"Sie können uns gestohlen bleiben"
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 22. Februar 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Gerald Ford hatte die richtige Vorstellung.
Es war das Jahr 1975. New York steckte in finanziellen Schwierigkeiten. Die Stadt musste Geld leihen, um ihre Schulden weiter begleichen zu können. Und die Kreditgeber wurden unwilliger. Deswegen wandte sich der Bürgermeister Abe Beame an Washington und bat um einen Bailout. Aber Amerika hatte damals noch einen rudimentären Sinn für finanzielle Integrität. Der Big Apple hat Glück gehabt. Amerikas Präsident sagte Beame, er könne ihm gestohlen bleiben. Da keine weiteren Möglichkeiten blieben, mussten New Yorks Politiker das Richtige tun - sie mussten die Ausgaben einschränken und die Stadt ist gediehen.
Griechenland ist nicht New York City. Und die Vereinigten Staaten sind nicht Europa. Amerika ist von einem Ozean zum anderen vereinigt - zumindest seit der Zeit, zu der Lincoln im Jahr 1865 die Konföderation zerschlug. Ein vereintes Europa war jedoch immer Veränderungen unterworfen und unverbindlich. Zusammengehörigkeit wurde normalerweise nur durch Eroberung erreicht. Die Römer... das Heilige Römische Reich... Napoleon... Hitler. Alles hielt zusammen, aber immer nur für eine Weile.
In der vergangenen Woche erlebten die europäischen Aktien einen Ausverkauf. Der Euro ist auf 1,36 Dollar eingebrochen - das ist der tiefste Wert seit acht Monaten gegenüber dem Dollar. Kurzfristige Zinsen auf den Euro sind auf ein Rekordhoch gestiegen - wobei 8 Milliarden Dollar darauf gesetzt wurden, dass das europäische Geld noch weiter einbrechen würde.
Das unmittelbare Problem betraf den Rand Europas. Die Griechen stecken in Schwierigkeiten - es ist ein ähnliches Problem wie das Problem New Yorks in den Siebzigern. Das hellenische Defizit ist auf 12,7% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen, was die Kosten der Finanzierung auf fast 7% für einen Kredit über zehn Jahre getrieben hat. Der Preis für Geld ist gestiegen und damit sind auch die Schwierigkeiten Griechenlands gewachsen. Mit jedem weiteren Basispunkt, um den die Kreditkosten nach oben kletterten, ist der Haushalt noch weiter aus dem Ruder gelaufen.
Der griechische Finanzminister Papaconstantinou versprach Ausgabensenkungen, die die Defizite innerhalb von zwei Jahren wieder auf das erlaubte Niveau von 3% bringen würden. Wird er das auch erreichen?
Am goldenen Kreuz gekreuzigt
Während des 19. Jahrhunderts war William Jennings Bryan der Champion der landwirtschaftlichen Schuldnerklasse in den sogenannten amerikanischen flyover states". Die Bauern des Mittleren Westens hatten sich während der Jahre des Booms schwer verschuldet. Sie wollten, dass mehr Geld in Umlauf kommt, damit es leichter für sie wird, die Schulden zu begleichen. Bryan jammerte und wollte den doppelten Münzstandard... wobei Silber und Gold als monetäre Reserven verwendet werden, wodurch die Geldmenge gesteigert wird. In einer der großartigsten Reden aller Zeiten, donnerte er, dass die Schuldner am goldenen Kreuz gekreuzigt würden". Amerika hat ihm gesagt, er könne ihnen gestohlen bleiben.
Doch das heutige Geld wird weder durch Gold noch durch Silber gedeckt. Niemand wird vom Papiergeld gekreuzigt werden, stattdessen häufen sich die bailouts, und sie werden darunter begraben. Die Quantität der von der Regierung in Umlauf gebrachten Papiere explodiert immer noch. Die öffentlichen Schulden in den entwickelten Ländern sind in den vergangenen drei Jahren um 50% gestiegen. Allein in diesem Jahr stehen in Europa weitere Kredite von 2,2 Billionen Dollar an.
Von den führenden Marken unter dem Papiergeld, ist Amerikas die zuverlässigste. Es gibt diese Währung schon seit zwei Jahrhunderten. Und diese Währung genießt das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten.
Die Schwäche des Euros
Der Euro ist im Gegensatz dazu eine noch relativ junge Erfindung. Es ist Papiergeld, das nur durch Papier gedeckt wird - den Vertrag von Lissabon, aus dem sich die Mitgliedsstaaten jederzeit ausklinken können, wenn ihnen einmal danach sein sollte. Das hat viele Beobachter zu dem Glauben veranlasst, dass das europäische Geld grundlegend schwach und nicht natürlich ist.
Der Euro genießt auch nicht die gleiche dynamische Leitung wie der Dollar, bei der alles zu gehen scheint. Man kann sich gut vorstellen, dass Ben Bernanke um sieben Uhr in der Früh in seinem Büro erscheint. Jean-Claude Trichet kommt vermutlich erst um 11 Uhr dort an und geht nach der Mittagspause wieder. Aber was ist schlimmer? Eine Währung, die von Menschen kontrolliert sind, die nur ein marginales Interesse daran haben, sie zu halten oder eine, die von Menschen kontrolliert wird, die wild entschlossen sind, die Währung untergehen zu lassen.
In der vergangenen Woche schien der oben erwähnte Mr. Trichet wenig geneigt, die Griechen zu retten. Stattdessen hat er ihnen einen Vortrag gehalten...
Als Mitglieder der europäischen Region, hat Griechenland ein einfaches Mittel, das Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren. Man teilt eine Währung, die kreditwürdig ist, so dass man eine Finanzierungsqualität hat, die der einer kreditwürdigen Währung entspricht."
Er machte bekannt, dass die Europäische Union auch ganz gut ohne Griechenland auskommen würde. Griechenlands Bruttoinlandsprodukt macht nur 3% der Eurozone aus (ungefähr der gleiche Anteil, den New York City am amerikanischen Bruttoinlandsprodukt hat). Es sind 3%, ohne die der Rest Europas auch ganz gut klarkommen würde, schien er sagen zu wollen.
Aber bereits am Dienstag keimte die Hoffnung, dass man Trichets Herz würde erwärmen können. Aber vielleicht war es auch sein Kopf. Er kam früher aus Australien zurück. Den deutschen Gesetzgebern wurde gesagt, dass sie mehr Flexibilität" hätten, mit der Krise umzugehen, als sie bislang geglaubt hätten. Nach einer wagen Zusicherung, setzten die Anleger darauf, dass es wohl zum Abschluss eines Bailout-Programms kommen würde.
Stattdessen hätte Trichet besser den Griechen sagen sollen, sie können ihm gestohlen bleiben.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Ulrich Hertig (22.02. 2010 12:30 Uhr):
es wird nur noch gelogen und gemauschelt. Leere Worthülsen und alles zu Lasten der Steuerzahler. Die Oben wissen doch nicht was sie tun sollten und tun.
Antworten - Kommentar von Dr Papp Ernoene Ungarn (22.02. 2010 19:32 Uhr):
Sehr geehrter Herr Weiss! Sie haben vollkommen Recht. Warum sollten andere Staaten für die Sünden von Griechenland zahlen? Jeder muss seine Zeche selber bezahlen, ob EU-Staat, oder nicht. Mit freundlichen Grüßen:
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