Short Squeeze
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 24. November 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Der Short Squeeze ist ein spezifisches Problem, welches beim Short Selling auftreten kann. Wenn der urspüngliche Halter und Verleiher nämlich seine Aktien vorzeitig, also vor Ende der ausgemachten Leihfrist, zurückverlangt (weil er seine Aktien beispielsweise selbst verkaufen will), dann muss der Leerverkäufer dieser Forderung nachkommen. In den meisten Fällen wird der zwischengeschaltete Broker versuchen das Problem zunächst einmal selbst zu lösen. Er wird also zunächst versuchen einen neuen Verleiher zu finden, die Aktien dann an den ersten Verleiher zurück liefern und damit dafür sorgen, dass der Leerverkäufer seine Position aufrecht erhalten kann.
Zum Problem wird die Situation dann, wenn es dem Broker eben nicht gelingt einen ersatzweisen Verleiher zu finden. Dann nämlich ist der Leerverkäufer gefragt! Er ist dann gezwungen die Aktien unverzüglich (und das bedeutet um jeden Preis) am Markt zurück zu kaufen und an den Verleiher auszuhändigen.
Dies kann sich natürlich, bei stark steigendem Aktienkurs zu einer massiven Verlustsituation für den Leerverkäufer auswirken.
Natürlich entsteht das gleiche Problem, wenn der Aktienkurs aus bestimmten Gründen und entgegen der Erwartung der Leerverkäufer stark ansteigt und die Leerverkäufer nun schlichtweg zur Verlustbegrenzung gezwungen sind, rasch die entsprechenden Aktien auf dem Markt zurückzukaufen.
Die Folge ist aber in jedem Fall die gleiche: die hohe Nachfrage, welche die Leerverkäufer aufgrund der Notwendigkeit sich zu jedem Preis eindecken zu müssen, generieren, kann dann zu einer Angebotsknappheit des entsprechenden Wertpapiers führen. Aufgrund des entstehenden Nachfrageüberhangs treiben dann gerade die Short Seller ironischer Weise den Kurs immer weiter nach oben. Das kann dann theoretisch zu einer Kursexplosion und damit zu unbegrenztem Verlustpotenzial für die Short Seller führen!
Das prägnanteste Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist mit Sicherheit die Kursexplosion der VW-Stammaktie, nachdem Porsche bekannt gegeben hatte, dass es seinen Anteil an VW erstens aufgestockt und sich zusätzlich mit Hilfe von Optionen einen Gesamtanteil in Höhe von 74,1% an VW gesichert hatte. Da das Land Niedersachsen einen Anteil von 20% an VW hielt, verblieben weniger als 6% frei handelbare Anteile. Dies führte dann zu einem...
Corner
Denn die Leerverkäufer hatten sich insgesamt 12% der gesamten VW-Anteile ausgeliehen. Damit überstieg also die Zahl der geliehenen VW-Aktien, die Anzahl der frei verfügbaren Stücke deutlich. Die Folge davon war, dass sich die Leerverkäufer nicht mehr eindecken konnten.
Am Ende lief das Ganze bekanntlich auf ein Milliarden-Verlustgeschäft für die leerverkaufenden Hedge-Fonds raus, sowie schadenfrohes Lächeln auf Wiedekings Lippen und einen hübschen Gewinn für Porsche.
So long liebe Leser...nun, ja, ich sagte ja schon: Manipulationen kann es von jeder Seite aus und in jedem Markt geben...und nicht immer sind nur die Short Seller die Bösen....;-)...bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Peter Appl (24.11. 2009 23:27 Uhr):
Eine interessante Diskussion, welche alle Rechtsvorschriften des täglichen Lebens ignoriert. Im Bürgerlichen Gesetzbuch kann nur der Eigentümer über die Sache (hier die Aktie) frei verfügen und nicht der sich die Sache leiht und daraus einen Vorteil zieht. Am Ende ist immer einer betrogen worden. Stellen Sie sich vor, dieser Grundsatz würde auch im alltäglichen Recht gelten.
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