So kassieren Sie als Stillhalter
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 05. Januar 2006 16:00 Uhr
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Vielleicht haben Sie in den letzten Monaten mit Aktien gut verdient. Die Börse ist in letzter Zeit ja wirklich gut gelaufen. Besonders stark kletterten dabei die Aktien im Deutschen Aktienindex DAX. Die Blue Chips schafften seit der Konsolidierung Ende Oktober 2005 immerhin ein Plus von 14,8 %.
Vielleicht haben Sie einige Standardwerte im Depot und freuen sich jetzt über den schönen Buchgewinn. Vielleicht machen Sie sich inzwischen aber Sorgen und fragen sich: Kommt möglicherweise ein Kursrückschlag? Gibt es in den nächsten Monaten nur noch eine Seitwärtsbewegung? Soll ich nach dem rasanten Anstieg Kasse machen und aussteigen?
Durch den Verkauf von Optionen bekommen Sie einen Sicherheitspuffer
Gegen einige dieser Sorgenfalten gibt es ein Heilmittel: Sie müssen jetzt noch gar nicht verkaufen! Selbst wenn die von Ihnen erwartete Seitwärtsbewegung kommt, können Sie verdienen. Und gegen einen Kursrückschlag können Sie sich einen Sicherheitspuffer von 5, 10 % und mehr zulegen. Wie das geht? Ganz einfach: Mit dem Verkauf von Optionen.
Als Käufer einer Option erwerben Sie das Recht, zum Beispiel eine bestimmte Aktie oder einen Index zu einem festgelegten Termin und einem bestimmten Preis, dem Basispreis, zu kaufen (Call-Option) bzw. zu verkaufen (Put-Option). Dafür bezahlt Sie eine mehr oder weniger hohe Optionsprämie. Die Prämie ist um so höher, je stärker die Kursausschläge, also die Volatilität, der Aktie in der Vergangenheit waren und um so länger die Restlaufzeit der Option bis zur Fälligkeit ist.
Mit einem Call setzen Sie auf steigende, mit einem Put auf fallende Kurse. Es muß aber etwas passieren, damit Sie am Ende nicht leer ausgehen und die Optionsprämie umsonst gezahlt haben.
Auf der anderen Seite der Option steht der Verkäufer. Und der hat Pflichten. Bei einem Call muß er nämlich die vereinbarte Aktie zum festgelegten Preis an einem bestimmten Termin liefern. Beim Verkauf eines Put muß er entsprechend die Aktie zum festgelegten Preis abnehmen. Der Verkäufer erhält für diese Verpflichtung die Optionsprämie des Käufers auf sein Konto überwiesen.
Rund 80 % der Optionen verfallen wertlos
Anders als der Käufer der Option freut sich der Verkäufer, wenn nichts mit dem Kurs der Aktie oder dem Index passiert. Er wartet ab. Deshalb heißt er auch Stillhalter.
Wir sehen uns ausschließlich den Verkäufer der Option an. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Etwa 80 % der Optionen verfallen nämlich wertlos. Das heißt: 80 % der Käufer bezahlen eine Optionsprämie, für die sie am Ende nichts bekommen. Und auf der anderen Seite stehen eben die Verkäufer der Option und bekommen die Optionsprämie eben im Prinzip für nichts.
Ein Beispiel: Angenommen, Sie haben Aktien von BASF im Depot. Der Kurs je Aktie liegt aktuell bei 63 €. Je nach Einschätzung der Kursentwicklung können Sie verschiedene Strategien durchziehen.
Strategie 1: Die Seitwärtsstrategie
Wenn Sie davon ausgehen, dass BASF zum Beispiel bis Dezember 2006 nicht oder nur geringfügig steigen wird, werden Sie einen Call auf BASF mit einem Basispreis von 65 € und einer Laufzeit bis Dezember 2006 verkaufen. Aktuell bekommen Sie dafür rund 4 € je Aktie an Optionsprämie ausgezahlt.
Folgendes kann nun passieren:
1) BASF notiert im Dezember unverändert bei 63 €: Sie haben die Aktie und 4 € Prämie. Da Ihr Einsatz nur noch bei 59 € lag (63-4=59), haben Sie einen Gewinn von 6,8 %. Mit der Aktie hätten Sie nichts verdient.
2) BASF steigt auf 65 € oder höher: Ihr Plus liegt dann bei 10,2 %. Steigt BASF über 65 €, müssen Sie Ihre Aktien zu 65 € liefern. Sie bekommen auch dann nur 65 €, wenn BASF auf 80 € oder noch weiter steigt. Das macht Ihnen aber nichts: Sie haben ja nur einen Seitwärtsmarkt erwartet und dafür immerhin 10,2 % verdient.
3) BASF fällt unter 63 €: Wegen der Optionsprämie sind Sie bei Kursen über 59 € immer noch im Plus. Sie bekommen durch den Verkauf des Call einen Sicherheitspuffer von 6,3 %.
Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Die Geschäfte unter Strategie 1 können Sie auch über ein entsprechendes Zertifikat machen. Allerdings: Dafür brauchen Sie Geld. Mit dem Verkauf eines gedeckten Call nutzen Sie Gewinnmöglichkeiten ohne zusätzlichen Kapitaleinsatz!
In der nächsten Ausgabe zeige ich Ihnen weitere interessante Stillhalterstrategien.
Tipp:
1) Um bei Optionen mitzumischen brauchen Sie zuerst einmal die Termingeschäftsfähigkeit. Das macht keine größeren Probleme. Fragen Sie einfach bei Ihrer Bank oder Ihrem Online Broker nach dem entsprechenden Formular.
2) Das Risiko des Käufers einer Option ist auf die Optionsprämie beschränkt. Der Käufer setzt meist auf einen starken Kursausschlag.
3) Vor allem beim Verkauf von Optionen gilt: Drehen Sie kein zu großes Rad! Um das Risiko zu beschränken, sollten Sie als Verkäufer einer Option nur gedeckte Optionen eingehen.
Gedeckt heißt, dass Sie beim Verkauf eines Call die entsprechenden Aktien auch im Depot haben. Je Kontrakt sind das normalerweise 100 Aktien. Beim Verkauf eines Put sollten Sie entsprechend den maximal erforderlichen Geldbetrag auf dem Konto haben. Ansonsten werden Stillhaltergeschäfte über ein Margin Konto abgerechnet. Marginfähig sind beispielsweise die Aktien aus DAX und MDAX, ein Guthaben oder Anleihen.
4) An der EUREX werden vergleichsweise wenige Optionen gehandelt. Viel mehr Möglichkeiten haben Sie mit US-Aktien, etwa an der Nasdaq.