So rettet man „Sinn gemäß“ unsere Wirtschaft

in Insider Daily
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wenn Sie heute jemand ernsthaft um ihren Vorschlag zur Rettung der Wirtschaft unseres Landes bitten würde, was würden Sie dieser Person sagen? Oder besser noch, was könnte man Ihrer Ansicht nach zur Rettung der Weltwirtschaft tun? Kommt Ihnen da sofort etwas in den Sinn? Nein? Nicht so schlimm (außer Sie sind scharf auf den Nobelpreis). Denn es gibt ja schließlich den Professor Sinn (und das schreibe ich nicht nur, weil sich es sich so herrlich reimt).


Tatsächlich hat ein gewisser Professor Hans-Werner Sinn in seinem neuesten Werk ein "Konzept" erstellt, wie es seiner Meinung nach zur Finanzkrise kam, und was jetzt zu tun ist. Dieses Werk präsentierte er jüngst, begleitet von unglaublich großem Medienrummel und von Korrespondenten aus ganz Europa, in Berlin. Herr Professor Sinn ist nämlich nicht irgendein "Sinnsucher". Er ist einer der Volkswirte mit der wohl beeindruckendsten Karriere in Deutschland.

Er studierte an den renommierten Universitäten Stanford und Princeton, ist heute als Professor in München tätig und leitet dort eines der größten Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes, das ifo-Institut, und er berät seit mehr als 20 Jahren alle deutschen Bundeswirtschaftsminister. Und weil ihm dies nicht genug Herausforderung zu sein scheint, schreibt er nebenbei auch noch Bücher. Eben solche wie aktuell sein "Rettungskonzept".

"Schuld sind nicht die Manager, sondern die Aktionäre"

Ob seine Theorie allerdings auf umfassenden Anklang stoßen wird, wage ich noch zu bezweifeln. Denn laut Sinn, sind nicht die Manager und ihre opulenten Gehälter das Problem, sondern die "Politiker ohne Mumm" und das Entlohungssystem der Aktionäre".

Schon im Oktober hatte er in einem Interview mit dem Tagesspiegel die Rendite-Vorgaben der Aktionäre für die Finanzkrise verantwortlich gemacht. "Die Boni wurden von den Aktionären so gestaltet, dass die Manager die Risiken suchten. Rendite-Vorgaben von 25 Prozent und mehr, wie sie von manchen Aktionären verlangt wurden, kann man nur mit waghalsigen Geschäften verdienen", gab er zu bedenken.


Er nennt die Finanzplätze eine einzige riesige Spielhölle und die internationalen Finanzaufsichtsbehörden würden sich in "endlosen Laschheitswettbewerben" verschleißen. Tolle Wortspiele, Herr Professor. Wir wissen, dass die Krise vor allem dem Gewinnstreben der Banken zuzuschreiben ist. Was aber raten Sie uns nun konkret?

Forderung: Banken müssen bluten, wenn Sie sich verzocken!

Seiner Meinung nach müsste den Banken so schnell wie möglich eine Eigenkapitalquote von mindestens 8 Prozent vorgeschrieben werden (Anmerkung: derzeit haben wir in Deutschland durchschnittlich 4 Prozent Eigenkapitalquote). Sinns Begründung: Wer beim Zocken im "Kasino Kapitalismus" endlich auch das eigene Geld riskiert, wird fortan vorsichtiger sein.

Professor Sinn fordert die Regulierung für die Banken auch deshalb, weil er befürchtet, dass sonst nach der Großindustrie auch der Mittelstand in der so genannten Kreditklemme zerquetscht wird. Mit dieser Angst ist er sicher nicht allein. Längst bangt der deutsche Mittelstand auch um Liquiditätsengpässe mangels Bereitschaft der Banken, ihnen Kredite zu gewähren. Und diese werden in den kommenden Monaten benötig werden, sollte sich die Auftragslage im Mittelstand weiter dramatisieren.

Zwar seien laut Sinn die Politiker aktuell überaus bemüht das "Kasino Kapitalismus" einer umfassenden Renovierung zu unterziehen. Doch er würde es am liebsten ganz dicht machen. Was bei ihm bedeutet: Der Staat muss Miteigentümer der Banken werden. Nichts mit Bürgschaftsprogramm, da könne der Staat "das Geld gleich verschenken". Aber wie Herr Sinn bereits im Oktober gegenüber den Tagesspiegel äußerte, ist er zuversichtlich, dass "ein System unter der Kontrolle des Internationalen Währungsfonds entstehen wird. Er muss Regeln setzen, die die Staaten umsetzen."

Na dann sind wir mal gespannt, ob Herr Sinn Recht behält.

Ich wünsche Ihnen allen ein erholsames Wochenende.

Ihre

Cindy Bach

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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