Sind Zertifikate von ABN Amro sicher?
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 21. Januar 2009, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Leicht beunruhigend!
Die britische „Royal Bank of Scotland" hat angekündigt, einen Rekordverlust vermelden zu müssen.
Der dürfte im Bereich 28 Milliarden britische Pfund - umgerechnet rund 31 Milliarden Euro - liegen.
Um das mal in Relation zu setzen: Das ist mehr als die Wirtschaftsleistung eines baltischen Staates (Lettland kommt auf ein Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet rund 28 Milliarden Euro).
Dieses riesige Minus kommt durch einen milliardenschweren operativen Verlust sowie geschätzte 20 Milliarden Pfund Abschreibungen zustande.
Abschreibungen auf gebündelte Hypothekenpapiere sowie auf den Neukauf ABN Amro.
Und hier wurde ich stutzig: Genau, ABN Amro...
...die Royal Bank of Scotland hat schließlich den Geschäftsbereich der Zertifikate von ABN Amro übernommen.
Und ABN Amro ist schließlich ein großer Emittent von Rohstoff-Zertifikaten, dessen Angebot insbesondere im Rohstoff-Bereich ich schon genutzt habe, Sie vielleicht auch. Alleine schon deshalb, weil ABN Amro oft die einzigen sind/waren, welche Scheine auf „Nischen-Werte" ausgegeben haben.
Wenn die Royal Bank of Scotland nun die Mutter der Zertifikate-Abteilung von ABN Amro geworden ist (weshalb die Scheine nun auch http://markets.rbs.de/ erreichbar sind, rbs steht für „Royal Bank of Scotland")...
...steht RBS also auch für die Zertifikate gerade.
Und eine Mutter, die gerade einen Verlust von 31 Milliarden Euro vermeldet, ist nicht unbedingt vertrauenserweckend.
Wie sieht es nun mit negativen Auswirkungen auf die von ABN Amro herausgegebenen Zertifikate aus?
*** Leicht beruhigend:
Die Royal Bank of Scotland ist im Zuge der „Finanzkrise" verstaatlicht worden
(Klartext: Das Management war vollkommen inkompetent, betrieb mieses Risiko-Management, und die gesamte Bank wäre gegen die Wand gefahren, wenn der Staat nicht mit den Geldern der Steuerzahler die Aktienmehrheit übernommen hätte.)
Der britische Staat besitzt also die Aktienmehrheit an der Royal Bank of Scotland (restliche Aktien werden weiter gehandelt), und hat eine weitere Aufstockung seines Anteils ist wahrscheinlich.
Das ist für uns Trader mit den Zertifikaten der ehemaligen ABN Amro insofern wichtig:
Da die Sicherheit der Zertifikate nun von einer halbstaatlichen Bank garantiert wird, sollte im Notfall auch der Staat (Großbritannien) einspringen.
Insofern relativiert sich der gewaltige Verlust, denn im Notfall springt eben der Staat ein.
Ich habe das eben mal überprüft, anhand der CDS (=„credit default swaps"). Diesen sehr wichtigen Indikator kennen die langjährigen Brüder und Schwestern der Trader´s Daily-Gemeinde längst.
Für alle anderen eine kurze Zusammenfassung: Dies ist eine Kennzahl, die angibt, wie gut die Bonität eines Emittenten ist. Je höher die Zahl, desto schlechter (da es sich um eine Kreditversicherung handelt, gemessen in Basispunkten).
Und, wie hoch ist nun der CDS-Wert für die Royal Bank of Scotland?
Er steht bei 112,0 Punkten, was ein Wert ist, der vollkommen „in Ordnung" ist.
Zum Vergleich: Die Deutsche Bank steht bei 116,0; UBS steht bei 219,2.
Und die Commerzbank steht bei sehr guten 67,0.
Ist klar: Auch hier steht nun der Staat dahinter, und der wird seine Unternehmen schon nicht Pleite gehen lassen, so die Annahme des Marktes.
Ich vermisse einen „Schutzschirm für Steuerzahler"!
Dann noch ein Hinweis: Da ich morgen und übermorgen auf Verlagsveranstaltungen bin, gibt es meinen nächsten Beitrag für den Trader´s Daily dann kommenden Montag.
Es grüßt Sie herzlich:
ein Steuerzahler und Trader (in einer Person)
P. S.: Gerade lese ich, dass die britische Regierung nicht gerade erfreut ist über das Management der Royal Bank of Scotland, welches sie zu immer weiterem finanziellen Engagement drängt. Die britische Regierung warf dem Management vor, „unverantwortliche Risiken" eingegangen zu sein. Wenn so etwas öffentlich mitgeteilt wird, können sie sicher sein, dass da jemand richtig sauer ist...zu Recht!