Sentiments-Analyse
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 18. Oktober 2002 18:00 Uhr
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Die Rallye geht also weiter. Dabei hatte Intel schlechte News präsentiert, denn der Quartalsgewinn lag pro Aktie zwei Cents unter den Erwartungen. Und Intel hatte gewarnt, dass das Umfeld weiterhin "herausfordernd" bleibe. Die Aktie war am Mittwoch um 18 % gefallen.
Die meisten US-Gesellschaften kaufen einfach nicht mehr so viele Computer und andere High Tech-Geräte wie zuvor. Vielleicht kaufen die Konsumenten weiterhin Dinge, die sie nicht brauchen, mit Geld, das sie nicht haben – aber die Unternehmen tun dies nicht. Die meisten Gesellschaften sind zurückhaltend, wenn es darum geht, Geld auszugeben, das sie nicht haben. Das Ergebnis ist, dass Gesellschaften wie Intel eine harte Zeit haben ...
Die derzeitige Aktienmarkt-Rallye ist nicht extrem überraschend – schließlich war die Stimmung zuletzt wirklich schlecht. Und extreme Marktstimmungen sind oft ein Zeichen dafür, dass es eine Marktbewegung in die entgegengesetzte Richtung geben wird.
Wie negativ waren die Anleger genau? Es gibt einen Indikator: Laut einer Umfrage von Associated Press (AP) sind zwei Drittel der Amerikaner der Ansicht, dass es eine schlechte Idee sei, in Aktien zu investieren. Im Kommentar zu dieser Umfrage hieß es: "Die Befragten sollten auf die Frage antworten, ob sie – wenn sie 1.000 Dollar ausgeben könnten – es für eine gute Idee halten würden, diese in den Aktienmarkt zu investieren. Die Umfrage wurde zwischen dem 4. und dem 8. Oktober durchgeführt und kam zu dem Ergebnis, dass 29 % das für eine gute Idee halten würden – aber 64 % für eine schlechte."
Ironischerweise wäre einer dieser Tage ein sehr guter Einstiegszeitpunkt gewesen. Aber ich will nicht zu sehr auf diese Umfrage eingehen. Aber ich würde immerhin vorschlagen, dass das Halten eines Aktienfonds heute eine weniger schlechte Idee ist als vor 4 1/2 Jahren. Damals glaubten nahezu alle, dass der Kauf von Aktien eine exzellente Idee sei.
Laut einer Gallup-Umfrage vom April 1998 sagten 2/3 der Befragten, dass der Kauf von Aktien eine gute Idee sei. Der Optimismus dieser Tage existiert nicht mehr – ein Opfer der geplatzten Spekulationsblase. Heute sagen 3 von 10 Befragten, dass sie sich wahrscheinlich erst später zur Ruhe setzen können als geplant – wegen den Verlusten am Aktienmarkt.
"4 von 10 Befragten sagen, dass Entwicklung am Aktienmarkt die finanzielle Situation ihrer Familie beeinflusst hat", so AP, "obwohl nur einer von 10 sagt, dass es sich um eine große Beeinflussung handelt." Trotzdem – die Tatsache, dass 4 von 10 Familien ihre eigene finanzielle Lage negativ beeinflusst sehen, dürfte sich bei den Konsumausgaben wiederspiegeln. Die Einzelhandelsumsätze gingen in der Woche bis zum 12. Oktober um 0,9 % zurück, nach 0,8 % Plus in der Vorwoche. Eine kleine Schwächung der Konsumausgaben wirkt sich über mehrere Rädchen negativ auf die gesamte Volkswirtschaft aus.
Die sich ständig verschlechternde Stimmung unter den Investoren war vielleicht ausreichend für eine kurzfristige Rallye – so Andrew Kashdan von Apogee Research. Aber: Die Stimmung, die man typischerweise am Boden eines Bärenmarktes vorfindet, haben wir noch nicht gesehen.
"Eine pessimistische Einschätzung des Aktienmarktes macht Sie nicht länger lächerlich bei Party-Gesprächen", so Kashdan, "aber der große Tag der Kapitulation steht angesichts der Daten der Aktienfonds noch aus. Das heißt nicht, dass ein solcher Tag notwendig ist, um einen neuen Bullenmarkt einzuleiten. Aber das Fehlen einer völligen Kapitulation vor den Göttern des Marktes vergrößert die Wahrscheinlichkeit eines noch längeren, noch tiefergehenden Bärenmarktes. Der Nettoabfluss der Aktienfonds summiert sich in den letzten 4 Monaten auf 90 Milliarden Dollar – allerdings sind seit Jahresanfang netto "nur" 25 Milliarden Dollar abgeflossen."
Mit anderen Worten, die meisten Investoren bleiben investiert und hoffen auf eine Erholung, anstatt erst einmal komplett rauszugehen. Sie haben noch Hoffnung – und das bedeutet, dass der Bärenmarkt noch weitergehen dürfte.