So lässt sich auf steigende Zinsen setzen
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 18. März 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Trader´s Daily-Leser Michael W. schrieb mir:
"Ich ein treuer Leser Ihrer sehr gelungenen Newsletter. (Kommentar M.V.: So sei es!) Sie (...) haben das Thema Zinsabsicherungen behandelt. Auch ich interessiere mich für die Absicherung gegen steigende Zinsen. Und zwar zur Absicherung von Kreditzinsen. Aufgrund der derzeitigen Zins-Tiefststände ist es nur logisch, dass die Zinsen wieder anziehen werden. Ich habe von Zins-Scheinen gehört. Können Sie erklären, wie diese funktionieren? Vielen Dank und beste Grüße aus der europäischen Kulturhauptstadt Linz in Oberösterreich."
Meine Antwort:
Zins-Scheine also. Dazu zunächst eine Anmerkung:
Die Zinsen sind zwar derzeit niedrig (weltweit)...aber zwingend logisch ist es nicht, dass sie deshalb bald wieder anziehen werden. Was niedrig ist, muss nicht bald wieder steigen (siehe Neue Markt-Aktien, zumindest auf meine Depotleiche SER Systems trifft das zu).
Und wenn ich mir da die Fed Funds-Futures anschaue...(Future, welcher die weitere Entwicklung der US-Leitzinsen prognostiziert): Da wird erst fürs Jahresende eine Mini-Zinserhöhung „eingepreist".
Also, zunächst: Vorsicht mit der Annahme, dass die Zinsen in den nächsten Monaten schon anziehen werden!
Nun zum zweiten Teil. Zins-Scheine.
Wenn Sie von steigenden Zinsen profitieren möchten, dann heißt es „um die Ecke denken".
Was passiert, wenn die Zinsen steigen? Die Kurse von zugehörigen Staatsanleihen fallen.
Ist klar: Wenn eine Staatsanleihe z.B. einen Kupon von 3,0% hat und bei 100 Euro steht, und dann das Zinsniveau auf 4,0% steigt - dann sollte der Kurs der Anleihe unter 100 Euro fallen.
Das richtige Instrument, wenn Sie von steigenden Zinsen profitieren möchten, ist also ein Short-Zertifikat auf diese Staatsanleihe.
Anmerkung dazu: Solche Short-Zertifikate gibt es weniger auf „real existierende" Anleihen, sondern vielmehr auf Anleihen-Futures. Führt zu weit, das jetzt zu erklären. Nur soviel vereinfacht: Das sind zwar keine Anleihen, aber sie entwickeln sich vom Kurs her wie eine typische Anleihe. Ein „Bund-Future" entwickelt sich wie eine typische Bundesanleihe mit konstanter Restlaufzeit etc.
Nehme ich mal ein konkretes Beispiel: Ein Short-Zertifikat auf den Bund-Future.
WKN: GS5YS0.
Der Schein hat einen Hebel von derzeit rund 34.
Wenn also der Bund-Future um 1% fällt - dann steigt der Schein um 34%.
Andererseits: Wenn der Bund-Future um 1% steigt...dann fällt der Schein um 34%.
Also durchaus eine recht heiße Kiste. (Seit Jahresanfang hat sich der Kurs übrigens etwa halbiert.)
Ist auch KEINE Empfehlung von mir - nur ein Beispiel für einen Schein, mit dem Sie von steigenden Zinsen profitieren können. Wie gesagt: Schnell steigende Zinsen erwarte ich nicht. Es sieht so aus, als ob die großen Zentralbanken derzeit eher weiter eine Politik des „leichten Geldes" fahren werden, inkl. billigem Geld = niedrigen Zinsen.
Den Preis = Inflation werden wir alle dann wohl später zahlen müssen, fürchte ich.
Mit nicht inflationiertem, sondern ehrlich gemeintem herzlichen Gruß an die Gemeinde,
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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