Sonnenschein dar... der viele, viele tausend Hektar Getreide und Laub wachsen ließ. Anschließend wurden diese über Millionen von Jahren im Untergrund eingelagert. Aber innerhalb weniger Generationen haben die Amerikaner diesen natürlichen Vorrat eingelagerter Sonnenenergie verbraucht. Das, was noch übrig ist, wird immer teurer, weil immer mehr Leute es haben wollen... die immer mehr Geld haben, um es zu kaufen.
Die neuen Käufer sind überwiegend keine Amerikaner. Doch während die Amerikaner einst aufwuchsen und erwarteten, mit dieser billigen Energie ihr gesamtes Leben bestreiten zu können, stellen sie heute fest, dass sie mit Indern und Indonesiern darum kämpfen müssen. Und während der Amerikaner mit der Vorstellung aufwuchs, dass Benzin ein öffentliches Gut ist, so wie Elektrizität und die Post, sieht er jetzt bei den steigenden Preisen seinen Lebensstil bedroht.
Der arme Typ ist verflucht... auf gewisse Weise. Er wird in Zukunft niemals in der Lage sein, so viel Energie zu verbrauchen, wie er gewohnt ist. Das wird mit Sicherheit einen Rückgang seines Lebensstils zur Folge haben. Was er allerdings noch nicht verstanden hat ist, dass es nicht notwendigerweise einen Rückgang seiner Lebensqualität bedeutet. Die Europäer verbrauchen beispielsweise deutlich weniger Energie als die Amerikaner – und das bei einem ziemlich guten Leben. Aber der typische Amerikaner hat dafür keinen Blick, momentan sieht er nur, dass der Preis für Benzin steigt, und er verlangt von den gewählten Vertretern „etwas dagegen zu tun.“ Und daher rührt der ganze Unsinn mit dem Ethanol.
Aber das ist immer noch der kleinere Unfug.
Der größere Unfug ist die Währung, in der der Preis für Benzin und Ethanol ausgezeichnet wird. Aber das ist ein Unfug, den Sie vermutlich nicht mehr hören können, also werde ich das Thema heute überspringen und mich direkt den Nachrichten über Spekulationsblasen zuwenden.
„Hausverkäufe in 28 Staaten auf dem Rückzug“, war die große Geschichte am vergangenen Dienstag. Am Donnerstag dann die nachfolgenden Berichte bei CNN: „Bauunternehmen ziehen die Notbremse...“ und „Hauspreise tiefgefroren.“
Hier mache ich eine Pause und dehne meine Untersuchungen aus. Ich suche nach den Wurzeln für diesen Unfug und habe eine gefunden: lockere, ungenaue Methaphern.
Die Bauunternehmen ziehen nicht die Notbremse, sie treffen den Nagel auf den Kopf. Lokführer ziehen die Notbremse. Eine bessere Schlagzeile wäre gewesen: „Bauunternehmen treffen den Nagel auf den Kopf“, oder „Bauunternehmen hängen es an den Nagel.“
Genauso mit den eingefrorenen Preisen. Es ist eine absurde und nicht nachvollziehbare Vorstellung. Die Fleischpacker gehen vielleicht in die Tiefkühlung. Vielleicht auch die Speiseeishersteller. Aber nicht die Immobilienpreise. Immobilienpreise gehen „die Treppe hinunter“, „in den Keller“, oder gegebenenfalls den „Berg hinunter“. Womöglich wäre es eine bessere Metapher zu schreiben: „Der Winter bricht in diesem Jahr früh herein... Immobilienpreise müssen feststellen, dass sie unzureichend isoliert sind.“ Aber Preise, die in die Tiefkühltruhe gehen, sind einfach nur seltsam.
Im gleichen Sinne sind die Metaphern, die man hinzuzieht, um die Funktionen der Wirtschaft zu beschreiben tendenziös; „Das Wirtschaftswachstum legt an Tempo zu“, „Die Fed öffnet die Drosselklappen“, „Die Industrie tritt aufs Gas“, „Die Produktion legt an Dampf zu“. Oder wie wäre es mit: „Zinssenkungen werden als Treibstoff für das Wachstum nötig“. Oder: „Die Fed tritt auf die Bremse“. Da haben Sie sie wieder, die Bremsen.
Diese Bilder enthüllen eine monumentale Illusion: Die Leute stellen sich die Wirtschaft als eine gewaltige Maschine vor, die man genauso unter Kontrolle bringen kann, wie einen Güterzug. Es soll schneller gehen? Dann öffnet einfach die Drosselklappen! Es soll langsamer gehen? Dann tretet auf die Bremse. So einfach ist das.
Wenn sich diese Metaphern erst einmal in der öffentlichen Vorstellung festgesetzt haben, dann führen sie zu natürlichen Auswüchsen und unnatürlichen Schlussfolgerungen. Denn wenn die Wirtschaft wirklich eine Maschine wäre, dann wäre sie leicht zu kontrollieren. Man müsste dann nur noch die richtigen Hebel betätigen und an den richtigen Knöpfen drehen. Und wenn das so wäre, dann müsste ein Konjunkturrückgang die Schuld des Menschen sein, der die Kontrolle über die Maschine hat. Sie haben ein Problem damit, wie ihr Geschäft läuft? Das ist die Schuld der Regierung. Sie verlieren ihren Job? Die Inflation nervt? Nun, dann wenden Sie sich doch an Ben Bernanke; er ist der oberste Ingenieur auf dieser Bahntrasse. Deswegen ist sein Bild auf den Titelseiten der Magazine und Zeitungen abgebildet. Er ist der Typ, der den Zug in Betrieb halten sollte.
Das ist natürlich reiner Unfug. Die Wirtschaft ist genauso wenig eine Maschine, wie der Autor dieser Zeilen ein Hamster ist. Ben Bernanke kontrolliert die Wirtschaft nicht in der gleichen Weise, wie ein Ingenieur die Funktionsweise eines Zuges kontrollieren würde. Stattdessen fummelt er so stümperhaft wie die meisten Weltverbesserer an der Wirtschaft herum. Er vermasselt und verbockt ein organisches und unendlich komplexes System... und verbessert die Dinge nur dann, wenn er den Schaden behebt, der durch die vorherigen Eindringlinge in dieses System verursacht wurde.