Sky Deutschland: Die unendliche Geschichte eines schwierigen Geschäfts
Cindy Bach in Insider Daily
vom 9. September 2010, 14:30 Uhr
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ein außergewöhnliches Bild eröffnete sich uns am Montag. Die Aktie von Sky führte die Liste der MDAX-Gewinner an. Das Plus gut 3%. Die Stress geplagten Aktionäre dürfte diese kurze Erholung durchaus gefallen haben. Seit der Talfahrt, die im Jahr 2007 ihren großen Anfang nahm, gab es für Anleger des ehemaligen Bezahlsenders Premiere nur wenige Freudentage. Doch auch dieser Montag blieb eine Eintagsfliege". Das Polster ist längst wieder aufgebraucht. Das 12-Monats-Fazit bleibt. Aus Kursen um 2 Euro im Herbst 2009 wurde ein Penny Stock. Dennoch wollen wir einmal schauen, was das kurze Freudenfeuer auslöste.
Es ist IFA-Zeit. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin tummelt sich aktuell alles, was in der Unterhaltungsindustrie Rang und Namen hat. Und auch Sky-Konzernchef Brian Sullivan erteilte der Messe eine Stippvisite, aber nicht ohne dort Schönwetter zu machen: In den nächsten drei Jahren wolle Sky Deutschland eine nachhaltige Geschäftsgrundlage schaffen. "Zukunftsfähig" wolle man in zwei bis drei Jahren sein, erklärte Sullivan. Über die Anfang August angekündigte Kapitalerhöhung (340 Mio. Euro) hinaus rechnet der Sky-Chef auch nicht mit weiterem Finanzbedarf.
Best case: Ohne weitere Finanzspritzen in die schwarzen Zahlen
Auf dem Weg zur Profitabilität wolle man zunächst neue Vertriebswege testen. Doch Sullivan schließt dabei nicht aus, dass der eine oder andere Weg auch in eine Sackgasse führt. Gehe die Strategie aber wie geplant auf, könne man es ohne weiteres Geld von Mehrheits-Aktionär Murdoch schaffen. Eigentlich nichts Neues, aber die Aktionäre klammern sich an jeden Strohhalm, sei er auch noch so kurz.
Bedenkt man, dass Sullivan noch kürzlich von schwarzen Zahlen in 2011 sprach, rudert er jetzt doch deutlich zurück. Und die Aktionäre feiern trotzdem. Auch von Börsenexperten wird die Aussage Sullivans sehr unterschiedlich interpretiert. Einige titeln, dass Sky es nun schon in zwei bis drei Jahren in die schwarzen Zahlen geschafft haben will, andere wiederum werteten die Aussage als erneuten Aufschub des lang ersehnten Durchbruchs auf unabsehbare Zeit.
Weitaus nüchterner sehen die Experten vom Nebenwerte Journal die aktuelle Lage des Bezahlsenders. Chefredakteur Carsten Stern schreibt in seinem Editorial: "Luftschlösser zu bewerten, zählt nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen. Und so haben wir nie über Premiere, die heute unter Sky Deutschland firmieren, berichtet. Ein neuer Name macht noch kein besseres Geschäftsmodell. Wie schwierig es ist, in GEZ-County Deutschland genügend Kundschaft zu finden, untermauert einmal mehr der jüngste Halbjahresbericht. Knapp 2,5 Mio. Abonnenten haben die Münchener. 2,8 bis 3 Mio. bräuchten sie, um auf EBITDA-Ebene positiv zu sein. Bei der Kundenakquise auf die Bundesliga zu setzen, leuchtet zwar ein, funktioniert aber nicht, solange es die ARD-Sportschau gibt, welche die Spiele in Zusammenfassung ab 18 Uhr zeigt (Anmerkung der Redaktion und dafür zahlt man ja eben auch schon GEZ-Gebühren). Auch online ist für Sky gegen die Deutsche Telekom kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Wo sollen die zahlenden Kunden also herkommen? (...) Daher sind die jetzt angekündigten Allianzen mit Kabelnetzbetreibern sicher ein sinnvoller Schritt. Ob das reicht, um das Ruder herumzureißen, bleibt abzuwarten. Wir werden uns das weiter von der Seitenliene aus anschauen und konzentrieren unsere redaktionellen Ressourcen lieber auf Substanz."
Zum Thema Allianzen: Sky plant durch Kooperationen mit dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und dem Telekomkonzern Vodafone neue Abonnenten hinzuzugewinnen. Derzeit führe Sky auch Gespräche mit Sony. Sullivan zeige sich auf dem Weg zu neuen Geschäftfeldern zudem offen für neue Abo-Modelle für mobile Endgeräte wie Apples iPad. Das längst überfällige Umdenken hat also begonnen. Wer diesem sein Vertrauen schenkt, der wagt eine Spekulation. Wer Substanzwerte im Nebenwertesektor sucht, macht wohl aber lieber weiter einen Bogen um die Münchener.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Handelstag.
Ihre
Cindy Bach
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