"Short Squeeze"
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 15. August 2005 12:00 Uhr
ENL5454
*** Letzten Freitag erwähnte ich im Trader's Daily den Begriff "Short Squeeze", mit der Ankündigung, ihn diese Woche ausführlich zu erklären.
Ich könnte es nicht besser erklären als der von mir sehr geschätzte Stefan Schilbe, Chefvolkswirt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt (und einer der besten Analysten, die ich kenne – seine Analysen lese ich immer sehr gerne). Ich zitiere:
"Ein 'Short Squeeze' weist oftmals besondere Charakteristika auf: Die fundamentalen Rahmendaten sind für die betroffenen Assets (z.B. eine Aktie) häufig sehr schlecht, was Marktteilnehmer zu starken Verkäufen veranlasst. Dementsprechend ist der Pessimismus außerordentlich hoch ausgeprägt – eine große Zahl von Investoren ist also sehr einseitig positioniert. Fällt nun der Wert trotz negativer Nachrichten nicht mehr bzw. beginnt sogar zu steigen ("buy on bad news"), geraten die Halter von 'Short'-Positionen unter Druck. Einsetzende Rückkäufe können eine dynamische Entwicklungswelle in Gang setzen, die durch den vermehrten Einsatz von technischen Handelsmodellen zusätzlich verstärkt wird. Dies erklärt die oftmals fast linearen Kursbewegungen ohne zwischenzeitliche Korrekturen."
Da bleiben keine Fragen offen. Halten wir fest: Wenn sehr viele Spekulanten short gegangen sind, also auf fallende Kurse setzen – dann kann es dann, wenn der betreffende Wert leicht steigt, zu steil steigenden Kursen kommen. Das ist der "Short Squeeze". Auch dieser Begriff wird übrigens nicht eingedeutscht, sondern als Fachterminus übernommen.
*** Letzte Woche Donnerstag habe ich den Abonnenten meiner Börsendienste "Opionsschein-Profits" und "Rohstoff Signale" empfohlen, bei einem gekauften Gold Long-Zertifikat (ISIN: AT0000489638) die Gewinne mitzunehmen. Der Grund: Der Goldpreis stand vor einem harten Widerstand – und trotz der riesigen Streiks bei südafrikanischen Goldminen (dort waren 110.000 Arbeiter in Streik getreten) war er bis dahin nicht deutlicher gestiegen. Meine Überlegung: Wenn selbst die Nachricht von den massiven Streiks (die die Goldproduktion massiv behindern) den Goldpreis nicht über den wichtigen Widerstand hieven konnte – dann würde er es ohne diese Unterstützung noch weniger schaffen. Und in diesem Fall drohte ein Rückschlag auf 430/431 Dollar.
Deshalb empfahl ich den Verkauf, meine Leser konnten knapp 30 % Plus einstreichen.
Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung: Der Goldpreis hatte den Break über den Widerstand doch geschafft, es wären weitere 15 % Plus drin gewesen. Ärgerlich, und ich habe mich auch in der Tat geärgert. Aber: Da auch ich nicht in die Zukunft sehen kann, war ich zum Zeitpunkt meiner Verkaufsempfehlung aufgrund meiner Analyse der Ansicht, dass der Verkauf die bessere Alternative sei. Und wenn ich wieder in derselben Situation wäre, würde ich wieder so entscheiden. Wenn der Goldpreis den Break nämlich nicht geschafft hätte, wäre der Gewinn von knapp 30 % sehr schnell aufgefressen worden (der Schein hat einen Hebel von rund 9). Und: An Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden ...
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel
P.S.: Verwechslungsgefahr – ich möchte darauf hinweisen, dass der "Rohstoff Investor" (siehe folgende Werbung) nichts mit mir zu tun hat, mein Produkt heißt "Rohstoff Signale".