Shenzhen: Vorzeigestadt mit Pilotfunktion
Volkmar Michler in Profit Radar
vom 12. Januar 2012, 19:00 Uhr
ENL5454
Hätte ich mich auf den Reiseführer verlassen, dann hätte ich nie in die Sonderwirtschaftszone Shenzhen in der Nähe von Hongkong reisen dürfen. Laut, hässlich, unfreundlich, so das Urteil der „Reisespezialisten".
Auch wenn meine letzte Südchina-Reise keinen touristischen Hintergrund hatte, finde ich eine auf den ersten Blick erstaunlich grüne Metropole vor. Dabei hat die erste Sonderwirtschaftszone nach dem Tod Maos eine unglaubliche Entwicklung hinter sich: Vor 30 Jahren war Shenzhen noch ein kleines Fischerstädchen, heute zählt die südchinesische Metropole über 13 Millionen Einwohner.
Shenzhen war schon immer eine Turbostadt mit Pilotfunktion - was in Shenzhen an Reformen, Strukturen, Innovationen ausprobiert wurde, hatte Vorbildfunktion für ganz China. Der Stolz auf diesen besonderen Status ist heute noch spürbar.
Zum Beispiel bei der Stadtverwaltung von Shenzhen, die in einem beeindruckenden Gebäudekomplex sitzt, der den Schwingen eines Adlers nachempfunden ist. Dort habe ich einen Termin bei der Investmentabteilung der Stadtverwaltung. Der Leiterin, Wen Li, stelle ich vorsichtig die Frage, ob sie denn heute noch alles so umsetzen und entscheiden würde wie vor 10 Jahren. Damit wollte ich ihr eigentlich die Chance geben, mögliche Fehlentwicklungen bzw. Probleme von selbst anzusprechen.