Silber, Gold und Yen fallen ... der Dollar steigt

J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily zum Thema Silber
vom


von J. Christoph Amberger in Baltimore

Der Verlauf der Gold Spot-Preise am Dienstag Vormittag erinnerte mich vertrackt an die Skisprungschanzen in Calgary, Alberta. Nach zwei Tagen von osterinduziertem Nichtstun um die US$420-Marke ging es rapide abwärts ... bis auf US$407 und Kleingeld.


Silber folgte. Und dann fielen auch Yen und Euro gegenüber dem Dollar.

Was war geschehen? Hatten die Yankees plötzlich Religion gefunden, der Schuldenkultur entsagt, sich Portraits von Schumpeter und Mises übers King-size Ehebett gehängt, ihre Kreditkarten abbezahlt und ihre Lincoln Navigators gegen die possierlichen motorisierten Spritspar-Klößchen vertauscht, mit denen man in Deutschland so umweltfreundlich durch die Stadt tuckert?

Im Gegenteil: Es war als ob man es uns unter die Nase reiben wollte, dass es beim täglichen auf und ab der Märkte nicht um rationale makro-ökonomische Argumente geht, sondern schlicht und einfach um das Ausnutzen von spekulativen Trendsignalen. Der heutige Auslöser: Die amerikanischen Einzelhandelszahlen wurden veröffentlicht.

Insgesamt stiegen die Umsätze um 1,8 % an, fast dreimal so stark wie erwartet. Auf den Nenner gebracht: Gold fiel US$13 pro Feinunze ... weil die Amerikaner weiterhin (auf Kredit) einkaufen was das Zeug hält.

Nichts für ungut: Wir haben gar nichts gegen Gold. Im Gegenteil! Aber man kann sein kritisches Denken nicht im Schirmständer zurücklassen, wenn man in Edelmetalle investiert: Gold ist nun einmal denselben spekulativen Trends unterworfen wie jedes andere Asset.

Entsprechend rät unser residierendes WaveStrength-Orakel Adam Lass, dem ich beim Ankauf meines Mittags-Gyros über den Weg lief, den Preisverfall vom Dienstag als eine spekulative Kaufgelegenheit zu nutzen. Der mittelfristige Abwärtstrend, der sich in Adams Charts abzeichnet, ist zwar ungebrochen ... aber der rapide Sturz von 420 auf 407 sei doch zu abrupt gewesen, um nicht kurzfristig eine Gegenbewegung auszulösen.

*** Als ich in den 60er und 70er Jahren Berlin aufwuchs, fiel mir auf, dass fast alle meiner Spielzeugautos "Made in Hong Kong" waren. Wenn ich es recht bedenke, habe ich dieses Zeichen seitdem auch nicht mehr gesehen: Jedes Spielzeug meiner Kinder, über das ich in unserem Haushalt dynamisch hinwegschreite, ist "Made in China"-selbst die "Old Betsy" des Davy Crockett, ein traditionell amerikanisches Spielzeuggewehr mit Steinschloss und Holzkolben.

Unsere konfessionell perma-bearish eingestellten Kollegen nehmen dies als ein Anzeichen, dass sämtliche Herstellungskapazitäten der USA an den Yang-Tse verlegt wurden. Und dass die amerikanische Serviceindustrie nach Indien abgewandert ist.

Gut, selbst ich erhielt letzte Woche einen Marketing-Anruf eines Herren, dessen amerikanischer Allerweltsname "Brian" nicht so ganz mit seinem dicken indischen Akzent vereinbar war. Aber nehmen wir doch mal einen Schritt zurück:

Der britische Economist listed das GDP der USA für 2003 bei US$9,9 Billionen. Japans GDP war US$4,8 Billionen, Deutschlands war US$1.8 Billionen, Chinas US$1 Billion und Mexiko US$0,574 Billionen. In anderen Worten, das amerikanische GDP ist doppelt so groß wie das des nächsten Mitbewerbers. Es ist zehnmal so groß wie das von China (mit nur einem Viertel von Chinas Bevölkerung).

Und es ist satte 20mal so groß wie das unseres südlichen Nachbarn, dem der kauzige Präsidentschaftskandidat Ross Perot noch vor zwölf Jahren einen "giant sucking sound" zuschrieb ... der dadurch entstand, dass US Jobs nach Mexiko verlegt wurden.

Dieses Jahr wird das US GDP zwischen 4,5 und 5 % wachsen ... sowohl in den Hersteller-Indizes als auch in denen, der Serviceindustrie. Wenn man sich die Zahlen einmal näher betrachtet, ist nicht nur die Wachstumsrate der amerikanischen Industrie auf Rekordhöhe, seine Beschleunigungsrate ist ein historischer Rekord. Die März-Zahlen des service-bezogenen "non-manufacturing index" vom Institute for Supply Management zeigen eine 5 %ige Wachstumsrate für den Monat März. Der Index ist nun bei 65.8 % – wieder ein historischer Rekord ... besser noch als der golden verklärte Boom der 90er Jahre. Der "manufacturing index" (PMI) ist ebenfalls zum 10. mal hintereinander gestiegen ... auf 62.5 % im März. Bedenken Sie: Ein PMI über 42,8 bedeutet wirtschaftliche Expansion. Wir liegen 20 Zähler darüber! Diese Zahlen machen es mir schwer, ohne Vorbehalt in die Wehklagen mit einzustimmen. Im Gegenteil: Für mich bedeuten sie ledglich, dass China und Indien sich in die Reihe der wirtschaftlichen Billig-Buhmänner der Massenmedien eingereiht haben ... und damit (aus amerikanischer Sicht) Hong Kong, Malaysia, Japan und Mexiko abgelöst haben. Wenn mich nicht alles täuscht, wird sich in den nächsten Jahren auch dort etwas ändern. (Max Webers Einsichten auf die Kosten-Nutzen-Rechnungen der Schlesischen Schnitter lassen sich in leicht abgewandelter Form bereits auch in China feststellen.) In der Zwischenzeit verbleibe ich jedoch in aufrichtigem Optimismus auf die amerikanische Wirtschaft,

Ihr

J. Christoph Amberger, Executive Publisher, The Taipan Group


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