So funktioniert das nicht, Ben Bernanke!
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 7. März 2011, 07:30 Uhr
ENL5454
Die Fed und die US-Bundesregierung möchten am liebsten so schnell wie möglich einen neuen Aufschwung haben. Aber einen Aufschwung wie den letzten brauchen wir gar nicht. Wenn man den Leuten verspricht, dass alles wie bei der letzten Spekulationsblase werden wird, dann denken die, dass man keine größeren Anpassungen machen braucht. Man brauche ja nur zu warten. Das wiederum verzögert die notwendigen Umbauten hin zu einer neuen Volkswirtschaft.
Wenn man so tut, als ob die Wirtschaft quasi-automatisch wieder zu dem Niveau von vor 2007 zurückkehren wird, dann lässt das die Leute denken, dass sie mit ihren Vor-2007-Investments" auf der sicheren Seite sein werden. Deshalb halten sie an ihren Aktien und Anleihen fest. Bei all dem Gerede von einer langsamen Erholung" erwarten die Investoren nicht, dass da etwas wirklich schief läuft...oder zumindest nichts, was ein paar Billionen Dollar fiskalische Stimulierung nicht lösen können! Deshalb machen die Leute nicht die Veränderungen, die sie machen müssten - weder bei ihren persönlichen Finanzen noch bei ihren Investments.
Die Fed behindert nicht nur den notwendigen Umbau der Volkswirtschaft, sie zerstört auch die Währung der größten Volkswirtschaft der Welt. Das macht die Situation noch konfuser und führt zu großer Unsicherheit. Die Investoren sind nervös. Sie wissen nicht, was sie erwarten sollen.
Sie werden zurückhaltend in Bezug auf langfristige Projekte - aber genau die braucht das Land. Wenn man dem Wert des Geldes nicht trauen kann, wie kann man da langfristig investieren, wenn die Erträge erst in einigen Jahren fließen werden? Wie kann man da ein Budget oder einen Business Plan erstellen? Ernsthafte Investoren warten deshalb...oder stecken ihr Geld in wachsende Volkswirtschaften in Übersee, wo das Chance/Risiko-Profil vorteilhafter ist, und die dortigen Finanz-Autoritäten nicht aktiv versuchen, ihre eigene Währung zu schwächen.
Was ich auf eine Art besonders bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass die Fed immer noch keine Idee zu haben scheint, was vor sich geht. So teilte uns vor kurzem Ben Bernanke mit, dass er dieses Jahr 3-4% Wirtschaftswachstum erwartet. Da er die größte Finanzkrise der letzten 80 Jahre völlig verpasst hat, kann man seine Prognosefähigkeit in Frage stellen. Aber selbst wenn er mit der Prognose von 3-4% Recht hätte, dann scheint er nicht zu verstehen, was das bedeutet.
Er meint, dass 3-4% Wachstum nicht genug seien. Er denkt an die Arbeitslosigkeit. Auf diesem Niveau kann man kaum die neu auf den Arbeitsmarkt eintretenden Menschen aufnehmen, geschweige denn die 15-30 Millionen Arbeitssuchenden reabsorbieren. Das ist auch zu wenig Wachstum, um mit der Schuldenlast fertig zu werden. Das Defizit soll bei rund 10% des BIP liegen - zwei bis drei Mal so viel wie das Wirtschaftswachstum. Das bedeutet, dass die Schuldenlast als Prozentsatz des BIP weiter steigen wird.
Das kann man nicht sehr lange durchhalten. Aber es gibt eine bemerkenswerte Sache: Bis jetzt ist das offiziell noch kaum bemerkt worden. Das Problem soll nur sein, dass die Wirtschaft zu langsam wächst. Drei Prozent sollen nicht genug sein. Sie glauben, dass man nur mehr Wachstum braucht...und das erhalte man durch Stimulierung" der Wirtschaft.
Das ist so, als ob man eine nasse Landstraße mit Vollgeschwindigkeit langfährt. Das Radio funktioniert nicht gut? Also noch schneller fahren, um die Radiowellen einzuholen, bevor sie weg sind. Wenn das nicht geht, dann noch mehr Tempo.
Das ist nicht die Art und Weise, wie Radios besser funktionieren. Auf diese Weise wird man einen schlimmen Unfall erleiden.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Franz Steinbauer (07.03. 2011 07:58 Uhr):
Ja, es sieht wirklich so aus als ob sich die Nervosität in den Gehirnen der Investoren so richtig ausbreitet. Und das ist auch gut so! Die Fakten weisen alle auf eine ziemlich ungemütliche Zukunft für Investoren hin. Die Korrektur bei den Aktien ist überfällig - ob hier eine geschönte Arbeitslosenstatistik noch etwas helfen kann, ist fraglich. Die Politik verkauft den Leuten in den USA eine Einsparung von 3 % im Bundeshaushalt als großen Fortschritt - ob das bei Einnahmen von 2500 Mrd. USD und Ausgaben von 3500 Mrd. USD noch etwas helfen kann, ist fraglich. Für US-Anleihen und deren Besitzer bedeutet es jedenfalls nichts Gutes.
Antworten - Kommentar von Michael T (07.03. 2011 11:08 Uhr):
Dem Herrn Bonner ist eigentlich in allem Recht zu geben. Was mich dennoch verwundert ist jedoch, dass Herr Bonner immer noch davon ausgeht dass Bernanke dumm ist und nicht weiß was er tut. Ich selbst gehe davon aus, dass er sich blöd stellt und sehr sehr genau weiß was er tut. - Und zwar ist dies nicht das was er vorgibt zu tun. - Amerika und den Dollar "zu retten". Ben Bernanke versucht den Dollar voll "durchmoderiert" an die Wand zu fahren. Warum? - Nun meiner Meinung nach um Amerika vollständig mit einem wertlosen Dollar zu entschulden. Warum Schulden zuirückzahlen? - Da verdient niemand dran. Der Markt ist ständig auf "Opfersuche" und Herr Bernanke ist der Sprecher der Wölfe.......
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