Sind Sie den Analysten auch auf den Leim gegangen?
Profit Radar
vom 06. Mai 2008 19:00 Uhr
ENL5454
Sehr häufig hört man dieser Tage auch Analysen, in denen es heißt: „Wenn wir bei den Ergebnissen den Finanzsektor rausrechnen, dann wird das Bild sogar noch deutlich positiver…“. Das stimmt. Aber der Finanzsektor ist aufgrund der Verschuldungs-Philosophie der amerikanischen Haushalte und vieler US-Unternehmen nun mal das Rückrat der amerikanischen Wirtschaft. Diesen Sektor einfach rauszurechnen, verzerrt einfach das Bild zwischen Statistik und Realwirtschaft.
Interessanterweise sind die gleichen Leute, die den bösen, bösen Finanzsektor jetzt immer aus den Statistiken über die Quartalssaison herausrechnen wollen (damit die Zahlen besser aussehen), auf der anderen Seite aber nie bereit, vielleicht dann aber auch den Ölsektor mal rauszurechnen. Denn es sind eigentlich die überdurchschnittlichen Gewinne der Ölkonzerne, die das durchschnittliche Gewinnwachstum der US-Indizes nach oben ziehen.
Was ich damit sagen will: Freuen wir uns, dass die Quartals-Saison in den USA gut läuft und freuen wir uns noch mehr, dass sich die Märkte beruhigen. Aber überbewerten sie diese Zahlen nicht, wie es leider einige Bullen schon wieder tun. Die Zahlen sind ordentlich bis gut, aber nicht so toll, wie sie jetzt nach außen hin verpackt werden, um die Märkte zu beruhigen.
Ganz abgesehen davon, dass diese Diskussion am eigentlichen Thema vorbei geht: Nämlich die Auswirkungen auf das zukünftige Konsumverhalten der Amerikaner. Darüber hatte ich ja in den letzten Wochen ausführlich geschrieben.
Jetzt kommen aber erst mal die Steuergeschenke der US-Regierung. Das dürfte den Konsum zumindest etwas stützen. Seien Sie also nicht überrascht, wenn wir in den kommenden Wochen und vielleicht auch den kommenden Monaten gute Konsum-Daten aus den USA bekommen. Diese basieren dann aber auf diesen Einmaleffekten und sagen nichts über das wirkliche Konsumverhalten der Amerikaner aus.
Have a successful day,
Ihr
Daniel Wilhelmi