Sind Finanzkrisen Schnee von gestern?
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 01. Februar 2007 07:30 Uhr
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*** Sind Finanzkrisen Schnee von gestern?
Ich habe meine Meinung: Je mehr finanzielle Neuerungen sich als erfolgreich erweisen, desto mehr erfolgreiche Investoren werden Möglichkeiten finden, dazu beizutragen, dass es ein schlimmes Ende nimmt.
Norman Angells Buch, veröffentlicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts, stellt überzeugend die Behauptung auf, dass Innovationen in der Politik und am Markt zu dieser Zeit Kriege undenkbar werden ließen. Die Leute hörten auf, darüber nachzudenken. Sie machten sich keine Sorgen mehr. Sie hörten auf, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Niemals waren die Menschen optimistischer und selbstzufriedener als damals, gleich vor Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914. Danach führten ausgerechnet all die Innovationen, die Angell so in Verzückung versetzt hatten – die Industrialisierung, die technologischen Neuerungen, die Verstaatlichung – dazu, dass dieser Krieg zu einem der blutigsten und teuersten Kriege der Geschichte wurde.
Zufällig war das auch der Zeitpunkt, zu dem die amerikanischen Immobilienpreise ihren letzten, epischen Höchstwert erreichten. Effektiv fielen sie im Ersten Weltkrieg und sanken dann weitere 70 Jahre. Erst in den letzten zehn Jahren haben sie wieder angefangen zu steigen – und erreichten den Höchstwert von 1914 erst im Jahr 2005 wieder.
Und jetzt soll eine ganze Runde aktueller Innovationen dazu beitragen, dass Einbrüche des Marktes und Depressionen Schnee von gestern sein werden. Vielleicht ist es wahr. Aber ich würde nicht darauf setzen.
Die Kreditblase hat sich bis jetzt mit einer außerordentlichen Geschwindigkeit schon so lange vergrößert, dass die Leute angefangen haben, sich darauf zu verlassen. Aber die Wohnimmobilien in den USA schnappen gerade nach Luft, fallen eventuell sogar ein bisschen, nachdem es sich die amerikanischen Aktien gerade leicht machen – seit Anfang des Jahres verläuft die Kurve flach. Öl scheint stabil bei 55 Dollar zu liegen. Gold bei 640 Dollar. Anleihenerträge sind in den vergangenen zwei Monaten gestiegen. Wohin fließt all das Geld? Oder verliert diese gewaltige Liquiditätsblase langsam aber sicher an Luft?
Wenn nicht jetzt ... wann dann? Ich wünschte, ich wüsste es. Mr. Trichet warnt, dass die Investoren sich auf eine „Neuauszeichnung“ der Finanzanlagen gefasst machen sollen. Ich bezweifle, dass er mehr weiß als ich ... aber ich habe keine Zweifel, dass er Recht hat.
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Mein Kumpel James Kunstler gibt seinen Senf zur Rede zur Lage der Nation dazu:
„Es war eine Rede, die jeder Vorsitzende einer Gemeinde hätte halten können, was heißen soll, es war eine schwache Verteidigung der gegebenen Umstände. Es fehlt das Verständnis, dass eine Krise wie ein Hurrikan droht, der von der Küste aus nicht zu erkennen ist, aber für jeden, der Zugriff auf einen einfachen Radarschirm hat, deutlich auszumachen ist. Dieser Präsident will jeden einzelnen Maiskolben und jeden kleinen Holzspan verwenden, um die 260 Millionen Autos und LKW am Laufen zu halten. Amerika sollte sich schon mal darauf vorbereiten, bei Cornflakes etwas kürzer treten zu müssen. Er will in den nächsten zehn Jahren die Verwendung von Benzin um 20 Prozent senken.“
“Und wissen Sie was: Die Umstände werden das für uns vermutlich unfreiwillig selbst erreichen, denn allein die Menge von Erdöl, die den USA zur Verfügung steht, wird bis dahin mit Sicherheit deutlich gesunken sein, ganz egal, ob es uns gefällt oder nicht. Wahre Führungskraft sollte das erkennen und Vorschläge für andere Regelungen finden, wie z.B. die, dass man die Züge wieder auf die Schienen bringt und die Anreize für die Ausdehnung der Vorstädte einschränkt. Eine große Steursenkung für die Gesundheitsversorgung würde mir auch gefallen. Aber wie steht es um die Millionen, die versuchen mit den Wal-Mart Durchschnittslöhnen auszukommen, ganz ohne Gesundheitsversorgung? Sie sind ganz einfach gef#%*@*!!“
*** Nur eine Frage des falschen Zeitpunkts
Die Anzahl leerstehender Häuser, die zum Verkauf stehen, steigt rapide auf 34% an“, heißt es in einer Schlagzeile.
“Ich habe es aufgegeben”, berichtet ein Freund aus Florida, „wir hatten unser Haus auf dem Markt. Wir haben versucht, es selber zu verkaufen. Dann haben wir einen Makler beauftragt. Aber es gab im gleichen Block fast ein Dutzend weiterer Häuser zu verkaufen. Fast alle standen leer. Wir sind dann einfach davon ausgegangen, dass es nicht die richtige Zeit ist zu verkaufen. Also haben wir versucht das Haus zu vermieten. Das ist nicht ideal, weil wir jetzt Mietbesitz verwalten müssen, was wir eigentlich nicht wollten. Aber es ist besser als Geld zu verlieren. Sicher, momentan steht es immer noch leer. Wir konnten bislang noch keinen Mieter finden.“
Viele Hausbesitzer haben schon heute Geld verloren; Sie wissen es nur noch nicht oder sie wollen es nicht zugeben. Sie gehen davon aus, dass sie, wenn sie das Grundstück vom Markt nehmen, einen Verlust verhindern können.
“Reduzieren Sie Ihre Verluste” ist eine alte Regel des Aktienmarktes. Man dachte, eine Aktie würde steigen ... und sie stieg nicht. Dann bedeutete das, man hat falsch gelegen. Dann sollte einem auffallen, dass man nicht weiß, was man tut. Verkaufen Sie die Position und „lassen sie die Gewinner laufen.“
Aber die Vorstellung von dauerhaft steigenden Immobilienpreisen hat so tiefe Wurzeln, dass die Leute nicht glauben können, dass sie einen Fehler gemacht haben. Sie können nicht glauben, dass ihre Theorie falsch ist. Sie können nicht glauben, dass etwas vor sich geht, was sie einfach nicht begreifen können. Stattdessen gehen sie einfach nur davon aus, dass ihr Timing falsch war.
“Ich war ein bisschen spät dran”, sagen sie.
Und sie denken, dass wenn sie an der Position festhalten, die Zeit kommen wird, zu der sie wieder eine gute Investition ist.
Doch es ist so, dass Immobilien Mustern folgen – mit Zyklen, die sich über bis zu 120 Jahre erstrecken können – und so kann es sein, dass sie eine ganze Zeit warten müssen.