SMI-Index: Attraktivität bleibt erhalten
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 22. Oktober 2009, 08:00 Uhr
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nachdem Ausscheiden des deutschen Finanzministers Steinbrück aus dem Amt hoffen die Schweizer hinter vorgehaltener Hand wieder auf ein wenig Entspannung in den (Finanz-) Beziehungen zu Deutschland. Dies umso mehr, als dass nun der italienische Finanzminister einheimische Steuersünder mit Ziel Schweiz genauer kontrolliert. Die Aufregung über Steuerschlupflöcher wird sich aber bald wieder legen, ist die Schweizer Regierung den G-20 im Hinblick auf die Verfolgung von Steuerstraftaten deutlich entgegengekommen.
Im Übrigen pflegen die Schweizer und die deutsche Börse eine Art Seelenverwandtschaft. Viele Entwicklungen die sich in dem Nachbarland ergeben, schlagen sich unmittelbar auch auf den heimischen Markt nieder und umgekehrt. Beiden Märkten ist gemein, dass sie über einen relativ hoch entwickelten Terminmarkt verfügen, der sehr aktiv das Geschehen in den Indizes mitbestimmt. Beherrschten noch in guten Zeiten Banken- und Chemiewerte als klassische Schweizer Wirtschaftsdomäne den SMI vor einigen Jahren, so sind es nun häufig Industrie-und Versicherungstitel die über das Wohl und Wehe der Indexentwicklung entscheiden. Ähnlich wie beim DAX haben die extremen Verwerfungen in den vergangenen eineinhalb Jahren sichtbare Spuren bei einigen Mitgliedern hinterlassen. Seit Anfang September sind mit Lonza und SGS zwei neue Indexmitglieder im Index, die andere Unternehmen ersetzt haben.
Berichte von Novartis, Nestle und Credit Suisse stehen an
Für den SMI ist heute Großkampftag, denn mit Novartis, Nestle und Credit Suisse berichten gleich drei Schwergewichte aus dem Standardwerte-Index über ihre Quartalszahlen. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei ganz sicher das Zahlenwerk von Credit Suisse, denn nach wie vor gehört der Bankensektor zu den Stützen der eidgenössischen Wirtschaft. Die Erwartungen der Analystengemeinde hängen eher niedrig, denn bei einem geschätzten Nettogewinn von 1,6 Mrd. Sfr würde das Ergebnis in etwa dasselbe Niveau haben wie im zweiten Quartal. Positive Überraschungen sind also möglich.
Erfreulichere Nachrichten dürften auch der Pharmakonzern Novartis und der Lebensmittelhersteller Nestle zu berichten haben. Beide profitieren von der Wiederbelebung der Weltwirtschaft, vor allem weil sich auch stark auf dem asiatischen Markt vertreten sind. Hier finden sich vor allem die Parallelen zum deutschen Aktienmarkt, denn die hohe Abhängigkeit von der Entwicklung der Auslandsmärkte führte zu den starken Kursverlusten im vergangenen Jahr. Da beide Titel aber schon gut gelaufen sind, ist das restliche Kurspotential im Vergleich zu echten zyklischen Aktien begrenzt.
Sonderkonjunktur dank Londoner Hedgefonds
Das die Anziehungskraft der Schweiz auf Finanzinvestoren bei weitem nicht so schlecht ist, wie es in den vergangenen Monaten schien, verdankt das Land vor alle der britischen Regierung. Die hat sich nämlich im Vorfeld der Parlamentswahlen eine besondere Reinheit in finanzpolitischen Dingen auf die Fahnen geschrieben und veranlasst mit deutlich höheren Steuern die dort ansässigen Hedgefonds zu Flucht. Mag auch die internationale steuerpolitische Kooperation der Schweiz nun manifestiert sein, die Steuersätze einzelner Kantone sind es nicht.
Die flexiblen Schweizer suchen auf diese Weise die Verluste aus abgezogenem US-Kapital auszugleichen und bemühen sich um möglichst viele Fluchtwillige aus England. Die verwalteten Summen, die dabei mit über den Ärmelkanal wandern, sollten über die entstandenen Verluste im Steuerstreit der UBS mit den USA problemlos hinwegtrösten. Zum Dank werden sich die neuen Bewohner verstärkt mit dem heimischen Aktienmarkt auseinandersetzen.
SMI: Nächste Widerstände im Blick
Ende Juli hieß in meiner Analyse an dieser Stelle: „Der SMI konnte von der Rally an den internationalen Aktienmärkten auch einen erheblichen Teil profitieren. Der seit Juli 2008 gültige, mittelfristige Abwärtstrend konnte in den vergangenen Tagen klar durchbrochen und ein weiteres Kaufsignal generiert werden. Zugleich ist der Index damit wieder in eine stärke Schwankungsbreite hineingelaufen, denn zwischen 5.700 und 6.400 Punkten vollzogen sich sowohl nach oben als auch nach unten die Bewegungen relativ schnell.
Im vorliegenden Fall muss aber angemerkt werden, dass der Markt schon etwas länger überkauft ist und nach dem Test der 6.000er Marke zunächst einmal eine Konsolidierung einleiten wird. Ein wahrscheinlicher Rückschlag würde den SMI an das Ausbruchsniveau der aktuellen Rally bei 5.550 Punkten zurückführen. Die Atempause kann sich durchaus über den gesamten August ziehen, bevor die Bullen im September höhere Kursziele bei 6.400 Punkten ins Visier nehmen."
Zu einem Rückschlag bis 5.550 Punkten kam es nicht mehr, besagtes Kursziel von 6.400 Punkten wurde im September in Angriff genommen und steht nun kurz davor von den Bullen ebenfalls übersprungen zu werden. Die nächsten Kursziele liegen nach den Fibonacci- Retracements bei 6.900 und 7.500 Punkten.
Die erste Marke sollte der SMI noch in diesem Jahr erreichen, danach muss allerdings mit einer erneuten Konsolidierung gerechnet werden. Im Januar könnte es dann zu einer Topbildung bei 7.220 Punkten kommen, danach dürfte der Index eher seit- bis leicht abwärts tendieren.
