SMI: Notenbank tritt in Abwertungswettlauf ein
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 18. März 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
die härteste Weltfinanzkrise seit 80 Jahren stellt vor allem jene Länder vor besondere Herausforderungen, die traditionell von einer starken Finanzindustrie leben. Neben dem Verursacher der Finanzkrise, den USA sind das insbesondere Großbritannien und die Schweiz. Bereits im vergangenen Jahr kamen die Einschläge für die Eidgenossen näher, musste doch die kleine Steueroase Liechtenstein dem Druck der großen Industriestaaten auf ein Ende der Begünstigung von Steuerbetrügern im Zuge der UBS-Affäre und dem Fall Zumwinkel nachgeben. In der vergangenen Woche knickte auch die Schweiz in Sachen Bankgeheimnis ein. Obwohl das Bankgeheimnis in bestimmten strafrelevanten Fällen auch bei den Eidgenossen schon längst nicht mehr das ist, was es jahrzehntelang war, nahm die Weltöffentlichkeit die Kooperationsbereitschaft der Schweizer Regierung ganz anders wahr als es der daraus erwachsenen Bedeutung gerecht werden würde . Nach dem Vertrauensverlust im Zuge der Pleite der Fluggesellschaft Swiss und dem Schiffbruch der Flaggschiffe UBS und Credit Suisse kommen auf die Schweizer schwere Zeiten zu.
Maschinenbau leidet unter der Wirtschaftskrise
Es wäre vermessen zu behaupten, die Schweiz würde auf der Bühne der internationalen Finanzwirtschaft in der Bedeutungslosigkeit versinken. Die Erholung der angeschlagenen Banken und Investmentfirmen wird aber einige Zeit in Anspruch nehmen, die Wiederherstellung des ramponierten Rufs wird viel Geduld erfordern. Zwar verfügt das Land nicht über einen in Schwierigkeiten geratenen Automobilhersteller, dafür leidet der Maschinenbau indirekt unter der weltweiten Flaute beim Autoabsatz. Als letzte Bastion verbleibt der Schweiz zwar noch der Tourismus- und Dienstleistungsbereich, diese können aber die Wachstumsschwäche kaum kaschieren und dürften zudem auch bald von der Sparsamkeit der Verbraucher erfasst werden. Es wundert daher nicht, dass die Schweizer Notenbank (SNB) die Wahrscheinlichkeit einer Deflation höher ansetzt als andere Industriestaaten. Bei einer Deflation nähren sich fallende Preise und ein fallendes bzw. stagnierendes Wirtschaftswachstum gegenseitig und setzen so eine Abwärtsspirale in Gang.
Rückgang des BIP von 3 Prozent erwartet
Die SNB erwartet aufgrund der Wirtschaftskrise einen Rückgang von bis zu drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr. Auch die Arbeitslosigkeit soll deutlich zulegen. Zu diesem Szenario passt allerdings kaum, dass der Schweizer Franken deutlich gegenüber anderen wichtigen Währungen aufwertete. Die Ursache hierfür ist diegleiche wie beim japanischen Yen: Mit dem Ende der Börsenhausse wurden die Risikopositionen stark zurückgefahren, Kredite in den niedrigverzinsten Währungen wie Yen und Franken ausgeglichen. Die SNB befand im Laufe der vergangenen Woche jedoch, dass die Aufwertung des Franken über ihr Ziel hinausgeschossen ist und leitete deshalb Gegenmaßnahmen ein. Die Intervention schwächte den Franken gegenüber dem Euro um mehr als 3,5 Prozent ab. Der Schweizer Standardwerte-Index SMI konnte von der Maßnahme ebenfalls profitieren. Welche Nachhaltigkeit der Intervention allerdings beschieden sein wird, muss sich in den nächsten Tagen zeigen. Für gewöhnlich werden die Ursachen für die Aufwertung damit kaum bekämpft, im Gegenteil, die Märkte werden austesten, ob die Interventionsbereitschaft der SNB über einen längeren Zeitraum fortbesteht.
SMI im intakten Bärenmarkt
Der SMI-Index befindet sich wie sein deutsches Pendant in einem intakten Bärenmarkt, zeigte aber in der vergangenen Woche nach längerer Talfahrt wieder ein paar Lebensgeister. Nach dem Erreichen eines neuen Jahrestiefs bei 4.234 Punkten am 9. März setzte der Index zu einer Rallye von knapp 14 Prozent an, überwand in diesem Zuge sogar die kurzfristige 20-Tage-Durchschnittslinie. Das sich die Bullen nach dieser fulminanten Aktion eine kleine Auszeit können darf als normale Marktreaktion gewertet werden. Der Stochastik-Indikator zeigt eindrucksvoll den kurzfristig stark überkauften Markt. Als nächste Hürden stellen sich die fallende 38-Tage-Linie bei 4.900 sowie eine horizontale Widerstandslinie sowie ein mittelfristiger Abwärtstrend bei 5.000 Punkten den Optimisten in den Weg. Erst wenn der SMI über diese Schwellen überwindet, könnte die aktuelle Erholung weitere Zugewinne im Umfang von rund 10 Prozent verzeichnen. Bevor es tatsächlich zu einem Test der beschriebenen Widerstände kommt, sollte aber eine kurze und heftige Konsolidierung mit einem Test des jüngsten Aufwärtstrends bei knapp 4.700 Punkten einkalkuliert werden. Zu berücksichtigen bleibt zudem, dass durch den Terminverfall von Optionen und Futures an kommenden Freitag aktuelle Kursentwicklungen weniger nachhaltig sein könnten. Eine tatsächliche Bewährungsprobe für die Bullen sollte demnach die nächste Handelswoche darstellen.

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