So bewerten Sie Rohstoff-Explorer, Teil 6
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Rohstoffe
vom 06. September 2007 12:00 Uhr
ENL5454
Und weiter geht es mit dieser Reihe:
Die Pusher-Strategie bei Rohstoff-Explorern
Als ob die Analyse von Rohstoff-Explorern aufgrund des jungen Entwicklungsstadiums nicht schon schwer genug wäre, hat die Situation in der Explorer-Szene in den letzten Jahren eine neue Dimension erreicht. Sie wissen natürlich, was ich meine: das Pushen von Explorer-Aktien in "vereinzelten Medien", um es mal so auszudrücken. Die Marketingwege sind verschieden, aber die Strategie ist immer die gleiche:
Durch einen aggressiven Werbefeldzug wird die Aktie eines winzigen, bis dahin völlig unbekannten Explorers in kürzester Zeit durch euphorische Analysen und Kursziele von mehreren 100% massiv angepriesen. Privatanleger springen blind auf den Zug auf, kaufen zu immer teureren Preisen und treiben so die Kurse nach oben. Für viele Anleger folgt dann leider viel zu häufig der lange Weg der Leiden – die Kurse fallen ins Bodenlose.
Chart eines typischen "hochgepushten" Explorers
Quelle: vwd
Das typische Bild eines hochgepushten Explorers. An den Umsätzen erkennen Sie, wie die Anleger zu Höchstkursen in die Aktie gejagt wurden, bevor der Wert wieder in sich zusammenfiel.
Die meisten dieser Werbungen, häufig wie Unternehmensanalysen aufgebaut, sind für die Leser kostenlos. Das ist auch logisch: Das Ziel des Marketings ist es, möglichst viele Anleger zum Kauf des Explorers zu bewegen. Die größte Reichweite erzielt man immer, wenn diese „Informationen“ umsonst angeboten werden.
Ausgerechnet wenn es um das hart ersparte eigene Investmentkapital geht, werfen viele Privatanleger jede Vorsicht blind über Bord. Ich möchte die Situation an einem Beispiel aus dem Alltag verdeutlichen: Jemand kommt mit einem 1.000-Euro-Plasma-TV auf Sie zu und sagt: „Sie können diesen Plasma-TV für 100 Euro haben.“ Was wäre Ihr erster Gedanke? Richtig: „Was ist an der Sache faul?“
Aber wenn es um Börseninvestments und größere Geldbeträge geht, stellen sich viele Privatanleger diese Frage nie.
Ich weiß, wie zeitaufwändig und arbeitsintensiv eine ordentliche Analyse ist. Deshalb sind meine Börsendienste auch kostenpflichtig. Arbeit wird bezahlt, wie überall. Das Gleiche gilt für die meisten Börsendienste.
Jetzt fragen Sie sich bitte: Warum sollte jemand diese aufwändig zu recherchierenden Informationen kostenlos anbieten? Sind wir hier bei den Samaritern?
Nein, wir sind hier an der Börse – dem ultimativen Zentrum des Kapitalismus. Im Leben hat alles seinen Preis (noch nicht einmal der Tod ist umsonst, er kostet das Leben), und das gilt erst recht für die Börse. Also: Sollten die Verfasser der kostenlosen Werbungen für Explorer nicht aus einem buddhistischen Kloster kommen, wie verdienen die dann ihr Geld? Denn um nichts anderes geht es nun mal an der Börse. Den Aufschluss darüber findet man in den Disclaimern der „Analysen“.
Disclaimer eines kostenlosen Börseninformations-Newsletters
„Offenlegung der Interessen: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in Einzelfällen die auf den Webseiten von xxx veröffentlichten Interviews von den jeweiligen Unternehmen in Auftrag gegeben und bezahlt worden sind. Für den Versand unserer Information hat uns das Unternehmen eine Aufwandsentschädigung gezahlt. Aus diesem Grund kann allerdings die Unabhängigkeit der Analyse in Zweifel gezogen werden. Diese ist deshalb per definitionem nur eine Information. Auch wenn wir jede Analyse nach bestem Wissen und Gewissen sowie fachmännischen Standards erstellen, raten wir Ihnen in solchen Fällen, bezüglich Ihrer Anlageentscheidung noch eine externe unabhängige Quelle hinzuzuziehen….“
Quelle: Disclaimer aus einem kostenlosen Newsletter vom 22.11.06
Die unterstrichenen Stellen zeigen es ganz klar: Die Verfasser werden von den Explorern für das Marketing bezahlt. Deshalb können diese Informationen auch kostenlos sein. Damit fehlt jedoch die kritische Objektivität.
Bleiben Sie wachsam!
Ihr
Michael Vaupel
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