Bill Bonner ist einer der anerkanntesten Finanzexperten der USA und Bestseller-Autor. Bei uns schreibt er regelmäßig im Börsen-Newsletter Kapitalschutz Akte.
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte
vom
Ich schrieb in meinem vorigen Beitrag, dass viele College Absolventen von heute kaum als ‚Intellektuelle‘ bezeichnet werde können.
Viele haben kaum ihr Hirn verwendet. Einige haben die letzten vier Jahre lediglich dafür verwendet, ein paar Tricks und den neuesten Jargon eines Gewerbes zu lernen. Marketing, zum Beispiel. Oder Journalismus. Marketing entwickelt sich so schnell, dass alles was Sie gelernt haben meist bereits veraltet sein wird, wenn Sie einen Job bekommen. Wenn Sie jemals einen Job bekommen. Außerdem können die wichtigen Punkte bereits in ein paar Wochen im Job erlernt sein.
Und zum Journalismus. Es gibt da ein paar Kenntnisse, über die Sie Bescheid wissen müssen, die Sie an einem Nachmittag erfahren können. Der Rest ist undifferenziert. Sie sehen zu. Sie stellen Fragen. Sie denken nach. Und Sie sagen der Welt, was Sie daraus machen. Kein College nötig. In der Tat kann das College Sie behindern. Anstatt dass Sie Ihre eigenen Augen und Ihr eigenes Gehirn nutzen und einen eigenen Weg entwickeln, die Dinge zu betrachten, verbringen Sie Ihre besten Jahre damit dummes Geschwätz von den Massenmedien aufzunehmen.
Einige andere von Ihnen haben berühmte Romane oder ein paar Geschichtsbücher gelesen. Sie denken, Sie wüssten irgendwas. Vielleicht nennen Sie sich selbst einen Historiker. Oder vielleicht einen Literaturkritiker. Mein Rat wäre, das für sich zu behalten. Sie haben eine Menge Geld ausgegeben, für etwas das Millionen anderer Leute, die genauso schlau sind wie Sie, als Hobby oder Zeitvertreib betreiben. Es gibt nicht viel wirkliches Wissen in nur einem dieser Dinge, nur Meinungen und Ideen, die mehr Eitelkeit und Entertainment sind als echtes Lernen.
Das Gleiche gilt für diejenigen, die Jahre damit zugebracht haben ‚Politik‘ oder ‚Ökonomie‘ zu studieren. Löschen Sie die Vorstellung, dass Sie etwas wüssten. Das tun Sie nicht. Alles was Sie haben, sind eine Menge Meinungen, die meisten von ihnen absurd, und die meisten von ihnen schwer verdaulich für eine nachdenkliche Person.
Ich habe keinen Zweifel daran, dass die meisten der angebotenen Studiengänge interessant sind und Spaß machen, ganz zu schweigen von den Bier-Partys. Aber sind sie 160.000 Dollar und vier Jahre Ihres Lebens wert? Wie wäre es mit einigen Titeln aus dem Vorlesungsverzeichnis von 2012: „Fantasie und Werte", oder „Black Women Authors", oder „Cinema of India", oder „Feministische Theorien in der Anthropologie", oder „Kreolische Erzählungen", oder „Zen", oder „Geschäftsethik"...?
Zum letzten werden Sie, wenn Sie in die richtige Welt hinausgehen, was ab morgen passieren wird, feststellen, dass sie sich enorm von dieser Scheinwelt der Universität unterscheidet.
Man sagt Ihnen, dass Sie sich, in dem Sie zur Universität gehen, der ganzen Welt des Wissens öffnen. Ja, vielleicht bekommen Sie einen leichten Zugang zu einer ganzen Welt aus vereinfachtem Wissen und politisch korrekten Meinungen. Aber Sie schneiden sich gleichzeitig von einer größeren Welt von echtem Wissen ab. Das, welches man durch beobachten und selber machen bekommt.
In Ihrem Kurs für Geschäftsethik zum Beispiel, sind Sie ohne Zweifel einer Menge Meinungen und Theorien zu diesem Thema ausgesetzt. Sie wären besser dran, es auf dem Arbeitsmarkt zu lernen. Erstens, anstatt jemanden dafür zu bezahlen, dass er Sie unterrichtet, sollten Sie fürs Lernen bezahlt werden. Außerdem können Sie die Ideen und Informationen des Kursmaterials in einigen 29 Dollar-Büchern lesen... oder online für noch weniger. Das gilt für ziemlich alle Lehrveranstaltungen für Geistes- und Sozialwissenschaften. Es ist alles für Sie erreichbar, wesentlich günstiger. In dem Sinne sind Sie also Trottel, dass Sie so viel dafür bezahlt haben.
Das Beste was Sie tun können, ist das Gelesene mit ihren Erfahrungen im wirklichen Leben zu kombinieren. Und im wirklichen Leben würden sie schnell feststellen, dass sie Dinge viel komplizierter sind, viel feiner nuanciert, und wesentlich weniger klar, als Sie dachten. Das gilt sowohl für Wirtschaftsethik, als auch für alles andere.
Wie der jüdische Philosoph Hiller erklärte, ist die Kernidee der Tora, der Bibel, der Bergpredigt und von Wirtschaftsethik genauso einfach wie dies: was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu. Der Rest sind nur Details.
Und die Details sind abhängig von der Situation, mit deren Komplexität wir nur in Berührung kommen, wenn wir ihr Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen. Damit kommt man nicht in einem Buch in Berührung, oder in Ihren Hörsälen, oder in Ihren Seminaren auf dem Campus. Die Zeit die Sie auf dem Campus verbracht haben, verhindert oder verzögert nur die Auseinandersetzung mit den Problemen, mit denen Sie in der wirklichen Welt konfrontiert werden.... Und verzögert so ihre Ausbildung.
Also haben Sie, oder Ihre Eltern, oder die Steuerzahler 150.000 Dollar für Ihre Ausbildung bezahlt. Und Sie sind retardiert.
- Kommentar von rolf bichsel
herr bonner eine wunderbare schilderung, aber wieso haben sie ihren sohn diese ausbildung finanziert, ist doch seltsam
Antworten- Antwort von Dr Thore Litta:
Ja, wieso???
- Kommentar von Franz Steinbauer
Herr Bonner scheints, leidet unter der typisch US-amerikanischen Begriffsverwirrung, die Bildung, Ausbildung und Wissen nicht auseinanderhält, zu leiden. Dass etwas so Teures wie die Ausbildung an einer amerikanischen Universität einen Return On Investment haben muß, ergibt sich zwangsläufig. Die kommerzialisierte Version der Wissensvermittlung ist trotzdem eine ziemlich verquere Idee, wenn man an den theologischen Ursprung des Begriffs Bildung denkt, der im Mittelalter aus dem Drang nach Gottähnlichkeit im positiven Sinn d.h. als Streben nach Gelassenheit entstand. Wir haben nun sicher keine mittelalterlichen Universitäten mehr, aber die Gelassenheit ist auch aus unseren Universitäten verschwunden. Stattdessen werden dort die weit von wirklicher Bildung entfernten "Intelligenzbestien" d.h. die Eliten der Plutokratie produziert.
Antworten- Kommentar von Pistulka
Sehr geehrter Herr Bonner Danke für Ihren Artikel, der sicherlich zum Nachdenken anregt. Nun ein kleine Korrektur: Ihr "Bibelzitat", was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem anderen zu, steht etwas anders in der Bibel s. Matthäus 7,12: Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Der kleine Unterschied: Im 1. Fall vermeidet man dem anderen Böses zu tun, im 2. Fall bemühe ich mich sogar dem anderen Gutes zu tun. Dies ist wohl ein Aspekt, der weit über den umgangssprachlichen Gebrauch der 1. Fassung hinausgeht. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir diese 2.Version in unserem praktischen Leben auch tatsächlich verwirklichen. mfG Walter Pistulka, Austria
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