SGL Carbon: Eine heiß umworbene Braut
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 19. Oktober 2011, 17:00 Uhr
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Eine der Aktien, die in den vergangenen Tagen ein neues Jahreshoch erreichten, habe ich bereits am 20. Mai 2011 hier im Nebenwerte Daily erwähnt: Es handelt sich um die im MDAX notierte SGL Carbon, den deutschen Produzenten von Graphit- und Carbonprodukten. Inzwischen konkretisieren sich bei dem Unternehmen die Gerüchte, dass nicht nur eine Übernahme ins Haus stehen könnte, sondern dass sich sogar verschiedene Aufkäufer um die hübsche Braut streiten könnten. Nach wie vor hält die BMW-Erbin Susanne Klatten mit ihrer Beteiligungsgesellschaft Skion 29 % der Aktien. Damit steht sie kurz vor den 30%, ab denen sie den restlichen Aktionären ein Pflichtangebot unterbreiten müsste. Dafür fehlen der Holding allerdings vermutlich die finanziellen Mittel.
Weitere Großaktionäre sind VW mit acht Prozent und die Voith GmbH mit neun Prozent. Die Gerüchte besagen nun, dass diese beiden gemeinsam an einer Übernahmeofferte interessiert sein könnten. Denn die Carbonprodukte von SGL werden gerade für die Leichtbauweise moderner energiesparender Fahrzeuge immer wichtiger. Das beschert nicht nur SGL Carbon einen profitablen Markt, sondern macht das Unternehmen auch interessant für Aufkäufer aus dem Automobilbereich. So gründete BMW zusammen mit SGL Carbon sogar eine Tochtergesellschaft, um gemeinsam Carbonteile für die neuen Modelle i3 und i8 zu produzieren.
Und genau BMW könnte nun auch der entscheidende Faktor für eine Übernahmeschlacht werden. Denn dieser große Autobauer hat ebenso wie VW genügend Mittel, um den Spezialisten relativ problemlos übernehmen zu können. Gemeinsam mit Susanne Klatten wäre das schnell möglich, weil nur noch eine sehr kleine Position genügen würde, um das Pflichtangebot abgeben zu müssen. Das müsste nur beim Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate liegen, was so um die 35 EUR bedeuten würde. Doch mit dem neuen Jahreshoch bei 45 EUR nähert sich SGL Carbon nicht nur dem Allzeithoch aus dem Jahr 2008, sondern liegt auch meilenweit über diesem erforderlichen Pflichtgebot. Der Markt geht also davon aus, dass sich die beiden großen Autobauer hier eine preistreibende Übernahmeschlacht liefern könnten.
Allerdings muss ich Sie davor warnen, jetzt noch blinden Auges auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Denn die Aktie ist nicht mehr gerade günstig zu nennen angesichts eines 2012er KGVs von fast 22. Gut, wenn die Autokonjunktur durch die Schuldenkrise nicht so stark beeinträchtigt wird, wie manche Analysten annehmen, kann das Unternehmen natürlich in diese Bewertung hineinwachsen. Aber wenn sich die Wirtschaft tatsächlich stärker abkühlt, müssen auch bei dieser Premiumaktie vermutlich die Gewinnaussichten noch nach unten korrigiert werden. Falls dann nicht die vermutete Übernahmeschlacht stattfinden sollte, kann es auch wieder so drastisch nach unten gehen wie im Jahr 2008. Ein enger Stopp ist also gerade bei solchen Spekulationen dringend erforderlich. Übrigens hält der spannende Börsenbrief First Mover diese Aktie im Depot. Wenn Sie wissen möchten, wie Chefredakteur Tim Roedel die Aussichten des Papiers einschätzt, kann ich Ihnen ein Probeabo dieses Dienstes empfehlen.
Herzliche Grüße
Ihre Daniela Knauer
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