Short Seller James Chanos und der Enron-Skandal
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 25. November 2009, 20:00 Uhr
ENL5454
Ich bin sicher, ich muss zum Enron-Skandal nicht mehr viel sagen. Das Unternehmen Enron, einer der größten Energiekonzerne der USA, verursachte aufgrund von Bilanzfälschungen einen der größten Unternehmensskandale seit jeher. Zum Beispiel wurden Verkaufs-Termingeschäfte von Anfang an als Erträge gebucht, wohingegen Kaufgeschäfte auf Termin noch nicht einmal als Aufwand gebucht wurden. Die Gesellschaft ging auch dazu über, mittels Offshore-Gesellschaften praktisch Geschäfte mit sich selbst zu machen und diese von Banken vorfinanzieren zu lassen. Damit verschuldete sich das Unternehmen über seine Offshore-Töchter immer weiter, ohne dass dies in der Bilanz aufgetaucht wäre. Was der Gesellschaft schließlich mit das Genick brach, war deren manipulative Anwendung der Mark-to-model Methode, insbesondere auf die vorhandenen Future-Kontrakte. (Hierbei wird, lapidar gesprochen, der faire Wert eines komplexen oder illiquiden Vermögenswertes mit Hilfe einen Finanzmodells gemessen, welches natürlich auf Daten basiert, die vom Erstellenden selbst eingespielt werden.) Am Ende musste das Unternehmen im Dezember 2001 Insolvenz anmelden.
Aber wussten Sie auch, dass maßgeblich ein Short Seller daran beteiligt war, den Skandal mit aufzudecken? Short Seller James Chanos (US-amerikanischer Milliardär und Hedge-Fonds-Manager) analysierte die Buchhaltungsgepflogenheiten des Unternehmens und fand heraus, dass dabei etwas ganz und gar nicht in Ordnung war. (Zum Beispiel fiel ihm ein beunruhigend niedriges ROCI [return on capital investment] auf. Aber was noch wichtiger war: Chanos studierte Enrons Anwendung der Mark-to-model-Methode und fand heraus, dass das Management die Erträge schlicht und ergreifend übertrieben darstellte). So begann Chanos die Aktie frühzeitig leer zu verkaufen und stockte im weiteren Verlauf seine Short Position immer weiter auf. Kynikos, die von ihm gegründete, auf Short Selling spezialisierte Fondsgesellschaft, konnte einen hohen Gewinn erzielen und Chanos selbst wurde im Nachhinein für seine frühe Wahrnehmung der tatsächlichen Vorgänge gefeiert.
Ein beeindruckendes Beispiel für die Bedeutsamkeit der Short Seller im Prozess der Ermittlung von überteuerten Aktien.
Zur Kapitalbildung
Wenn man also davon ausgeht, dass Leerverkaufsaktivitäten zu einer effizienten Preisbildung führen, so gelangt man im Umkehrschluss auch zu dem Argument, dass Leerverkäufe die Kapitalbildung unterstützen. Denn eine verfehlte oder schwache Preisfindung führt schließlich zu einer Fehlleitung von Kapital innerhalb der Wirtschaft.
So long liebe Leser...so viel für heute...morgen wollen wir uns noch mit dem Short Selling und der Liquidität, sowie den Besonderheiten von Leerverkäufen an Terminmärkten beschäftigen....übrigens...noch mal zu Enron....wussten Sie eigentlich, dass die Rating-Agenturen Standard&Poor's und Moodys, Enron noch bis kurz vor der Insolvenz eine vorzügliche Bonität bestätigt hatten?!....:-).....die kommen auch wirklich immer zu spät...aber in deren Fall muss es wohl heißen: wer zu spät kommt, den bestraft Niemand!.....schade!....aber vielleicht kann man die ja mal als Gegenindikator nutzen?!...;-)))....bis morgen
Ihre Miriam Kraus
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