Sind die USA eine imperiale Macht?
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 03. Juni 2004 18:00 Uhr
ENL5454
*** Niall Ferguson, der Autor des Buches "Colossus: The Price of America's Empire" scheint die Idee eines amerikanischen Imperiums zu mögen. Aber er denkt, dass die Amerikaner darauf nicht vorbereitet sind. "Die größte der heutigen maritim-industriellen Mächte, die USA, hat sich selbst ins Zentrum eines Wirbelsturms projiziert, in einem Ausmaß, das die Gründungsväter, Teddy Roosevelt, Wilson, Franklin Delano Roosevelt und Eisenhower überrascht hätte", schreibt Paul Kennedy in seiner Rezension dieses Buchs. "Das US-Verteidigungsministerium berichtet, dass die Zahl der im Ausland eingesetzten Truppen von Monat zu Monat schwankt, aber grob gesagt sind 130.000 amerikanische Truppen im Irak, 30.000 in Kuwait und 15.000 in Afghanistan. Die USA nutzen Luft- und Traingsbasen in der Türkei, Usbekistan und Kasachstan. Sie sind weiter ins Herzland vorgedrungen, als Lord Curzon sich jemals über eine Macht von einem anderen Kontinent vorgestellt hätte." Aber haben die Amerikaner das, was notwendig ist, um ein Imperium zu führen? Wahrscheinlich nicht.
Zunächst einmal haben sie nicht das notwendige Geld. Ferguson wiederholt das, was wir hier schon seit Jahren sagen: Amerikas Imperium ist auf einer Blase von Schulden, Defiziten und Selbsttäuschungen errichtet worden. Eines Tages ... wird das platzen.
Aber Ferguson nennt auch einen anderen interessanten Grund, warum die Amerikaner nicht lange eine imperiale Macht sein könnten. Der Rezensent Kennedy erklärt: "(Sie) haben nicht die soziale, kulturelle und politische Stärke, um eine Oberschicht zu produzieren, die den Irak z.B. die 70 Jahre lang kontrollieren könnte, die es die Briten in Ägypten geschafft haben. Die Söhne der britischen Elite standen in hartem Wettbewerb untereinander um die Plätze im India Civil Service, im Colonial Service oder im Sudan Service. Heute gehen die Harvard- oder Yale-Absolventen ( ...) an die Wall Street.
Nebenbei gesagt – welche Mitglieder der Proselyten neokonservativen Elite waren eigentlich beim Militär oder haben ein Kind beim Militär? Wie viele Mitglieder des US-Senats haben ein Kind beim Militär? Wer unserer kräftigen Neokonservativen würde seine Tochter nach Mossul schicken, um dort die nächsten 30 Jahre zu bleiben? Wir befinden uns immer noch unter dem Schatten von Vietnam. Und deshalb ärgert uns Ferguson: Wir sollten eine imperiale Nation sein, aber wir haben nicht den Mumm dazu, es auch zu sein. Und wenn wir dem Weg von Richard Perle und Paul Wolfowitz folgen würden und im Mittleren Osten das neue westliche Imperium würden, dann würden wir da auf ewig gebunden sein. Und eines Tages würden wir – wie Curzon und Cromer und der Rest – gehen müssen."