Sind US-Aktien schon attraktiv?
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 21. Januar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der Wechsel im Präsidentenamt hat die US-Börse gestern ziemlich kalt gelassen. Den Begriff "historisch" bringt die Börse derzeit mit ganz anderen Entwicklungen in Verbindung: Dem Tempo der Talfahrt in der US-Wirtschaft. Die warmen Worte von Barrack Obama haben daran erwartungsgemäß noch nichts ändern können. Während sich die Realwirtschaft aber noch in der Mitte des Tunnels ohne Aussicht auf Licht befindet, stehen die Parameter für die Aktienmärkte auf mittlere Sicht schon auf Sichtkontakt zum Tunnelende. Nimmt man dass KGV als Maßstab, kann mit einem Wert von rund 17 noch nicht richtig von einer Kaufgelegenheit gesprochen werden. Andere Indikatoren, wie zum Beispiel die Dividendenrendite, sprechen mit Werten von 3,5 und mehr Prozent da aber schon eine ganz andere Sprache, insbesondere im Vergleich mit Anleihen oder der Bargeldverzinsung. Nach dem Bewertungsmodell der Federal Reserve, dass das Verhältnis der US-Anleihen zu Aktien misst, sind Aktien ebenfalls attraktiv bewertet. Der Index berechnet für Aktien auf Sicht der nächsten zwölf Monate eine Ertragsverzinsung von fünf Prozent und verdeutlicht die Attraktivität der Dividendentitel gegenüber Anleihen, die gerade noch zwei Prozent abwerfen.
Auch aus Währungsgesichtspunkten erscheint ein Investment in US-Aktien lukrativ, gewinnt doch der US-Dollar in der Regel mit der sich erholenden US-Wirtschaft gegenüber anderen Währungen wie dem Euro deutlich an Wert. Allein der psychologische Faktor, dessen Gewichtung bei der Bildung der aktuellen Aktienkurse noch immer überdurchschnittlich hoch ist, mahnt zur Vorsicht. Einen perfekten Einstiegpunkt aus diesem Blickwinkel zu finden, ist aber nahezu unmöglich. Denn welches Ereignis schließlich zu einem Umschwung am Aktienmarkt führt, lässt sich jetzt noch nicht sagen. Vergleich aller Rezessionsphasen seit 1880 haben ergeben, dass die Aktienkurse in der Regel sechs Monate vor der Wende in den Unternehmensergebnissen ihren Boden ausbilden. Sollte sich das auch in der aktuellen Krise als wahrscheinlichstes Szenario so darstellen, dürfte der Zielkorridor eines finalen Ausverkaufs mit Wendemanöver in den nächsten sechs Monaten liegen. Teile des sogenannten "Smart Money" sind bereits in der Mobilisierungsphase, das heißt Anleihepositionierungen werden zurückgenommen und den Barreserven zugeführt. Das Schauspiel lässt sich gerade in der aktuellen Schwächephase des Aktienmarktes beobachten, von der die Anleiheindizes wie der Bund-Future für gewöhnlich profitieren. Stattdessen treten diese auf der Stelle oder müssen sogar auch kleine Verluste einstecken.
Darüberhinaus befinden sich fast alle wesentlichen Konjunkturindikatoren schon historisch lange im freien Fall. Sobald sich aber dort erste Gegenreaktionen zeigen, müssen Investoren steigenden Kursen hinterher laufen, da sich die Reaktionszeiten selbst bei Privatanlegern dank moderner Nachrichtenkommunikation immens verkürzt haben. Für ein Investment in US-Aktien spricht zudem das Absinken des Börsenwertes viele Papiere unter die Summe ihres Barbestandes zuzüglich verwertbarer Wertpapiere. Eine derartige Unterbewertung haben die Märkte nicht lange bestehen lassen. Viele gut geführte Hedge-Fonds und Pensionskassen, aber auch die Generation der Rentner verfügen außerdem über Barbestände, die praktisch kaum Renditen einbringen. Zeichnet sich aber eine Trendwende am Aktienmarkt ab, wird die Jagd nach ansehnlichen Kursgewinnen wieder neu aufgenommen, denn was gestern war interessiert dann nicht mehr.

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