SGL Carbon: Wohl denen, die der Put-Empfehlung widerstanden
Cindy Bach in Insider Daily
vom 17. Oktober 2011, 14:30 Uhr
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ich muss gestehen, dass ich heute bereits nach wenigen Minuten Arbeitszeit meine erste Genugtuung beschert bekam. Die Aktie von Carbon-Spezialist SGL legte im frühen Handel um satte 14,5% zu.
Ich habe den MDAX-Wert schon geraume Zeit auf dem "Radar". Erst am 5. Oktober schrieb ich Ihnen an dieser Stelle über einen auffälligen Insiderverkauf bei SGL. Der stellvertretende Vorstandschef Theodore Breyer hatte mal eben ein Aktienpaket im Gegenwert von rund 1,8 Mio. Euro auf den Markt geworfen. Sollte man dem Insider folgen? Ich riet Ihnen Ruhe zu bewahren. Das Papier hatte sich im Vergleich zu seinen Index-Kollegen in den jüngsten Marktverwerfungen zwar ausgesprochen gut behauptet, gegen den Trend sogar massiv zulegen können. Das 2011er KGV lag vor dem heutigen Kurssprung bereits bei beachtlichen 31,65. Das ruft natürlich Zweifler auf den Plan, welche die Aktie als überfällig für eine Korrektur ansehen - so auch die Kollegen von EURO am Sonntag.
In ihrer Ausgabe Nummer 41 empfahlen die Experten einen Knock-out-Put auf SGL Carbon und gaben dafür folgende Begründung an: "Übernahmegerüchte halten den Kurs der Aktie künstlich oben. Der Markt spekuliert darauf, dass SGL Carbon übernommen werden könnte. Dabei hätten es die Beteiligten vor allem auf das Geschäft mit leichten Materialien abgesehen, die einmal für Elektroautos verwendet werden könnten, heißt es. Geld verdient SGL Carbon mit den Zukunftsaktivitäten allerdings nicht. Ertragsbringer sind Grafitelektroden, die bei der Stahlerzeugung verwendet werden. Und in diesem Geschäft sieht es nicht gut aus. Die Stahlpreise fallen, Kapazitäten werden vom Markt genommen. Damit dürften auch die Analystenschätzungen Makulatur sein, die für 2012 hohes Gewinnwachstum erwarten lassen. Das Gegenteil ist wahrscheinlich. Offenbar schätzt das SGL-Management die Situation ähnlich ein. Gerade hat sich der stellvertretende Vorstandschef Theodore H. Breyer von einem Aktienpaket im Wert von 1,8 Millionen Euro getrennt. Durchschnittlicher Verkaufspreis: 39,67 Euro. Charttechnisch ist das genau die Marke, bei der die Aktie auf einen starken Widerstand trifft. Prallt sie dort ab, sind die nächsten Kursziele deutlich niedriger."
Doch wohl denen, die dieser Put-Empfehlung widerstanden. SGL konnte heute den Widerstand bei 39,70 Euro in einem Rutsch nehmen. Das Thema Carbon scheint also alles andere als eine Luftblase zu sein. Oder seit wann streiten sich die erfolgreichsten Autobauer Europas um die Vorherrschaft bei "heißer Luft"?
Grund für die erneut aufkeimenden Übernahmespekulationen um SGL ist ein Bericht des "Spiegel", wonach sich BMW und VW für einen Bieterwettstreit um den Carbonfaserhersteller rüsten. BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ist bereits mit 29% an SGL beteiligt, hat somit also eine Sperrminorität inne und kann wichtige Entscheidungen blockieren. Angeblich will sich nun auch BMW direkt an SGL beteiligen. Offen sei noch, wie viele Aktien BMW kaufe. Für BMW mache es Sinn, mehr als 20% an SGL zu erwerben, um zusammen mit dem Klatten-Anteil die Mehrheitskontrolle zu erlangen, berichtete das Magazin weiter. "Sollte das zutreffen, könnten die Aufsichtsbehörden das als Bündelung von Interessen interpretieren und damit eine Übernahmeofferte verlangen", sagte ein Händler. "Wir haben ein essentielles Interesse an SGL", zitierte das Magazin einen hochrangigen Manager der Münchner.
Doch damit steht BMW nicht alleine. Denn dem "Spiegel" zufolge will auch VW bei SGL weiter aufstocken und zusammen mit dem Zulieferer Voith eine Sperrminorität von 25% erreichen. Aktuell besitzt der Wolfsburger Konzern einen Anteil von 8,1% am Carbon-Spezialisten. Die Voith Industrieverwaltung bringt es aktuell auf 9,1%. Man müsste also über die Börse noch knapp 8% Aktienanteile zukaufen. Diese Sammelaktion" der beiden Konkurrenten dürfte den Aktienkurs von SGL in nächster Zeit weiterhin deutlich treiben.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Börsenwoche.
Ihre
Cindy Bach