Serie Hebelzertifikate Teil 7
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Derivate & Hebelprodukte
vom 26. Juli 2011, 08:30 Uhr
ENL5454
seit gestern Vormittag bin ich frisch erholt aus dem Urlaub zurück. Leider zu spät für den DAX Daily, der früh erscheint und wie geplant nochmals von meinem geschätzten Kollegen Tom Firley verfasst wurde. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die sehr lesenswerten Beiträge.
Heute möchte ich meine kleine Serie über die Hebelzertifikate noch mit einer Erläuterung zu den Short-Strategien, also den Spekulationen auf fallende Kurse, vollenden, bevor es ab morgen wieder Berichte über tagesaktuelle Themen von mir gibt.
Mit Short-Zertifikaten können Sie also etwas tun, was dem „normalen" Aktien-Anleger nicht möglich ist: Sie machen Gewinne, wenn die Kurse fallen. Aus mir nicht ganz verständlichen Gründen ist dies bei der Masse der Anleger ein wenig verpönt. Da Sie aber die Kursrichtung nicht ändern können, sondern lediglich auf der richtigen oder auf der falschen Seite des Marktes stehen können, ist mir diese Geisteshaltung nicht verständlich. Fallende Kurse sind nicht zwangsläufig etwas Schlechtes. Korrekturen bereinigen nach Übertreibungen den Markt und ermöglichen die nächste Rally. Längerfristige Bärenmärkte befreien die Wirtschaft wie ein Waldbrand von Überkapazitäten und bereiten so den Boden für den nächsten Boom. So what? Ich persönlich bin als Trader übrigens mit einem Bärenmarkt groß geworden (dem von 2000 bis 2003) und habe deshalb nicht die geringsten Berührungsängste mit Short-Strategien. Wenn sie denn Sinn machen.
Zuletzt hatten wir in meinem Börsendienst DAX Profits eine auf den DAX laufen (im Mai, Ergebnis +214% und +98%) und eine auf Heidelberger Druck (im Juni, Ergebnis +22%). Freilich lohnen solche Strategien im Bullenmarkt nur sehr kurzfristig. Aber der nächste Bärenmarkt wird auch irgendwann wieder kommen. Manche Korrektur beim DAX brachte in wenigen Tagen mehr Punkte nach unten als mehrere Monate Aufwärtsbewegung nach oben! So wie etwa diejenige Mitte März.
Grundsätzlich funktioniert ein Short-Zertifikat ganz ähnlich wie ein Long-Zertifikat. Auch hier wird wieder der Abstand zwischen dem aktuellen Kurs und dem festen Basispreis des Scheins gemessen, nur das hier der Basispreis über (und nicht unter) dem aktuellen Kurs liegt.
Die Näherungsformel zur Preisbestimmung lautet:
Wert Short-Zertifikat = (Basispreis - aktueller Kurs Basiswert) x Bezugsverhältnis
Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:
Sie haben ein Short-Zertifikat auf den DAX mit einem Basispreis von 8000 Punkten. Der DAX steht bei 7300 Punkten. Der Wert des Zertifikates errechnet sich wie folgt:
(8000 - 7500) x 1:100 = 5 €
Fällt der DAX nun auf 7000 Punkte, erhöht sich Ihr Zertifikatswert auf:
(8000 - 7000) x 1:100 = 10 €
10 € sind eine glatte Verdoppelung Ihres Einsatzes, während der DAX gleichzeitig sieben Prozent verliert und die anderen Anleger schwitzen. Ganz schön clever.
Der aktuelle Hebel lässt sich übrigens wie gehabt berechnen (Formel siehe meinen entsprechenden Beitrag zur Hebelberechnung vor einigen Tagen). Auch sonst ist prinzipiell alles gleich wie beim Long-Zertifikat. Insbesondere, dass die KO-Schwelle nicht berührt werden darf, da das Zertifikat sonst verfällt.
Sie sehen, auch mit Short-Zertifikaten ist es eigentlich ganz einfach. Man muss sie nur geschickt einsetzen. Entweder zur Depotabsicherung oder als eigene Tradingstrategie. Mehr dazu auch gern in meinem Börsendienst:
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