Sie haben es getan...
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 8. August 2011, 20:30 Uhr
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Klar, ist heute schon fast ein alter Hut und heute haben doch auch irgendwie alle schon wieder gewusst, dass es früher oder später passieren musste, aber ich komme dennoch nicht umhin, die Typen von S&P für ihren Mut zu beglückwünschen. Endlich hat es auch eine der großen 3 geschafft, dem US-Vertrauen zumindest einen (allerdings mehr als wohlverdienten) leichten Kratzer zu verpassen. Aber das ist ja noch nicht alles...
"Coole Panik"
Nachdem die Märkte bereits in der letzten Woche in den Panik-Modus geschaltet hatten, erwischte die Nachricht vom Tabubruch die Märkte im Wochenende. Und weil wir doch alle so furchtbar cool sind und schon letzte Woche genug Geld verbrannt wurde, starteten die Märkte sogar relativ friedlich in die Woche. Doch dann kamen die Amis und aus der Coolness erwuchs der nächste Panikschub. Der Dax hat es sich mittlerweile unter der 6.000 Punkte-Marke gemütlich gemacht und der S&P findet es inzwischen auch schon unter 1.160 ganz cool.
Tja, da hilft es auch nichts mehr, wenn das US-Finanzministerium und Warren Buffett den Typen von S&P vorwerfen sie hätten sich verrechnet oder die ganze Aktion sei lediglich ein Tritt vors politische Schienbein - so oder so, der einzementierte Triple-A-Status der Amis ist gebrochen. Sicher, es gibt Schlimmeres als von S&P auf AA+ abgestuft zu werden und natürlich trägt heute auch insbesondere der Downgrade von Fannie Mae und Freddie Mac zur US-Trauer bei, aber, Fakt ist: die USA sind angreifbar geworden und es wird immer deutlicher, dass sie ihren Zenit längst überschritten haben.
Ob die extreme kurzfristige Rezessions-Panik wirklich gerechtfertigt ist oder nicht, bleibt abzuwarten, auf einen Knick steuert die US-Wirtschaft aber allemal zu.
Die EZB - Bad Bank ohne Ziel?!
Doch die Amerikaner sind ja nicht die einzigen, die so ihre Probleme haben. Auch in Europa stehen die Probleme nach wie vor an vorderster Stelle. Doch...gemach...unsere geliebte Bad Bank eilt zur Hilfe....und kauft jetzt auch noch spanische und italienische Anleihen auf. Sicher, irgendjemand muss es ja machen und wir können ja auch nicht alles den Chinesen überlassen, aber die Geister, die sich die EZB jetzt ruft, könnten wirklich verflixt schwer wieder loszuwerden sein (wenn überhaupt).
Denn Anleihen von Griechen, Portugiesen und Iren zu kaufen ist eine Sache. Schließlich handelt es sich bei diesen drei um relativ kleine Volkswirtschaften, deren Kapitalbedarf geringer ist. Aber Spanien und Italien sind ganz andere Kaliber - schließlich handelt es sich bei diesen um Volkswirtschaft Nummer 4 und 3 innerhalb der Eurozone.
Damit die EZB hierbei nicht nur kurzfristig etwas bewirken, sondern auch langfristig die Zinsbelastung senken kann, müsste sie vermutlich bis zu 600 Milliarden Euro in die Hand nehmen, bevor die nach wie vor hochdebattierten Rettungsfonds unserer Bad Bank die Sache überhaupt aus der Hand nehmen könnten.
Zwar hat sich die EZB die Geister schon im letzten Jahr gerufen, doch mit einem so starken Anleihenkaufprogramm, wie es diesmal notwendig ist, darf sie den Vergleich mit der FED nicht mehr scheuen.
Damit aber verliert sie ihr einziges Ziel, die Geldwertstabilität, aus den Augen und wird zum Instrument der Finanzpolitik. Denn bei solchen Summen, wie sie notwendig werden um die Zinsbelastung für Italien und Spanien im Griff zu halten, kann nichts mehr neutralisiert werden. Und wenn die Geldmenge steigt, dann steigen früher oder später auch die Preise....
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Günter Hüller (08.08. 2011 23:01 Uhr):
Sehr guter Artikel. Aber warum fordert die EZB von den Pleitekandidaten kein Gold ein, um deren Schulden wenigstens teilweise zu decken? Danke und viele Grüße Hüller
Antworten - Kommentar von Albert Karl (09.08. 2011 00:09 Uhr):
Hallo Frau Kraus! Natürlich haben Sie wieder einmal Recht: Die Bewertung der USA mit AAA (aktuell ausser Standard & Poor`s) ist ein absoluter Witz, und kein normal denkender Mensch kann eine solche Bewertung noch ernst nehmen. Fasst könnte man glauben, dass die US-Rating-Agenturen darauf erpicht sind, die Europäer weiter zu ärgern. Diese Politik der "Nadelstiche" wird bewusst fortgesetzt, sodass man nicht lange auf neue Abstufungen z.B. für Spanien, Italien oder Portugal warten muss. Im Ergebnis haben die konzertierten Manipulationen der drei amerikanischen Rating-Agenturen dazu geführt, dass die deutschen Staatsanleihen wie schon im Sommer des vergangenen Jahres als "sicherer Hafen" angepriesen werden. Der Kursanstieg bei den deutschen Staatsanleihen hat zu einem Rendite-Absturz auf 2,53 % für die 10-jährigen Bunds geführt. Meine Meinung ist: Der Kauf von Staatsanleihen ist der sicherste Weg, mittelfristig und langfristig (Währungsreform) sein Geldvermögen zu vernichten. Es ist doch gar keine Frage, dass die Risiken bei Renditen von 2,53 % für 10-j. Bunds oder von 2,98% für 10-j. US- Treasuries in keinster Weise angemessen honoriert werden. Gleichzeitig ist ja davon auszugehen, dass die Asset Price Inflation früher oder später durchschlagen wird. Und wenn die Konsumentenpreise erst einmal um 7% oder 10% im Jahr steigen, dann wird sich eine Rendite von unter 3% am langen Ende nicht mehr halten lassen. Und eins muss auch klar sein: Die extrem tiefen Renditen bei Staatsanleihen sind das Ergebnis von Überschussliquidität als Folge der lockeren Geldpolitik der Notenbanken. Gute Nacht bzw. guten Morgen, Ihr A.K
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