Seltene Kometen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 15. August 2006 07:30 Uhr
ENL5454
Die vergangene Nacht war eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Dem Abendessen folgte ein Konzert, das von der Band der Familie gegeben wurden. Danach bin ich draußen spazieren gegangen. Der Mond war so voll, ich brauchte keine Taschenlampe. Er schien durch die dünnen Wolken, so dass die Welt so aussah, als sei sie von schimmernder Gaze umgeben.
Und dann erlebte ich eine seltsame Erscheinung am südlichen Himmel... eine Sternschnuppe, die nicht aufhören wollte zu fallen. Was ist wohl die Botschaft?
In den Nachrichten des Tages gab es Spekulationen über den vorangegangenen Anfall von Inaktivität der Fed. Nachdem man die Zinssätze fast zwei Jahre in Folge angehoben hatte, hat die Fed in der letzten Woche nichts getan. Weil sie nicht wussten, welche Hand sie heben sollten, sind die Stimmberechtigten der Fed auf ihren Händen sitzen geblieben.
Warum? Spüren sie, dass die Wirtschaft auf dem Rückzug ist? Oder haben sie ihre Arbeit so gut gemacht – und die Zinsen sind jetzt einfach genau da, wo sie hingehören?
Die Fed ist zwischen Scylla und Charybdis gefangen... zwischen einem Felsen und einem harten Gegenstand... zwischen dem einerseits und dem andererseits. Man könnte auch weiterhin gegen die Inflation ankämpfen – und damit riskieren, sich vor die Felsen der Rezession zu steuern. Oder man könnte sich der Bedrohung durch die Deflation zuwenden – und noch höhere Inflationsraten anschwemmen.
Was das erste betrifft, kann man sehen, dass Toll Brothers, einer der größten Bauunternehmer der Nation, noch einmal einen Schritt zurücktreten mussten und die Schätzungen zum zweiten Mal nach unten korrigierten. Jetzt heißt es, die Verträge für Neubauten sind im Vergleich zum Vorjahr um 45% zurückgegangen.
Aus der Presse aus Florida erfahre ich, dass die Kreditaufkündigungen in Palm Beach County um 34% gestiegen sind. Ich hatte immer gedacht, dort würden die reichen Leute leben. Aber vielleicht ist doch nicht jeder in Palm Beach so reich. Aber ganz egal ob reich oder arm, sie werden ihre Häuser verlieren.
Gleichzeitig schwebt auf der anderen Seite, über den Felsen der Charybdis, die Gefahr höherer Inflationsraten.
Und das Schiff namens Staat hat noch einen weiteren harten Gegenstand, an dem es sich ein Leck schlagen könnte.
Kürzlich wunderte sich bei einem Abendessen eine französische Geschichtswissenschaftlerin darüber, dass die Amerikaner die Bushregierung bei ihren militärischen Abenteuern im Irak und in Afghanistan unterstützen. Sie meinte, dass diese Abenteuer den eigenen Interessen des Landes entgegenstünden. „Ihr verschwendet eure wertvollsten Mittel“, sagte sie, „eure militärische Stärke und euer Geld... für nichts. Das macht keinen Sinn! Warum?“
Ich versuchte es ihr zu erklären:
„Weil die Erfahrungen der Amerikaner mit dem Krieg in den letzten 100 Jahren eher positiv waren“, fing ich an, „ist das Militär diejenige unter den Institutionen der USA, der die Leute noch zu trauen scheinen. Die Leute glauben an militärische Lösungen.“
Die Wahrheit ist, dass Einstellungen wenig mit ernsthaften Gedanken zu tun haben und viel mit der Frage, aus welcher Richtung der Wind gerade weht. Allgemein denken die Leute nicht wirklich, weil es schwer ist, allein für sich zu denken. Es ist leichter für die Leute, sich einfach auf die Stimmungen und Gefühle der Massen zu verlassen und die entwickeln sich über einen langen Zeitraum.
Das Vertrauen der Amerikaner in die Rechtschaffenheit des eigenen Militärs ist alt und nur vergleichbar mit ihrem Vertrauen in die Solidität von Land und Häusern als Anlage.
„Mit Immobilien kann man nichts falsch machen“, ist eine feste Redewendung in den USA. Die Leute gehen davon aus, dass, selbst wenn es eine Stagnation geben mag – und sogar isolierte Bärenmärkte bei Wohnhäusern – der allgemeine Trend dennoch immer nach oben verweist. Aber das ist natürlich einfach nicht wahr. Als mein Großvater im Baltimore der 1920er Jahre ein Haus gekauft hat, hat er vermutlich, in realen Zahlen, einen Preis dafür bezahlt, der in den nächsten 70 Jahren nicht wieder erreicht wurde. Und die Leute, die im westlichen Kansas in den 1880ern Land kauften, warten immer noch darauf, wieder auf ihre Kosten zu kommen.
Die Leute glauben an die Solidität von etwas, das so unsicher ist wie Aktien. Ja, sie sind sich intellektuell darüber im Klaren, dass die Preise sowohl steigen als auch fallen. Aber wer kann sich noch an den letzten wahren Bärenmarkt erinnern? Wer glaubt wirklich, dass die Aktienpreise zwanzig Jahre lang fallen könnten? Wer erwartet denn heute noch einen Dow von 5.000 oder sogar 3.000 Zählern?
Ich kann mich selbst kaum noch daran erinnern, aber zwischen 1980 und 1982 konnte man eine einzige Unze Gold nehmen, sie verkaufen und hatte genug Geld, um jede einzelne der Aktien des Dow zu kaufen. Heute braucht man dafür 17 Unzen Gold. Und das, nachdem sich der Goldpreis schon verdoppelt hat.
Sie werden jetzt vielleicht denken: „Nun, dass sind ganz einfach nur Beispiele dafür, dass die Märkte arbeiten; sie steigen und fallen.“ Das stimmt, liebe Leser, aber mein Punkt ist hier, dass die wirklich großen Bewegungen am Markt und beim Militär von Stimmungen geprägt sind, die sehr langwierigen Mustern folgen, wie die Laufbahn eines entfernten Kometen, der im Laufe eines Lebens nur einmal am südlichen Himmel erscheint.
Momentan haben die Leute angefangen, über die Rezession zu sprechen... über einen Bärenmarkt... über Krieg. Aber sie bekommen das Elend hinter diesen Dingen noch nicht zu spüren. Es ist alles sehr abstrakt. Und das ist der Grund, warum sie auch weiterhin Aktien kaufen, deren Dividende weniger als zwei Prozent beträgt. Es ist der Grund, warum sie bereit sind, Anteile von fremden Firmen zu kaufen, deren Namen sie kaum aussprechen können und warum sie sich selbst so tief in die Verschuldung treiben, dass selbst der kleinste Rückschlag die Pleite für sie bedeuten würde. Und das ist auch der Grund dafür, dass sie ihre Ersparnisse immer noch in einer Währung anlegen, die nur auf Vertrauen aufbaut, obwohl die Wächter dieser Währung öffentlich bekannt gegeben haben, dass sie sie zerstören werden, Stück für Stück und bis in alle Ewigkeit.
Ja, den Amerikanern ist bewusst, dass es von Zeit zu Zeit harte Zeiten gibt, aber sie fühlen sich dadurch nicht bedroht. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass ihnen selbst etwas zustoßen könnte. Wenn sie ihre Jobs verlieren, dann wird es zahlreiche andere Stellen in den USA geben. Und ganz egal, was passiert, die Leute von der Regierung werden dafür sorgen, dass es niemandem zu schlecht gehen wird.
Wenn es jedoch eine Sache gibt, die ich wirklich über die Stimmungen der Masse weiß, dann ist es, dass sie sich verändern. Heute ist es Gier, morgen ist es Angst. Aber niemals Zweifel. Und wenn die Stimmung der Massen in den negativen Bereich rückt, dann fangen die Leute an, sich keine Gedanken mehr über die Erträge für ihr Geld zu machen, sondern darüber, wie sie es zurückkriegen können. Sie wollen eine Dividende von 6% und nicht 1,9%. Und sie wollen Garantien und Sicherheiten, ehe sie das Geld verleihen. Und wenn die Leute sparen, dann wollen sie greifbare Dinge, getestet und wahrhaftig, mit bescheinigtem Wert – Gold zum Beispiel – um ihren Reichtum zu schützen.
Es ist schon lange her, dass dieser feurige Komet sich sehen ließ und die Leute haben den Sinn von Angst und Schrecken, den er einst auslöste, vergessen... das Ende der Welt. Sie können sich nicht vorstellen, wie das aussehen soll. Sie werden es selbst erleben müssen, wieder einmal.
Es ist nur eine Frage der Zeit.
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