SNB-Interventionen: Erfolg ist Ansichtssache
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 25. August 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Heute noch, wie gestern versprochen, einige Worte zur Schweizer Nationalbank (SNB) und der EUR/CHF-Entwicklung.
Nachdem gestern, kurz vor Redaktionsschluss, der EUR/CHF noch knapp über der 1,30er Marke notierte und dabei bereits ein historisches Allzeit-Tief erreicht hatte, ging es heute Morgen noch weiter abwärts. Das neue Rekord-Tief von heute Mittag liegt nun bei 1,2977. Und der generelle Druck hält weiter an, so dass mittelfristig wohl auch die 1,28 ins Auge gefasst werden darf.
EUR/CHF-Entwicklung:
Quelle: CFX-Trader
Wie gestern schon angesprochen drückt die pessimistische Stimmung (welche lustigerweise vor allem von den überaus schwachen US-Konjunkturdaten ausgeht) auf den Euro und favorisiert dagegen die Safe Haven Währungen, allen voran den Schweizer Franken. So weit, so gut, doch wie ich gestern schon schrieb, die Stimmung ist nicht der einzige Faktor der momentan für den Franken spricht.
Doch kommen wir noch einmal zu den SNB-Interventionen zurück.
Wie wir gestern gesehen haben, hat die SNB über Monate hinweg ihre Euro-Anlagen aufgestockt. Besonders dramatisch war dies im April und dann noch einmal phasenweise im Mai. In diesen Phasen hielt die SNB den EUR/CHF-Kurs ganz bewusst künstlich auf einem bestimmten Level (im April tendierte EUR/CHF in einer Seitwärtsbewegung um die 1,43 herum, im Mai lag das Level bei 1,40).
Als die SNB die Interventionspolitik im Juni schließlich aufgab, stürzte der Kurs natürlich dramatisch in den Keller. Die SNB hat alleine im 1. Halbjahr einen Verlust von 14 Milliarden Schweizer Franken zu verbuchen. Für ein im Vergleich kleines Land wie die Schweiz, erreichte das isolierte Vorgehen der SNB also wahrhaft extreme Ausmaße. (In den meisten Fällen, werden Interventionen von mehreren Zentralbanken gleichzeitig ausgeführt. Dies hat dann einen etwas stabileren Effekt.)
Erfolg ist Ansichtssache
Angesichts der Verluste, welche die SNB auf ihre Euro-Anlagen zu verbuchen hat und angesichts der fehlenden Nachhaltigkeit der Kursstützungsaktionen, könnte man nun annehmen, das Vorgehen der SNB hätte einen Misserfolg nach sich gezogen.
Doch, wie immer, hat eine Medaille zwei Seiten - so auch in diesem Fall! Wie ich schon im Mai geschrieben hatte, war es nicht das Ziel der SNB den EUR/CHF-Kurs auf einem bestimmten Level zu halten, sondern die starke Bewegung etwas abzufangen, um der Schweizer Exportwirtschaft die Gelegenheit zu bieten, sich auf ein neues Kurslevel einzustellen.
Wachstum bestätigt den Erfolg
Und wie die SNB im Juni erkannte, war ihr Vorgehen von Erfolg gekrönt. Oder anders gesagt: die konjunkturelle Entwicklung der Schweizer Wirtschaft gibt der SNB bis anhin Recht. An dieser Stelle möchte ich kurz SNB-Präsident Philipp Hildebrand zitieren, der Gründe und Auswirkungen der Aktionen folgendermaßen auf den Punkt bringt:"Wir standen vor der Alternative: Entweder lassen wir die starke Aufwertung des Franken zu, und die Schweiz hätte dann Kosten in Form einer Deflationsspirale und einer Arbeitslosenrate von womöglich acht Prozent zu tragen. Oder wir handeln sehr aggressiv - und haben heute ein Wachstum von rund zwei Prozent, eine sinkende Arbeitslosenrate und keine Gefährdung der Preisstabilität."
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