Silber-Abgaskatalysatoren setzen Platin weiter unter Druck
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Silber als Geldanlage
vom 24. April 2008 20:45 Uhr
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Liebe Leser,
die neu begonnene, wieder etwas stärkere Entwicklung des US-Dollar drückt bekanntlich auf die Edelmetallpreise. Besonders betroffen ist gegenwärtig natürlich das Gold, welches fast schon selbst wie eine Währung notiert gegenüber dem US-Dollar. Schon seit ein paar Wochen erwartet der Markt einen Impuls, der den US-Dollar wieder unterstützt und den starken Euro ein wenig abbremst. Abzulesen ist dies ganz besonders am gegenwärtig nachlassenden Interesse an Goldinvestitionen mit der damit verbundenen Korrekturbewegung der Goldpreise. Als Rohstoff-Daily-Leser wissen Sie ja, dass ich eine solche Gegenbewegung nicht nur erwartet habe sondern auch begrüße. Denn nichts ist schöner als wenn etwas von dem man grundsätzlich überzeugt ist und was man gerne haben würde, endlich billiger wird damit man es wieder kaufen kann. Denn langfristig gibt es keine sicherere Währung als Gold. Zumal in Zeiten wachsender Inflation, die auch die Zentralbanken trotz aller Tricks und Kniffe nicht einfach von heute auf morgen beseitigen können. Günstigere Preise ziehen also irgendwann sowohl neues physisches als auch spekulatives Kaufinteresse nach sich. Zumal auch die Angebotssituation in den kommenden Jahren weiterhin Anlass zur Besorgnis gibt. Bis schwerer wirtschaftlich und technisch abzubauende Vorkommen realisiert werden vergeht noch viel Zeit. Zeit in der allerdings auch die Goldpreise ein hohes Niveau halten müssen, damit der Abbau eben wirtschaftlich rentabel bleibt.
Aber nun gut, so viel zu Gold! Kommen wir zum eigentlichen Thema, einem anderen Edelmetall, dem Platin.
Auch hier besteht natürlich eine Negativ-Korrelation zur US-Dollar-Entwicklung, obgleich lange nicht so ausgeprägt wie bei Gold. Stattdessen erlebte Platin seit Beginn des Jahres eine massiv starke Preisentwicklung, die von ganz anderer Seite unterstützt wurde. Bis zum Hoch im Februar legte der Platinpreis um mehr als 45 % zu, innerhalb von noch nicht einmal zwei Monaten, dank für uns so etwas Grundsätzlichem wie Strom. Ich sage Ihnen ja sicherlich nichts Neues damit, deshalb fasse ich mich kurz: In Südafrika kam es zu Stromausfällen, welche die dort ansässige Minenindustrie für 5 Tage praktisch lahmgelegt hatten. Folge: Platinpreise werden nach oben spekuliert.
Dann floss wieder Strom und irgendwie war die Luft draußen, womit der Platinpreis von über 2293 USD auf unter 1900 USD pro Unze sank. Seitdem pendelt er irgendwo um die 2000 USD-Marke.
Mitsui will Platin durch Silber ersetzen
Dann kam jetzt die Hiobsbotschaft: Mitsui Mining gab bekannt man habe ein Verfahren entwickelt um das teure Platin in Dieselabgaskatalysatoren durch das günstigere Silber zu ersetzen. Folge: Platin runter auf gegenwärtig 1975 USD pro Unze.
Irgendwie lustig, wenn man bedenkt, dass erstens die Idee ja gar nicht neu ist – schon 1998 haben belgische Chemiker den Silberkatalysator im Laborversuch getestet – und der neue Abgasmotor frühestens 2012 auf den Markt kommen wird und dann laut Mitsui auch nur für landwirtschaftliches und technisches Gerät eingesetzt werden soll. Folglich wird noch viel Wasser den Berg hinabrinnen müssen, bis Silber Platin aus unseren Auto-Kats verdrängt.
Und das ist bedeutsam, denn immerhin generiert die Automobilindustrie 60% der weltweiten Platinnachfrage.
Na gut, der zweitgrößte Anteil wird von der Schmuckindustrie nachgefragt, die ja bekanntlich sehr preissensibel ist.
Dennoch bereits im vergangenen Jahr 2007 lag der Platinmarkt mit 300 000 Unzen im Angebotsdefizit. Das war vor den südafrikanischen Stromausfällen.
Weiterhin Angebotsdefizit zu erwarten?
Womit es sich also lohnt, wieder einen Blick auf die inzwischen scheinbar wieder in Vergessenheit geratene südafrikanische Minenindustrie zu werfen. Wie geht es denn dieser so inzwischen? Na ja, ganz ehrlich gesagt noch immer nicht so super.
Anglo Platinum, seines Zeichen Platinproduzent Nummer 1 weltweit, rechnet damit, dass seine Produktion in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge fallen dürfte. Nachdem die Produktion bereits im letzten Jahr um 12 % gefallen ist. Auch Lonmin, weltweite Nummer 3 lag bereits 2007 um 100 000 Unzen hinter ihrem Produktionsziel.
Geht man also davon aus, dass weiterhin Strom-, Material-, Personal-, und Neue-Vorkommen-Erschließungsknappheit herrschen, dürfte auch die Angebotslage künftig nicht so rosig aussehen.
Zumal wenn man bedenkt, dass Südafrika nach wie vor für die Produktion von 80% des weltweiten Platins steht.
Tja, sehen wir es realistisch: die Automobilindustrie wird noch einige lange Jahre Platin brauchen und wenn der Preis fällt, was er vom gegenwärtigen Level durchaus noch weiter tun kann, dann wird auch die Schmuckindustrie wieder stärker kaufen. Wenn dann aber die Nachfrage wieder steigt, stößt sie eben leider auf ein möglicherweise weiter verringertes Angebot.
Na ja, wie immer wird es spannend werden. Warten wir mal ab!
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