Skandal bei „Satyam“!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 16. Januar 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Was allgemein erwartet wird, ist nicht sonderlich interessant...
Die Europäische Zentralbank hat gestern wie "allgemein erwartet" die Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 2,00% gesenkt. Keine Überraschung, und deshalb auch kaum Bewegung beim Euro. Tendenz der Leitzinsen: Weiter fallend.
*** Ist schon unterhaltsam, die Finanzwelt!
Obwohl oder gerade weil ich manchmal einfach nur den Kopf schütteln kann.
Wieso ich darauf komme:
Eine aktuelle „Geschichte" aus Indien.
Ich finde: Das ist grundsätzlich ein super „Emerging Market", mit einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnissen und immer noch relativ hohen Wachstumsraten.
Doch das kann passieren, wenn Sie nicht auf ein Index-Zertifikat Indien setzen (mein Rat wie immer: „Märkte statt Einzeltitel!"), sondern stattdessen auf einen indischen Blue Chip (= Standardwert):
Beim indischen Blue Chip „Satyam Computer" hat sich gerade herausgestellt, dass die genannten Zahlen schlicht und einfach erlogen waren.
Das Unternehmen hatte gemeldet, liquide Mittel von umgerechnet 1,1 Milliarden Dollar zu haben.
In Wahrheit sind es 66 Millionen.
Und beim „operativen Gewinn" ist nicht nur ein Komma verrutscht: Statt der angegebenen umgerechnet 133 Millionen Dollar sind es 12,6 Millionen Dollar.
So etwas ist natürlich eine Katastrophe.
(Feine Ironie dabei übrigens: „Satyam" heißt auf Sanskrit „Wahrheit". Quelle: Kollege Chris Mayer)
*** Eine Katastrophe, sowohl wenn Sie als Anleger diese Aktie gekauft haben - oder auch wenn Sie diese Aktie als Analyst bewertet haben.
Ich bin in diesem Fall glücklicherweise weder das eine noch das andere. Auf jeden Fall ist das auch für einen Analysten frustrierend (weiß, wovon ich spreche bzw. schreibe)...wenn Sie sich stundenlang mit der Analyse der Zahlen auseinandersetzen...
...und sich dann rausstellt, dass diese Zahlen einfach erstunken und erlogen waren.
So etwas kann bei Einzeltiteln natürlich immer passieren! Und auch bei „großen Fischen" sind Sie davor nicht sicher, denken Sie nur an Enron oder zahlreiche „Neue-Markt-Buden".
Wenn Sie auf einen Gesamtmarkt setzen, relativiert sich so ein „Total-Ausfall" natürlich.
Und auch bei Rohstoffen liegen die Zahlen zu Angebot und Nachfrage in der Regel auf dem Tisch. Da gibt es keine „Luftbuchungen", keine kriminellen Vorstände und erfundene Bargeldbestände.
Ein großer Vorteil gegenüber Einzeltiteln, finde ich.
Mit herzlichem Gruß,
Ihr
Michael Vaupel