Sind Frauen die besseren Anleger?
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Börse
vom 8. Juli 2011, 14:30 Uhr
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traditionell gewachsen oder nicht - an den Aktienmärkten tummeln sich weitaus mehr männliche Anleger als weibliche. Ich, die ja selbst als Redakteurin auf diesem Gebiet tätig bin, bekomme es auch immer wieder zu spüren, dass die Börse eigentlich eine Männerdomäne ist - eigentlich... Zwar sind es nach wie vor die Männer, die in den Familien die Finanzentscheidungen treffen. Verwunderlich ist das nicht, verdienen Frauen derzeit laut Statistischem Bundesamt im Schnitt doch 23% weniger als Männer. Aber glaubt man den Statistiken, dann sind die Frauen in Sachen Finanzen und Geldanlage deutlich auf dem Vormarsch.
Auf einem Diskussionsforum des Deutschen Derivate Verbands (DDV) zu diesem Thema bestätigte auch die Finanzjournalistin Antonie Klotz diese Entwicklung: Frauen würden in Geldanlagethemen kontinuierlich aufholen. "Vor zwanzig Jahren interessierten sich Frauen kaum für das Thema Derivate, vor etlichen Jahren lag der Anteil weiblicher Besucherinnen in Spezialseminaren zu Optionen, Futures und Zertifikaten noch bei rund 25%. Heute sind es meist 30 bis 40%." Fakt ist und bleibt aber: Wenn Frauen investieren, dann spielt Sicherheit nach wie vor die wichtigste Rolle. Das Zocken überlassen Sie großzügig ihren männlichen Kollegen. Und damit liegen sie gar nicht so falsch, denn wie ein aktueller Kommentar des Stuttgarter AktienBriefs zeigt, sind Frauen durchaus die erfolgreicheren Anleger.
"Beim Kochen und Bügeln lassen viele Männer noch immer gönnerhaft ihren Frauen den Vortritt. In Sachen Geldanlage hingegen wollen sie ein gehöriges Wörtchen mitreden, wenn nicht gar der Hauptbestimmer sein. Studien zufolge käme es ihnen aber auch dabei zugute, die Frauen entscheiden zu lassen. Denn ob in guten oder schlechten Börsenzeiten, Frauendepots schneiden nachweislich besser ab. Im noch starken Börsenjahr 2007 legten Frauendepots um vier Prozent mehr zu als die Portfolios der Männer, im Crashjahr 2008 verloren Frauen zwar auch viel, schnitten aber sechs Prozent besser ab als die Männer. Die Universität von Kalifornien kommt in einer anderen Untersuchung zu dem Schluss, dass das schwache Geschlecht auch langfristig das starke ist, zumindest aber das erfolgreichere", so die Feststellung des Stuttgarter AktienBriefs.
Selbstüberschätzung trifft Diskutierdeckchen
Woran aber liegt es, dass Frauen mehr Erfolg bei ihren Investments haben? Finanzberaterin Andrea Sauter erklärt diese Tatsache auf dem DDV-Forum wie folgt: Grund sei, dass Frauen bei ihren Finanzen gerne Entscheidungen im Austausch mit anderen träfen und damit auf das Wissen von vielen zurückgriffen. Na klar: Frau wäre nicht Frau, wenn sie auch in Sachen Finanzen nicht erst alles bis ins Kleinste ausdiskutiert. Ich denke es liegt einfach daran, dass Frauen sich im Vorfeld einfach umfassender informieren. Sie überschätzen sich selbst weniger leicht als Männer (sie mögen uns diesen Vorwurf verzeihen).
Der Stuttgarter AktienBrief kann einen weiteren Grund als Beleg für den größeren Investmenterfolg der Frau anbringen: "Frauen halten länger an ihren einmal getroffenen Entscheidungen fest und verlieren somit weniger Gebühren an die Banken. Während Männer im Schnitt neunmal pro Jahr kaufen oder verkaufen, kommen Frauen nur auf durchschnittlich fünf Transaktionen." Das könnte aber auch einfach bedeuten, dass Männer sich mehr trauen als Frauen, sie wägen weniger ab, entscheiden mehr aus dem Bauch heraus. Viele Frauen vertrauen ja nur selten auf ihr Bauchgefühl, wenn es um Geld geht - na ja, außer vielleicht, sie haben ein paar traumhafte und sündhaft teure Schuhe gefunden. Bei Schuhen hört bei Frau die Rationalität auf. Denn Schuhe machen Frauen glücklich (Mein Tipp an meine weiblichen Leser: Bitte unbedingt Gegensätze ziehen sich aus" von Kerstin Gier lesen, hier fühlt sich Frau einfach verstanden).
Aber nun zurück zum Thema. Wie wichtig ist es überhaupt, wer in Sachen Investment der Bessere ist? Brauchen wir Frauen noch ein Thema mehr, um bei uns die Feministin heraus zu kehren? Ich meine: Nein. Und so bringt es das Fazit des Stuttgarter AktienBriefs für mich auch am Besten auf einen Nenner, tun wir uns doch einfach zusammen: "Bei der vernünftigen Geldanlage ist weder Platz für Machogehabe noch für übertriebenen Feminismus. Wichtig ist, dass Männer und Frauen die besten Anlagegewohnheiten beider Seiten übernehmen und die schlechten ablegen. Eine gute Kombination wäre wohl der Mut der Männer, überhaupt in Aktien zu investieren, gepaart mit der Vernunft der Frauen, langfristig auf die richtigen, sprich die soliden, Aktien zu setzen - oder kurz: die Wachstumsstrategie!"
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Ihre
Cindy Bach