So hoch darf bei Zertifikaten der Spread maximal sein
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Zertifikate
vom 27. Januar 2012, 12:00 Uhr
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Ein Leser schrieb mir, dass er ein Zertifikat gekauft hatte, welches einen recht hohen Spread hatte (er berichtete von einem Wert zwischen 3 und 7%). Nach dem Kauf wurde der Spread auf über 11,5% erhöht - und der Leser war sauer, fragte mich, ob das legal sei. Er verwendete diese schöne Formulierung:
"Verstößt so eine massive Erhöhung eines ohnehin schon sehr hohen Spreads nicht gegen Treu und Glauben gegenüber dem schon investierten Anleger? (Theoretisch könnte der Emittent den Spread ja sonst auf 100% erhöhen, dort belassen und alle investierten Anleger enteignen.)"
Meine Antwort:
Zunächst für die Frischlinge in unserem Kreis eine Klarstellung des Begriffs „Spread": Bei Zertifikaten bezeichnet das die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs. Ist eben „Trader-Jargon".
Klar, kennt man ja, so eine Spanne: Macht jeder Händler so. Wenn Sie z.B. einen Wagen an einen Händler verkaufen, würden sie mehr zahlen müssen, wenn Sie direkt danach zurückkaufen möchten. (Theoretisch; denn kein Mitglied der Trader´s Daily-Gemeinde würde sich so verhalten.)
Grundsätzlich gilt: Wenn der Emittent den Spread erhöht, können wir nichts machen und müssen das hinnehmen.
ABER: Nur, solange diese Spread-Erhöhung in gewissen Grenzen bleibt.
Wie hoch diese „gewissen Grenzen" sind, können Sie leicht selbst überprüfen! Und zwar so:
1. Gehen Sie auf die Seite www.boerse-stuttgart.de und geben Sie dort die WKN des betreffenden Scheins ein.
2. Dann erscheint rechts eine Liste mit diversen Kennzahlen. Wichtig für das heutige Thema sind die Punkte „Bezugsverhältnis" und „max. homog. Spread in Euro".
Das „max. homog. Spread in Euro" steht für: "Maximaler homogenisierter Spread in Euro."
Bedeutet verständlich: So groß darf der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs maximal sein. Bezogen auf ein Bezugsverhältnis von 1:1, das ist wichtig! (Das bedeutet in diesem Zusammenhang "homogenisiert": Umgerechnet auf ein Bezugsverhältnis 1:1.)
Und hier kommt das Bezugsverhältnis ins Spiel: Wenn es nicht bei 1:1 liegt, sondern bei 100:1, dann muss der angegebene „max. homog. Spread in Euro" durch 100 geteilt werden. Bei einem Bezugsverhältnis von 1000:1 durch 1000, bei 10:1 durch 10 usw.
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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