Skurriles, Abstruses und harter Stoff...
Alexander Hahn in Investoren Wissen
vom 17. Februar 2009, 16:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
nachdem feiertagsbedingt aus den USA keine neuen Charts für VIX und NYSE BPI zur Verfügung stehen, erlaube ich mir heute einen kleinen Rundblick durch die Welt der Finanzmärkte unter dem obigen Motto...
Wem die Krise zu viel wird...
Es scheint so zu sein, dass der Job des Wirtschafts- bzw. des Finanzministers in einigen Ländern trotz entsprechender finanzieller Bezüge einfach undankbar ist. Nachdem es nun unseren Müllermeister (in Voraussicht auf das, was noch kommen wird?) aus dem Amt gezogen hat (zynische Kommentare zum jetzigen "Star-Inhaber" dieses Amts verkneife ich mir schweren Herzens und verweise stattdessen auf die wirklich sehr sehenswerten, investigativen TV Beiträge in den Massenmedien. Diese sagen alles...), scheint auch der japanische Finanzminister Nakagawa einfach keinen Spaß mehr an seiner Arbeit zu finden. Kürzlich trat er lallend und wohl - wenn man der Berichterstattung und den Aussagen ehemaliger Regierungsmitglieder Glauben schenken darf ("er trinkt einfach gerne") - sichtlich betrunken vor der Presse auf ("Ich habe nur am Wein genippt!"). Nun tritt auch er zurück. Durch einen tiefen Blick in die Flasche bzw. ins Glas werden manche Dinge wohl auch nicht schöner. So kann es gehen...
Doch andere Politiker sind in "Hochform"...
In Brandenburg hat man sich etwas ganz besonderes zur "Konjunkturbelebung" der BRD ausgedacht, was mich natürlich schwer beeindruckt und dank unermesslicher Kreativität ins Staunen versetzt hat. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, hat man dort beschlossen, am Beetzsee eine Insel 27 Meter umzuverlagern, um eine Regattastrecke für ein paar Dutzend Leistungsruderer zu verbreitern. Die Hoffnung: Man könne ja vielleicht eines Tages einmal die Ruder WM bei sich ausrichten... (Oder vielleicht auch nicht und dann war das Investment wertlos).
Fix einen Schwimmbagger gemietet, 7000 Kubikmeter Erdreich und los geht's. Dass damit wohl mindestens 5 Millionen Euro Steuergelder verprasselt werden, scheint hierbei - wie üblich - kaum jemanden zu kümmern, denn letztlich regnet es ja Steuergelder durch "Konjunkturpakete" (wieder einmal ein Beweis, dass staatliche Stellen Kapital nicht effizient einsetzen, sondern dass dies der private Sektor tun sollte, aber die Planwirtschaft kommt ja nun immer mehr in Mode und ich warte eigentlich nur noch auf den ersten "Fünfjahresplan" zur Bewältigung der Krise...).
Ich bin mir sicher, dieser wahrhaft heroische, tapfere Schwimmbagger wird (als "Held der Arbeit"?) in die Geschichte eingehen, weil er nachhaltig die deutsche Konjunktur beleben und uns mit seinen mächtigen Schaufeln aus der Depression ziehen wird. Hut ab vor der Nachhaltigkeit und Werthaltigkeit dieser phänomenalen Investition. Solch eine Idee kann wohl nur einem Politiker kommen. Es gibt sicher kaum geeignetere Punkte im Moment, in die man investieren könnte! Wer zahlt da nicht gerne und brav immer höher werdende Steuern und stimmt nicht sofort nickend zu, dass auch die kommenden Generationen solche Kosten doch bestimmt verständnisvoll und gerne übernehmen, wenn die Rettung doch nun kommt? Der Helden-Bagger wird's schon richten!
Und die unsäglichen "Spielverderber" und "ewig Gestrigen" kaufen weiter das böse, böse Gold
Angesichts des heldenhaften brandenburgischen "Konjunktur-Baggers" kann ich gar nicht verstehen, wieso der Goldpreis immernoch steigt. Jetzt, da es doch wieder aufwärts in unserem Land und wohl auch der Welt geht (denn wir unterstützen mit unseren "Konjunkturprogrammen" wie etwa der Abwrackprämie ja auch kräftig das Ausland), steigt der Goldpreis einfach weiter. Was ist denn hier los?
Und das, obwohl durch das Geldestablishment immer wieder an der COMEX interveniert und der Spotpreis immer wieder künstlich durch Leerverkäufe (etwa durch JP Morgan?) gedrückt wird und niemand etwas gegen diesen staatlichen sanktionierten Betrug sagt?
Verschwörungstheorie?
Mein Kollege Martin Stephan schreibt in seinem interessanten Börsendienst "Wahrer Wohlstand" hierzu unter anderem:
Während einige Anleger richtigerweise ins Gold flüchten, wird an der Terminbörse COMEX weiterhin massiv vom Geldestablishment gegen den Goldpreis interveniert.
Denn nur mit permanenten Leerverkäufen von Gold, das sie gar nicht besitzen, schaffen es JP Morgan & Co das Tempo der Goldpreisaufwertung abzumildern. Die Manipulationen an der COMEX sind inzwischen so offensichtlich, dass immer mehr Anleger auf diesen staatlich sanktionierten Betrug aufmerksam werden. Dennoch begreifen noch immer zu wenig Goldfans, dass ihnen weder COMEXKontrakte noch die meisten ETF oder andere Papiergoldrechte im Ernstfall wirklich weiterhelfen. Vielmehr sollte nur physisches Gold oder für Anleger in Mitteleuropa nur ohne wenn und aber in echtes Gold in ihrer Region umtauschbares Papiergold vorgehalten werden. In den USA gehandelte ETF nutzen wenig, wenn, aus welchen Gründen auch immer, in einem Ernstfall der Weg nach Manhattan zum Abholen versperrt ist. Als Alternative zum physischen Gold-oder Silberbesitz kommen noch gut geführte und/oder stark unterbewertete Gold- bzw. Silberaktien für die Geldanlage in Frage.
(Bei der Suche solcher Aktien helfen "Wahrer Wohlstand" und Herr Stephan Ihnen übrigens kompetent weiter...)
Auch sehen für mich einige Zahlen ganz und gar nicht nach "Verschwörungstheorie" aus. Aber ich überlasse es natürlich Ihnen, welche Schlüsse Sie hieraus ziehen. Wer von Ihnen möchte, darf auch gerne, bitte verzeihen Sie mir die Direktheit, die rosa Brille aufziehen und glücklich hüpfend um sein Sparbuch tanzen, denn noch immer erhalte ich Zuschriften im Stil von "Herr Hahn, wie können Sie nur Gold empfehlen!" oder "Gold bringt doch keine Zinsen und ist heutzutage unnötig." oder besonders obrigkeitsgläubig "Die FED wird es wieder richten. Wie immer. Ihre Untergangsphantasien sind lächerlich."...
Aber sagen Sie mir danach nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.
Im sog. Bank Participation Report vom 03. Februar 2009 finden sich nützliche Informationen über die Beteiligung von US-Banken an der Gold- und Silberpreismanipulation, welche über den Futures Markt erfolgt. Kombiniert man dies mit dem COMEX Bericht vom 6. Februar, so ergibt sich, dass 3 US Banken rund 60,5% der gesamten Short-Positionen im Gold und 70,6% aller "Banken-Shorts" im Gold halten.
Bei Silber sieht es noch deutlicher aus: Zwei US Banken halten NULL Long-Positionen auf Silber und 93,56% der gesamten Shortpositionen im Bankenbereich; auf die Zahl der gesamen Silber-Shorts bezogen entspricht dies 82%. Gehalten durch nur zwei Banken...
Interessant zu wissen wäre natürlich, wer diese 2 bzw. 3 US Banken sind. Hier empfiehlt sich ein Blick in den Bericht des "Comptroller of the Currency Administrator of National Banks". Hieraus ergibt sich, dass sich bei diesen drei Banken um JP Morgan (Hauptträger), HSBC Bank USA und Citibank handelt.
Bemerkenswert ist hierbei die Größe und enorme Einseitigkeit der Risikoposition. Ohne Unterstützung der US-Regierung bzw. der FED dürfte solch ein "hohes Pokern" kaum möglich sein. Wer genauere Zahlen will, kann diese in den zwei hier angebenen Veröffentlichungen relativ einfach (z.B. über Google) nachlesen.
Gebrochen werden kann dieses "Spielchen" nur durch eine überwältigende Nachfrage am physischen Markt. Ohne diese "Intervention" dürfte der Goldpreis inzwischen schon in ganz anderen Bereichen stehen.
Ich bin gespannt, wie die nächsten Wochen weiter verlaufen werden und empfehle Ihnen, besonders die kritischen Entwicklungen in Osteuropa im Blick zu behalten. Verfolgt man die Ausführungen einiger Kommentatoren in den Massenmedien, so droht hier ein gar ein "finanzielles Stalingrad"...
So berechtigt diese Begriffe auch sein mögen, so panikmachend empfinde ich sie. Stattdessen möchte ich Ihnen, wie auch schon in der Vergangenheit, einfach raten, darüber nachzudenken, ob Sie bereits ausreichend mit physischen Edelmetallen versorgt sind.
Beste Grüße
Alexander Hahn
P.S.: Noch ein aktueller Nachtrag. Gerade eben lese ich auch auf Bloomberg, dass unser Herr Finanzminister gestern tatsächlich sagte, dass finanziell notleidende Euro-Staaten einen "Bailout" seitens der reicheren Staaten brauchen könnten. In anderen Worten, die BRD könnte bald nicht nur "Konjunkturpakete" schnüren, sondern auch anderen Staaten Geld geben, da diese lt. Steinbrück "immer mehr Probleme bekämen, sich zu finanzieren". Nicht nur ich habe dies schon kommen sehen (und mich dafür verlachen lassen).
Noch ist es wohl noch nicht so weit, aber der Gedanke daran sagt mir überhaupt nicht zu. Mehr Informationen zu diesen Entwicklungen gibt es morgen.