SNB interveniert: CHF schwächer
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 13. März 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
tja, da hat die Schweizer Nationalbank den Markt gestern ganz schön überrascht, als sie massiv fremde Währungen gegen den Schweizer Franken kaufte. Das war übrigens die erste FX-Intervention der Schweizer Zentralbank seit 1992.
Wenn schon, dann richtig, dachten sich die Schweizer wohl und haben dann auch gestern so richtig auf den Putz gehauen:
Zuerst wurde der Zinssatz gesenkt. Das Zielband für den Drei-Monats-Libor ist nun auf 0,0 bis 0,75 % gefallen. Der Zinssatz soll bis auf 0,25 % zurückgeführt werden. Damit hat nun auch die SNB sich keinen weiteren Spielraum mehr im Zinssenkungsmodus gelassen.
Aber das kümmerte die Schweizer Notenbanker nicht - denn schließlich kann man ja noch intervenieren. Und so haben sie nun eindrücklich bewiesen, dass ihnen auch dieses Mittel Recht ist um den Schweizer Währungs-Safe-Haven zu schwächen wenn es sein muss.
EUR/CHF hüpfte von 1,4773 bis auf 1,5400 in der Spitze und notiert aktuell bei 1,5285. USD/CHF sprang gestern von 1,1592 bis auf 1,1928 und notiert aktuell bei 1,1864. Zudem trugen auch die steigenden Aktienmärkte zum Druck auf CHF bei. Nachdem die SNB nun ausdrücklich klar gemacht hat, dass in der Schweiz Taten auf Worte folgen, gehe ich davon aus, dass der Schweizer Franken auch weiterhin schwächer notieren wird. Denn die SNB macht deutlich, dass sie weitere Stärke in der Währung nicht tolerieren wird.
Quelle beider Charts: CFX-Broker
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Schweizer Protektionismus? Was werden die G-20 sagen?
Aber was blieb den Notenbankern schon anderes übrig? Denn schließlich lässt auch in der Schweiz die Rezession grüßen. Im vergangenen Jahr war die Schweizer Wirtschaft noch um 1,6% gewachsen. Im vierten Quartal dann verzeichnete die Volkswirtschaft einen Rückgang um 0,3 %. Der Internationale Währungsfonds geht für 2009 von einem Rückgang der Schweizer Wirtschaftskraft um 2 % aus. Die Arbeitslosenquote erreichte im Februar mit 3,4 % den höchsten Stand seit drei Jahren.
Ob aber die G-20 bei ihrem Treffen am kommenden Wochenende auch so verständnisvoll reagieren werden ist fraglich. Denn eigentlich laufen die Aktionen der SNB den früheren Anti-Protektionismus-Rufen der G-10-Offiziellen zuwider. Es könnte also am Wochenende durchaus Kritik an den Handlungen der Schweizer Notenbank hageln.
Falls es dazu kommen sollte, möchte ich nur folgendes sagen: Liebe Schweizer, nicht beirren lassen! (Das gleiche würde ich auch den Japanern sagen, wenn die sich trotz politischer Krise etwas handlungsentschlossener zeigen würden.)