So profitieren Sie mit Anleihen von steigenden Aktienkursen
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 29. September 2005 16:00 Uhr
ENL5454
Gut – vergangene Ausgabe habe ich Anleihen wirklich schlecht gemacht und Ihnen davon abgeraten, sie zu kaufen. Meine Gründe dafür waren hohe Kurse, niedrige Zinsen und ein vergleichsweise hohes Risiko.
Aber trotzdem gibt es eine Art von Anleihen, die Sie sich näher ansehen sollten und die Ihnen große Chancen bieten. Oder was halten Sie beispielsweise von 270 % Kursgewinn in weniger als einem Jahr? 270 %, genau so hoch war das Plus, das Anleger mit einer Wandelanleihe auf Augusta Technologie seit Ende Oktober 2004 machen konnten.
Wandelanleihen bieten oft 3 entscheidende Vorteile:
1) Einen festen Zins pro Jahr, effektiv manchmal über 3, 4 oder sogar über 5 %
2) Ein hohes Kurspotential: Einige Wandelanleihen machen den Kursanstieg der Aktie des Emittenten fast im Verhältnis 1:1 mit
3) Zum Teil fast kein Kursrisiko
Wandelanleihen sind wie normale Anleihen Schuldverschreibungen mit denen sich Aktiengesellschaften frisches Kapital ins Unternehmen holen. 2003 lag das Emissionsvolumen weltweit übrigens bei 170 Milliarden $.
Auch bei Wandelanleihen zahlt der Emittent normalerweise einen fixen Coupon, also einen jährlichen Nominalzins bezogen auf den Nennbetrag von 100 %.
Jetzt kommt aber der Unterschied zur normalen Anleihe: Sie als Anleger haben bei Wandelanleihen nämlich nicht nur das Recht auf Rückzahlung zum Nennbetrag, also meist zu 100 %, sondern können stattdessen auch einen Umtausch in Aktien des Emittenten wählen.
Und hier liegt der besondere Charme der Wandelanleihe: Legt nämlich die Aktie des Emittenten stark zu, dann klettert normalerweise auch die Wandelanleihe entsprechend nach oben. Wie bei Augusta sind dann Kursgewinne von 100, 200 % und mehr drin.
Sie profitieren so mit einer Wandelanleihe auf der einen Seite von starken Kursgewinnen einer Aktie, auf der anderen Seite sind Sie aber durch die Rücknahme zum Nominalbetrag von 100 % vor starken Kursverlusten sicher. Das Risiko steigt für Sie allerdings, wenn die Wandelanleihe im Kurs schon weit über 100 % notiert.
Und es gibt noch ein Risiko: Wie bei anderen Anleihen, kann der Emittent auch bei Wandelanleihen mit Zins und Tilgung in Verzug geraten oder sogar pleite gehen. Laufen die Geschäfte beim Emittenten schlecht, oder sinkt seine Bonität, also Kreditwürdigkeit, dann fällt nicht nur die Aktie im Kurs, sondern auch die Wandelanleihe.
Folgendes sollten Sie auf jeden Fall klären:
1) Wie sieht die Wandlung der Anleihe in Aktien genau aus, also wie viele Aktien bekommen Sie je Nominalbetrag der Anleihe, zum Beispiel 1000 €?
2) Zu welchen Terminen können Sie wandeln?
3) Was kann die Wandlung verhindern, also welche Kündigungsrechte hat der Emittent?
Sehen Sie deshalb vor dem Kauf in den Emissionsprospekt der Wandelanleihe.
Und kaufen Sie nicht blind eine Anleihe von irgendeinem Emittenten. Prüfen Sie, wie beim Kauf einer Aktie auch, ob das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, Zins und Tilgung zu zahlen, oder welche Risiken es sonst noch für Sie als Investor geben könnte.
Tipp:
Wandelanleihen gibt es beispielsweise von Südzucker (WKN A0AABH), Adidas (WKN 903896), Deutz (WKN A0BNUN), TUI (WKN 291389), Augusta (WKN 370599), EM.TV (WKN 368284), D. Logistics (WKN A0DMK5), Escada (WKN A0EJ83), Jenoptik (WKN A0BU4N) oder Itelligence (WKN A0DMF9). Im Internet finden Sie dazu unter www.onvista.de nähere Informationen.